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13.01.2016

20:42 Uhr

Fed-Bericht

Dollar und Ölpreis belasten die US-Wirtschaft

Die Fed hat im Dezember den Leitzins erstmals seit fast zehn Jahren erhöht. Inzwischen denken die Notenbanker laut darüber nach, wie viele Zinssschritte noch folgen sollen. Doch Dollar und Öl belasten die Wirtschaft.

Notenbank um Fed-Chefin Janet Yellen wird Fachleuten zufolge die Zügel dieses Jahr Zug um Zug anziehen wird. dpa

Janet Yellen

Notenbank um Fed-Chefin Janet Yellen wird Fachleuten zufolge die Zügel dieses Jahr Zug um Zug anziehen wird.

WashingtonDer starke Dollar und der Ölpreisverfall belasten nach Einschätzung der US-Notenbank Fed die US-Konjunktur. Diese beiden Faktoren hätten Verbesserungen am Arbeitsmarkt und bei den Konsumausgaben zunichtegemacht, erklärte die Fed am Mittwoch in ihrem Konjunkturbericht – im Fachjargon „Beige Book“ genannt. In neun von zwölf Distrikten habe die Wirtschaftsaktivität zwischen Ende November und Anfang Januar jedoch zugelegt.

Während die Ausgaben der Verbraucher in den meisten Distrikten leicht bis moderat anzogen und es an den Arbeitsmärkten weiter aufwärts ging, sah es bei der Industrie nicht so gut aus. Der starke Dollar belaste die Nachfrage, hieß es in dem Bericht der Fed. Vor allem der Energiesektor hat derzeit wegen der niedrigen Ölpreise zu kämpfen. Der milde Winter habe beispielsweise in Cleveland und Kansas den ohnehin hohen Öl- und Gasbestand weiter ansteigen lassen und damit den Druck auf die Preise erhöht.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Die Hälfte der Distrikte geht dennoch weiter von einer weitgehend positiven Entwicklung der US-Wirtschaft aus. Die Fed hatte im Dezember den Leitzins erstmals seit fast zehn Jahren erhöht und damit ihre Geldpolitik an die wieder rund laufende Konjunktur angepasst. Der Arbeitsmarkt boomte zuletzt so stark, dass in einem Monat fast 300.000 neue Jobs entstanden. Vollbeschäftigung ist mit einer Erwerbslosenquote von 5,0 Prozent annähernd erreicht. Das Führungspersonal der Notenbank denkt daher bereits laut darüber nach, wie viele Zinsschritte dieses Jahr noch folgen sollen. Laut Fed-Vizechef Stanley Fischer könnten es bis zu vier werden. Angesichts der abflauenden Weltkonjunktur mahnt der Chef der Fed von Boston, Eric Rosengren, jedoch zur Vorsicht. Falls auch die US-Wirtschaft an Fahrt einbüße, werde die US-Notenbank womöglich behutsamer vorgehen müssen.

Von

rtr

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