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14.09.2012

15:35 Uhr

Fed/EZB-Politik

Wirtschaftsforscher dämpfen Inflationsangst

VonDietmar Neuerer

Sind die Anleihen-Kaufprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank in der Lage einen Inflationsschub auszulösen? Ökonomen sehen keinen Grund, sich große Sorgen zu machen. Das Problem ist ein anderes.

Die Geldschwemme der Fed macht europäische Exportgüter teurer. dpa

Die Geldschwemme der Fed macht europäische Exportgüter teurer.

BerlinNach Einschätzung von deutschen Ökonomen lösen die Anleihen-Kaufprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank nicht automatisch einen Inflationsschub aus. „Es lässt sich ökonomisch belegen, dass sich daraus kein Inflationsschub ergeben muss“, sagte der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel Handelsblatt Online. Dies sei aber nur zu erkennen, wenn die Notwendigkeit der Stabilisierung der Finanzmärkte erkannt werde.  In den USA ziele die Geldschwemme bei Nullzinsen auf die Vermeidung einer ausufernden konjunkturellen Abschwächung sowie den Abbau der Arbeitslosigkeit. Diese dritte Phase des „Qantitative Easing“  werde jedoch nicht in eine sich beschleunigende Inflation umschlagen. „Denn es geht darum, mit kreditfinanzierte Ausgaben vor allem im Bereich unternehmerischer Investitionen das Produktionspotenzial auszuschöpfen und nachfragegetrieben auszuweiten“, sagte Hickel. „Wenn dies gelingt, entsteht auch kein Inflationspotenzial.“

Teuerungsrate: Inflation in der Euro-Zone steigt

Teuerungsrate

Inflation in der Euro-Zone steigt

Gefühlt liegt die Teuerung weitaus höher als die nackten Zahlen suggerieren.

Die EZB verfolge hingegen mit ihrem Anleihen-Aufkaufprogramm das Ziel, die Zinsen für die Anleihen klammer Euro-Staaten nach unten zu drücken. Spekulanten würden dadurch Spielräume genommen. Denn die mit dieser „Bazooka-Politik“ erhöhte Liquidität führe nicht zu einem Schub an effektiver Nachfrage, unterstrich Hickel. Schließlich werde ein Anstieg der konsumtiven Nachfrage vor allem durch Lohnerhöhungen nicht die Folge sein. Zudem sei die Notenbank in der Lage, im Falle der Inflation sofort gegenzusteuern. „Die EZB ist die einzige Instanz, die glaubhaft die Spekulanten aus dem Refinanzierungsgeschäft der Krisenstaaten zurückdrängen kann.“

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Deutscher Aktienindex (Dax)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

Dow Jones

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

EuroStoxx 50

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

Nikkei

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

MSCI Emerging Markets

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

Gold

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

Silber

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

Öl

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

Weizen

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

Kaffee

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

Staatsanleihen (Rexp)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

Sparbuch

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

Tagesgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

Festgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Die US-Notenbank hatte den Kauf weiterer Staats-Anleihen angekündigt, um die Konjunktur anzukurbeln. Wie die "Federal Reserve" in Washington mitteilte, will sie unter anderem zur Stärkung des Häuser- und Wohnungsmarkts monatlich für 40 Milliarden Dollar Immobilien-Papiere erwerben. Dies werde so lange geschehen, bis die Arbeitslosigkeit substanziell zurückgehe, hieß es. Außerdem soll der faktisch null Prozent betragende Leitzins bis zum Jahre 2015 nicht erhöht werden. Ziel dieser Geldpolitik ist, die Investitionsbereitschaft von Unternehmen ebenso anzuregen wie den Konsum der Verbraucher. Die EZB hatte vor einer guten Woche beschlossen, theoretisch unbegrenzt Anleihen von Euro-Schuldenstaaten zu kaufen, wenn sie einen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsschirm ESM stellen.

Analysten-Reaktionen auf die Fed-Entscheidung

Jeff Savage, Wells Fargo Private Bank

„Die Märkte sind in einer anderen Situation zum Beginn von QE3 [dem dritten Lockerungsprogramm der Federal Reserve, Anm. d. Redaktion] im Vergleich zu QE2 und QE1. Es wird ein wenig schwieriger einen Schub nach oben zu geben mit demselben Werkzeug.“

Chris Jarvis, Caprock Risk Management

„Die Tatsache, dass die Fed nur Immobilienbonds kauft und keine zusätzlichen Staatsanleihen, wird einige Marktteilnehmer enttäuschen“

Anthony Valeri, LPL Financial

„Die Fed hat weniger geliefert als erwartet. Das ist kein vollständiges QE3-Programm. Sie haben nur ihren Zeh ins Wasser gehalten.“

William Larkin, Cabot Money Management

„[Der Schritt] schafft einen bedenklichen Inflationsausblick ... Meine größte Frage ist, was wird mit der Inflation passieren in zwei Jahren?“

Der Mannheimer Wirtschaftsforscher Hans Peter Grüner sieht deshalb keinen Grund, in Inflationspanik zu verfallen. „Die Frage, ob es zu mehr Inflation kommen wird, wird vor allem in den Krisenstaaten beantwortet werden“, sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim Handelsblatt-Online. „Wenn die Sekundärmarktkäufe der EZB als Einladung zu laxer Fiskalpolitik verstanden würden, dann würde das langfristig die Inflationserwartungen und damit auch die Nominallöhne ansteigen lassen.“

Kommentare (23)

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korrekteur

14.09.2012, 16:05 Uhr

qantative easing bitte in quantitative easing ändern

Brasil

14.09.2012, 16:12 Uhr

Mit seinem Plural will der Autor sicher political correctness demonstrieren. Er hat jedoch nur zwei unmaßgebliche, sog. Ökonomen zu bieten!
Unabhängiger und objektiver Journalismus sieht anders aus, oder?

Man sollte sich als Journalie bemühen eine Meinung zu haben, sonst ist man nur Wasserträger irgendwelcher Interessengruppen und diese wechseln dann auch noch ständig!
So jedenfalls ist es kein Journalismus, sondern der verlängerte Arm von unterschiedlichen Interessen! Wenn das beim HB das Ziel ist, dann liegt diese Journalie richtig, aber es wird bald niemanden mehr geben, den das geschribsle interessiert!

ForzaEURO

14.09.2012, 16:25 Uhr

Hier kann was nicht stimmen, ich zitiere aus dem Artikel:

""Konkret bedeutet das zum Beispiel für die EZB: Wenn sie eine Anleihe eines Krisenstaates aufkauft, und die Bank, die ihr die Anleihe verkauft anschließend bei der EZB eine Einlage macht. Die Zentralbank versichert dann den Kredit, den die Bank sonst direkt vergeben müsste. „Wenn nun allerdings der Kredit des Krisenstaates teilweise ausfiele, dann bliebe es bei der Verbindlichkeit der Zentralbank gegenüber der Geschäftsbank, und ein Anstieg der Preise wäre zu erwarten“, erläuterte Grüner.""

Ich möchte das gerne verstehen und bitte um Korrektur.

Vielen Dank

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