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17.07.2013

21:05 Uhr

Fed-Chef

Bernanke verschafft sich Luft

VonNils Rüdel

Die US-Notenbank Fed hält an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Wie lange noch, das sollen die Wirtschaftsdaten entscheiden. Mit dieser Aussage hat Fed-Chef Bernanke die Märkte beruhigt – und sich selbst Spielraum gegeben.

Fed-Chef Bernanke sorgt steigende Kurse an den Börsen. dpa

Fed-Chef Bernanke sorgt steigende Kurse an den Börsen.

New YorkBen Bernanke spricht. Länger als drei Stunden. Und die Märkte bleiben ruhig. Wie kann das sein? Genügte doch in letzter Zeit ein Halbsatz des Chefs der US-Notenbank Fed, um die hypernervösen Aktien-, Anleihe- und Devisenmärkte ins Rotieren zu bringen. Am Mittwoch nun, als Bernanke vor dem US-Kongress Rechenschaft über die Notenbank-Politik ablegte, gab es leichte Kursaufschläge. Dann gingen die Händler, die am Morgen noch die Luft angehalten hatten, zur Tagesordnung über.

Was hat der mächtigste Währungshüter der Welt gesagt? Bernankes Statement und die danach folgende Frage- und Antwort-Stunde lassen sich so zusammenfassen: Alle Optionen bleiben auf dem Tisch. Sinngemäß war Bernankes Auftritt ein Appell an die Märkte: Wartet ab! Und die Märkte folgten ihm.

Die Erkenntnis des Tages ist: Die ultralockere Geldpolitik, also das milliardenschwere Anleihen-Aufkaufprogramm und die Nullzinspolitik, geht so lange weiter wie nötig. Vielleicht nimmt die Fed noch in diesem Jahr den Fuß vom Gas. Vielleicht aber auch erst nächstes Jahr. Oder, auch das ist möglich: Vielleicht drückt sie ja sogar noch kräftiger aufs Pedal. Wer weiß.

Das alles, so Bernanke, wird davon abhängen, inwieweit die US-Wirtschaft demnächst auf eigenen Beinen stehen kann, wie hoch die Arbeitslosigkeit ist und wie sich die Inflation entwickelt. Noch sei es jedenfalls nicht so weit, und die widersprüchlichen Konjunktur-Signale und mögliche „Gegenwinde“ unterstützen diese Annahme. Die Fed werde ihre Entscheidungen an den wirtschaftlichen Daten ausrichten, betonte Bernanke. Sie folge „auf keinen Fall einem vorab festgelegten Kurs“.

2013 und 2014: USA senken Wachstumsprognose

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Die Regierung der USA muss ihre Einschätzung zur wirtschaftlichen Entwicklung korrigieren. Angesichts der Sparrunden in der EU und einem schwächeren Wachstum in China werde wohl auch die US-Wirtschaft geringer wachsen.

Erst einmal geht also alles so weiter wie bisher: Die Notenbank wird Monat für Monat Anleihen und Hypothekenpapiere in Höhe von 85 Milliarden Dollar aufkaufen, um die Konjunktur anzukurbeln. Und der Leitzins wird zwischen 0 und 0,25 Prozent bleiben. Wer befürchtet hatte, die Fed werde daran sehr bald etwas ändern, konnte am Mittwoch aufatmen.

Damit hat Bernanke die Märkte beruhigt – und sich selbst wieder etwas Luft verschafft. Die war zuletzt dünn geworden, wie die Reaktionen auf seine jüngsten Äußerungen zeigten. Als der Notenbanker im Juni davon sprach, die Fed könne noch in diesem Jahr die Anleihekäufe verringern und Mitte 2014 ganz einstellen, brachen die Börsen ein. Dieselben Börsen brannten dann ein Feuerwerk ab, als Bernanke Anfang Juli das Gegenteil andeutete – indem er verkündete, die Fed werde noch lange an ihrer Politik festhalten. 

Das sind die wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt

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Schweden

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Platz 7

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Platz 8

Norwegen

Platz 9

Deutschland

Platz 10

Katar

Quelle

IMD-„World Competitiveness Ranking“ 2012.

Die Schweizer Business-School IMD veröffentlich seit 1989 jährlich ihr Wettbewerbsranking. Dazu befragen die Wissenschaftler mehr als 4200 internationale Geschäftsleute. Die Länder werden nach über 300 Kriterien bewertet.

Dazwischen lagen einige enttäuschende Nachrichten von der US-Konjunktur – unter anderem die Wachstumsprognose der Regierung für das erste Quartal, die nach unten korrigiert wurde. Auch die Arbeitslosigkeit bewegt sich kaum von der Stelle. Angesichts solcher Ungewissheiten will der Notenbanker keine klare Perspektive über die Entscheidungen der Fed geben.

Bernanke hat sich am Mittwoch alle währungspolitischen Instrumente zurückgeholt, für den Fall, dass er sie noch braucht. Und er hat sich Zeit erkauft. Irgendwann aber muss die Fed unweigerlich anfangen, ihre Programme zurückzufahren. Das wird nicht ohne Schmerzen gehen. Doch Bernanke, der als amtsmüde gilt und dessen zweite Amtszeit Anfang 2014 endet, wird das möglicherweise nur noch als Zuschauer erleben.    

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

17.07.2013, 21:58 Uhr

Druck, Baby, druck! Ganze Wälder durch die Presse jagen macht die Menschen glücklich. Denn wer mehr Geld hat, ist doch glücklicher, nicht? Lass die Leute schwätzen und mahnen, dass das Geld Fehlallokationen hervorruft. Hauptsache mehr Geld.
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Oh ja Leute, die nächste Krise wird weh tun!

Freidenker

17.07.2013, 22:54 Uhr

Als der Notenbanker im Juni davon sprach, die Fed könne noch in diesem Jahr die Anleihekäufe verringern und Mitte 2014 ganz einstellen, brachen die Börsen ein. Dieselben Börsen brannten dann ein Feuerwerk ab, als Bernanke Anfang Juli das Gegenteil andeutete – indem er verkündete, die Fed werde noch lange an ihrer Politik festhalten.

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Gezielte Manipulation der Börsen/Märkte! Das nimmt kein gutes Ende!!

Account gelöscht!

17.07.2013, 23:04 Uhr

Eine tolle Sprache. Glueckwunsch zum grossen Sprachschatz

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