Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2010

13:54 Uhr

EZB

Trichet sieht nur wenig Wachstum

VonMarietta Kurm-Engels

Vor dem Hintergrund bescheidenen Wirtschaftswachstums im laufenden Jahr hat der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, den aktuellen Leitzins von einem Prozent als "angemessen" bezeichnet. Der Leitzins bleibt daher unverändert. Zukunftspläne der EZB bleiben geheim.

EZB-Chef Trichet lieferte keine weiteren Details zum allmählichen Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik. Quelle: ap

EZB-Chef Trichet lieferte keine weiteren Details zum allmählichen Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik.

FRANKFURT. Vor dem Hintergrund bescheidenen Wirtschaftswachstums im laufenden Jahr hat der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, den aktuellen Leitzins von einem Prozent als "angemessen" bezeichnet. Die Inflationsgefahren im Euro-Raum seien bis auf weiteres unter Kontrolle, sagte der EZB-Chef im Anschluss an die Sitzung des EZB-Rats, der am Donnerstag in Anwesenheit von EU-Kommissar Joaquín Almunia in Frankfurt tagte.

Ausblick mit Risiken

Der EZB-Rat gehe davon aus, dass die Wirtschaft des Euro-Raums 2010 nur mit mäßigem Tempo wachsen werde, erklärte der EZB-Chef. Die Erholung werde uneinheitlich von Statten gehen und sei nach wie vor mit Unsicherheit belastet. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die unterstützenden Faktoren zum Teil nur von vorübergehender Dauer seien. Die Wirtschaft profitiere von erheblichen makroökonomischen Anschub-Programmen und den Maßnahmen, die zur Unterstützung des Finanzsystems ergriffen worden seien. Darüber hinaus werde die wirtschaftliche Aktivität bis auf weiteres auch dadurch belastet, dass die Banken ihre Bilanzen bereinigen müssten. Das gelte innerhalb und außerhalb des Euro-Raums. Zudem werde die geringe Kapazitätsauslastung voraussichtlich die Investitionstätigkeit dämpfen. Man erwarte, dass die Arbeitslosigkeit im Euro-Raum noch weiter steigen werde, was wiederum den privaten Konsum belaste.

Zu den Risiken dieses Ausblicks zählte Trichet, dass die intensiven makroökonomischen Stimuli sowie die übrigen Hilfsmaßnahmen eine größere Wirkung entfalten könnten, als bisher angenommen. Zudem könnte das Vertrauen unerwartet schnell besser werden und der Export sich schneller erholen als zur Zeit angenommen.

Wenn es schlecht komme, sei aber auch nicht auszuschließen, dass sich die negativen Wechselwirkung zwischen realer Wirtschaft und Finanzsektor länger hinzögen. Zu den Risiken zähle auch ein erneuter Anstieg des Ölpreises und der Preise anderer Rohstoffe. Nicht auszuschließen sei ein Anstieg im Protektionismus.

Trichet geht davon aus, dass die Inflationsrate im Euro-Raum kurzfristig bei etwa einem Prozent verharren wird. Auch darüber hinaus werde die Teuerung gemäßigt bleiben. Die Kosten- und Lohnentwicklung bleibe wegen der langsamen Erholung der Nachfrage gedämpft. Entscheidend sei, dass die Inflationserwartungen langfristig bei "unter, aber nahe zwei Prozent" verankert blieben. Trichet appellierte an die Banken, weiterhin ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen, gleichzeitig aber die Kreditvergabe an die Unternehmen zu gewährleisten.

Die EZB werde mit ihren unkonventionellen Maßnahmen zur Stützung der Liquidität des Bankensystems einstweilen fortfahren, so Trichet. Sobald die Maßnahmen zum Problem für die Preisstabilität würden, würde Liquidität abgezogen.

Zukunftspläne bleiben geheim

Welche Maßnahmen als nächstes beendet werden, ließ der EZB-Chef offen. Bisher sind die Refinanzierungsgeschäfte mit einem Jahr Laufzeit ausgelaufen. Der letzte Jahrestender wurde im Dezember 2009 platziert. Er wird im Dezember 2010 fällig. Der letzte Sechs-Monatstender ist für Ende März geplant. Die einwöchigen Hauptrefinanzierungsgeschäfte sollen so lange wie erforderlich, wenigstens bis zum 13. April, zum geltenden Notenbankzins von einem Prozent ausgeschrieben werden.

Ausgelaufen sind zudem die Dollar-Tender mit 84 Tagen Laufzeit, die die EZB in Zusammenarbeit mit der US-Notenbank Fed ausgeschrieben hatte. Die Nachfrage nach diesem Angebot sei begrenzt, zudem hätten sich die Bedingungen an den Finanzmärkten verbessert, hatte die EZB dazu mitgeteilt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×