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30.11.2011

22:10 Uhr

Fed-Konjunkturbericht

US-Wirtschaft wächst moderat - Häusermarkt kriselt

Die Erholung der US-Wirtschaft hält nach Einschätzung der amerikanischen Notenbank trotz aller Konjunktur-Unsicherheiten an. Allerdings sei das Wachstum in den vergangenen Wochen nur moderat ausgefallen.

Der US-Häusermarkt kriselt nachwievor. Reuters

Der US-Häusermarkt kriselt nachwievor.

New YorkDamit sei das Wachstum zu schwach gewesen, um die hohe Arbeitslosigkeit abzubauen, teilte die US-Notenbank Fed am Mittwoch in ihrem Konjunkturbericht Beige Book mit.

Auch die Krise am Immobilienmarkt halte an. Inflation sei aber derzeit kein Thema und der Kostendruck habe etwas nachgelassen. Dies dürfte der Notenbank Spielraum für eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik im kommenden Jahr geben, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Bei ihrem nächsten Zinsentscheid am 13. Dezember rechnen die meisten Experten noch nicht damit. Die wirtschaftliche Aktivität habe sich seit dem vorigen Bericht in fast allen zwölf Fed-Bezirken in einem langsamen bis moderatem Tempo gesteigert, erklärte die Fed. Lediglich im Bezirk St. Louis sei sie zurückgegangen. Die Industrie habe ihre Geschäfte ausgeweitet, und auch die Kreditvergabe der Banken habe leicht zugenommen. Wunder Punkt bleibe aber neben dem Arbeitsmarkt der kriselnde Immobilienmarkt.

Obamas Plan zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit in den USA?

Die Arbeitslosenquote in den USA stagniert seit Langem bei neun Prozent. Damit sind etwa 14 Millionen US-Bürger, die arbeiten wollen, ohne Stelle.

Was sind die wichtigsten Maßnahmen, die Obama vorgeschlagen hat?

Obamas Maßnahmenpaket sieht eine Halbierung der Lohnsteuer für Arbeitnehmer vor. Außerdem sollen Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen oder die Löhne ihrer Mitarbeiter erhöhen, entlastet werden. Durch Zuschüsse an klamme Einzelstaaten und Kommunen sollen Entlassungen im öffentlichen Dienst verhindert werden. Schulen und Infrastruktur sollen modernisiert und damit Arbeitsplätze in der Baubranche geschaffen werden.

Wie viel kosten Obamas Vorschläge?

Das Konjunkturpaket zur Belebung des Arbeitsmarktes soll einen Umfang von 447 Milliarden Dollar (318 Milliarden Euro) haben. Die größten Posten des Programms sind neben den Steuerentlastungen mit rund 105 Milliarden Dollar die öffentlichen Konjunkturprogramme, mit fast 50 Milliarden der Erhalt von Sozialhilfeleistungen, mit 35 Milliarden die Zuschüsse an Staaten und Kommunen und mit 25 Milliarden die Modernisierung von 35.000 staatlichen Schulen.

Müssen die USA zur Finanzierung von Obamas Plänen mehr Schulden machen?

Nach den Worten des Präsidenten nicht. Die Finanzierung des Konjunkturprogramms sei sichergestellt und werde nicht zu weiteren Schulden führen, sagte Obama. Das Paket soll mit einer Mischung aus Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen gestemmt werden. Demnach sind Kürzungen in den Gesundheitsprogrammen Medicare und Medicaid geplant. Außerdem will Obama die Steuern für Besserverdienende erhöhen.

Wie reagierten Obamas politische Gegner?

Vertreter der Republikaner äußerten sich nach der Rede ablehnend. John Boehner, der republikanische Präsident des US-Repräsentantenhauses, sagte nach Obamas Rede immerhin, der Vorschlag werde in Erwägung gezogen. Der republikanische Abgeordnete Ron Paul sprach sich rundweg dagegen aus. Das Programm werde lediglich die Staatsschulden der USA erhöhen, aber keine zusätzlichen Arbeitsplätze schaffen, sagte er. Die Abgeordnete Michele Bachmann, die sich um die Nominierung als republikanische Präsidentschaftskandidatin bewirbt, forderte den Kongress auf, das Paket abzulehnen. „Überlassen wir die Wirtschaft dem freien Markt“, forderte die Vertreterin der ultrakonservativen Tea Party. Der republikanische Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, hatte Obamas Idee zur Schaffung neuer Arbeitsplätze bereits vor der Rede zurückgewiesen.

Fed-Vizechefin Janet Yellen hatte bereits am Dienstag auf Spielraum für eine geldpolitische Lockerung als Hilfe für die schwächelnde Wirtschaft hingewiesen. Die Kursturbulenzen an den Finanzmärkten wegen der europäischen Schuldenkrise und die allgemeine Unsicherheit über die Konjunkturaussichten hätten die Risiken für die Weltwirtschaft erhöht. Eine verbesserte Orientierungshilfe zur Entwicklung der Zinsen und zusätzliche Aufkäufe von langlaufenden Wertpapieren kämen als Hilfsmaßnahmen infrage. Yellen plädierte zudem für zusätzliche Schritte, um den lahmenden Häusermarkt unter die Arme zu greifen.

Die Fed hatte den Leitzins am 2. November erwartungsgemäß bei null bis 0,25 Prozent belassen. Zentralbankchef Ben Bernanke prognostizierte damals, dass das Wachstumstempo langsam bleiben werde. Er bekräftigte zudem, er sei „nötigenfalls bereit für weitere Maßnahmen, um die wirtschaftliche Erholung zu sichern und die Preise stabil zu halten“.

Von

rtr

Kommentare (2)

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bjarki

01.12.2011, 03:31 Uhr

Wenn Sie ein Haus in den USA zum Verkauf anbieten, ist jede zweite Frage: how much down payment ? Gemeint ist eine Finanzierung über den Besitzer. Das wiederum bedeutet eine harsche Kreditklemme für den Hauskäufer, nur weil die Banken sich selbst untereinander nichts mehr leihen. Die Zukunftfrage lautet: Wie entmachte ich die Banken ohne das System zu gefährden. Das " now" ist jedenfalls inakzeptabel und gefährdet erst recht das System.

mono

01.12.2011, 07:54 Uhr

@bjarki
Down payment bedeutet nichts weiter als Anzahlung.

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