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12.09.2016

17:39 Uhr

Faule Kredite

EZB übt Druck auf Banken aus

Beim Abbau fauler Kredite schauen die EZB-Währungshüter den Bankern künftig stärker auf die Finger: Die Institute müssen sich Ziele setzen, wie viele dieser Darlehen sie in den kommenden Jahren abbauen.

Die europäischen Banken müssen angeben, wie viele faule Kredite sie in einem und in drei Jahren abgebaut haben wollen. dpa

EZB-Zentrale in Frankfurt am Main

Die europäischen Banken müssen angeben, wie viele faule Kredite sie in den kommenden Jahren abbauen.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) macht den Geldhäusern beim Abbau fauler Kredite Druck – allerdings nur ein bisschen. Die Institute müssen sich Ziele setzen, welches Level an ausfallgefährdeten Darlehen sie in einem und in drei Jahren erreichen wollen, wie die EZB mitteilte.

Diese Ziele sind allerdings nicht bindend. Die EZB will nur eingreifen, wenn Banken die angepeilten Werte deutlich überschreiten. Besonders italienische Geldhäuser können damit aufatmen. Sie hatten im Fall von bindenden Obergrenzen befürchtet, zu Notverkäufen von Portfolien gezwungen zu werden.

Banken in der Eurozone schieben faule Kredite mit einem Volumen von 900 Milliarden Euro vor sich her. Bei den 129 Großbanken, die von der EZB beaufsichtigt werden, sind rund sieben Prozent aller Darlehen ausfallgefährdet.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

In Italien liegt die Quote bei 12 Prozent, in Portugal bei 15 Prozent und in Griechenland bei 47 Prozent. Deutschland kommt lediglich auf zwei Prozent. Hier sind die Vorgaben nur für einzelne Geldhäuser wie die HSH Nordbank relevant. Sie leidet unter vielen ausfallgefährdeten Schiffskrediten und wurde von der EZB deshalb bereits vor einiger Zeit aufgefordert, auszumisten.

Ein Berg an faulen Krediten hindert Institute aus Sicht der Notenbank daran, Geld an die Realwirtschaft zu verleihen und ihre Kapitalpuffer zu stärken. Auf der anderen Seite will die EZB Geldhäuser nicht zu Notverkäufen zwingen, die ihnen Verluste einbrocken und ihre Kapitalbasis schwächen. In Italien stehen bereits heute mehrere Banken unter Druck und wollen neues Kapital aufnehmen, darunter die HVB-Mutter UniCredit und die Krisenbank Monte dei Paschi di Siena.

Von

rtr

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