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11.05.2015

15:50 Uhr

EZB trauert

„ Euro-Vater“ Lamfalussy verstorben

Der Tod von Alexandre Lamfalussy sorgte bei der EZB für Bestürzung. Der Belgier war maßgeblich an Entstehung und Werdegang der Währungsunion beteiligt, ebenso an der Gründung der EZB. Lamfalussy wurde 86 Jahre alt.

Der ehemalige Leiter des Europäischen Währungsinstitutes starb im Alter von 86 Jahren. dpa

Alexandre Lamfalussy

Der ehemalige Leiter des Europäischen Währungsinstitutes starb im Alter von 86 Jahren.

Brüssel/FrankfurtEiner der „Väter“ der Euro-Währung, der Belgier Alexandre Lamfalussy, ist am Samstag im Alter von 86 Jahren gestorben. Das teilte die Familie der belgischen Nachrichtenagentur Belga mit. Der gebürtige Ungar und studierte Wirtschaftswissenschaftler leitete von 1994 bis 1997 in Frankfurt das Europäische Währungsinstitut (EWI), die Vorläufer-Institution der Europäischen Zentralbank (EZB).

„Alexandre Lamfalussys Name wird immer eng mit der Währungsunion und der EZB verbunden sein“, erklärte die EZB am Montag in Frankfurt.

Der EZB-Neubau in Zahlen

Höhe

Der Neubau der EZB besteht aus zwei Türmen mit einer Höhe von 185 und 165 Metern auf 45 bzw. 43 Geschossen. Zusammen mit der Antenne kommt das Gebäude so auf eine Gesamthöhe von rund 201 Metern. Damit ist der EZB-Neubau das siebthöchste Hochhaus Frankfurts.

Verbindungen

Insgesamt zehn Brücken befinden sich im Gebäude. Auf den Geschossen 3, 15, 27 und 38 unterteilen Verbindungsebenen die beiden Türme. Diese Ebenen sollen den Mitarbeitern als informeller Treffpunkt dienen, die über Aufzüge erreichbar sind.

Arbeitsplätze

Derzeit arbeiten rund 2600 Angestellte im EZB-Gebäude. Bei dem Neubau hat die Notenbank vorgesorgt und Schreibtische für zusätzliche 300 Mitarbeiter eingerichtet. Insgesamt können in der EZB-eigenen Tiefgarage auf zwei Ebenen rund 630 Fahrzeuge parken.

Park

Auf einem Grundstück von 120.000 Quadratmetern hat die EZB einen Park nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten errichten lassen. Auf der hügeligen Landschaft wurden insgesamt 700 Bäume mindestens 25 verschiedener Arten gepflanzt. Dabei haben die Landschaftsgärtner darauf geachtet, dass Parkbesucher die verschiedenen Jahreszeiten auch an den unterschiedlichen Laubfarben „miterleben“ können.

Energiekonzept

Für die Spülung der WC-Anlagen und die Bewässerung des Parks sammelt die EZB Regenwasser in einer 500 Kubikmeter großen Zisterne. Geheizt wird mit Geothermie. Durch „intelligente Jalousien“, die im Zusammenspiel mit automatischen Dimmern für eine selbstständige Beleuchtung sorgen, will die Notenbank Energiekosten sparen.

Großmarkthalle

Die ehemalige Großmarkthalle soll die halböffentlichen Funktionen des Gebäudes fassen: die Kantine und Konferenzräume. Zusätzlich hat die EZB hier eine Gedenkstätte eingerichtet für die von den Nazis von hier aus deportierten Juden in Frankfurt. Ganze 73 Kilometer Backsteinfugen mussten hierfür restauriert werden.

Kosten

850 Millionen Euro hatte man für den Neubau 2005 ursprünglich veranschlagt. Doch ausgerechnet ihre eigene Arbeit kam den Währungshütern in die Quere: Auch weil Kosten für Baumaterialien durch Inflation anstiegen, wurden es letztendlich 1,3 Milliarden Euro.

Der Euro wurde 1999 eingeführt, zunächst als Buchwährung. Unter der Leitung Lamfalussys seien wesentliche Grundlagen auf dem Weg zum Euro und zur Gründung der Europäischen Zentralbank geschaffen worden, betonte die EZB: „Wir werden seinen scharfen Verstand, seinen Charme und seinen unermüdlichen Einsatz für die Europäische Einheit sehr vermissen. Mitarbeiter, Direktorium und Rat der EZB trauern um einen sehr geschätzten ehemaligen Kollegen und Freund.“

Die Bewunderung für einen der Gründer des Euro werde fortbestehen. Lamfalussy war geadelt worden und trug den Titel eines Barons.

Von

dpa

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