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14.11.2013

11:54 Uhr

EZB-Zinspolitik

Bundesbank warnt vor Gefahren für das Finanzsystem

Die Geldpolitik der EZB gefährdet das deutsche Finanzsystem, warnen die Spitzen der Bundesbank. Die ultraniedrigen Zinsen könnten die Rücklagen von Lebensversicherern aufzehren. Doch das sei nicht die einzige Gefahr.

Showdown in Frankfurts Bankenszene: Die Bundesbank kritisiert die ebenfalls am Main ansässige Europäische Zentralbank scharf. dpa

Showdown in Frankfurts Bankenszene: Die Bundesbank kritisiert die ebenfalls am Main ansässige Europäische Zentralbank scharf.

FrankfurtEine Woche nach der in Deutschland teils scharf kritisierten Leitzinssenkung der EZB warnt die Bundesbank vor Risiken für die Finanzstabilität durch die extrem niedrigen Zinsen. Diese hätten zwar zusammen mit der reichlichen Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken dazu beigetragen, dass die Spannungen an den internationalen Finanzmärkten nachgelassen hätten. Allerdings stiegen die Risiken und Nebenwirkungen, je länger die Zinsen so niedrig blieben, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Donnerstag. „Das Niedrigzinsumfeld wird mehr und mehr zu einer Belastung für das deutsche Finanzsystem. Sobald wir Gefahren für die Finanzstabilität sehen, werden wir handeln.“

So zehrten niedrige Zinsen zunehmend die finanziellen Puffer der Lebensversicherer auf, warnte Dombret. Zudem würden auch die Belastungen für die Banken, deren Erträge in Deutschland traditionell stark am Zinseinkommen hingen, immer spürbarer, ergänzte Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger bei der Vorstellung des jährlichen Finanzstabilitätsberichts in Frankfurt. Auch Geschäftsmodelle vieler Geldhäuser gerieten unter Druck. Zudem seien die ultraniedrigen Zinsen mitverantwortlich für kräftig steigende Wohnimmobilienpreise in den Ballungsräumen. Allerdings gehe davon noch keine akute Gefahr für die Finanzstabilität in Deutschland aus.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Leitzins für die 17 Euro-Länder am vergangenen Donnerstag auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hatten sechs der 23 Mitglieder des EZB-Rats gegen diesen Schritt votiert, auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Dieser hat sich in den vergangenen Tagen mit offener Kritik an der Entscheidung auffällig zurückgehalten. Das zweite deutsche EZB-Ratsmitglied, der frühere Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen, hatte dagegen den Zinsbeschluss verteidigt. Am Mittwoch hatte dann EZB-Chefvolkswirt Peter Praet laut über weitergehende Schritte nachgedacht.

Von

rtr

Kommentare (36)

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Account gelöscht!

14.11.2013, 12:20 Uhr

Zitat : die Geldpolitik der EZB gefährde das deutsche Finanzsystem.

- und die Politik der EU gefährdet den Deutschen Wohlstand. Schon lange !

Ergo : EZB und EU müßen weg !

Account gelöscht!

14.11.2013, 12:31 Uhr

...heute Morgen fällt der Weidmann dem Sparer in den Rücken (schreibt das HB/dpa), und nun warnt die Buba. Was soll eigentlich dieses hin und her ? Sollen die Leute verunsichert werden oder ist das ein neuer journalistischer Stil ?

norbert

14.11.2013, 12:33 Uhr

Die Geister, die ich rief ...

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