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12.05.2015

13:07 Uhr

Fed

Zinswende in den USA wohl nicht vor September

Eine frühe Zinswende in den USA gilt als eher unwahrscheinlich. Auch ein enger Vertrauter der Fed-Chefin Janet Yellen rechnet erst „im späteren Jahresverlauf“ mit der entsprechenden Entscheidung der US-Notenbank.

Der Chef der Zentralbankfiliale New York, William Dudley, ist ein enger Vertrauter von Fed-Chefin Janet Yellen. Reuters

William Dudley

Der Chef der Zentralbankfiliale New York, William Dudley, ist ein enger Vertrauter von Fed-Chefin Janet Yellen.

New YorkEine frühe Zinswende in den USA ist selbst nach Ansicht eines auf lockere Geldpolitik ausgerichteten Notenbankers eher unwahrscheinlich.

Er wisse zwar nicht, wann die Entscheidung falle, betonte der Chef der Zentralbankfiliale New York, William Dudley, am Dienstag laut Redemanuskript auf einer Konferenz in Zürich. Doch hätten die Märkte wohl eine geldpolitische Straffung der Federal Reserve (Fed) im späteren Jahresverlauf eingepreist, sagte der enge Vertraute von Fed-Chefin Janet Yellen.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Dies stehe im Einklang mit Prognosen der führenden Zentralbanker der Fed, wonach die „Zinswende wahrscheinlich im späteren Jahresverlauf beginnen“ werde.

Im März hatten sie in ihren individuellen Vorhersagen im Schnitt zwei Anhebungen in diesem Jahr veranschlagt, womit der Leitzins Ende 2015 bei 0,625 Prozent liegen dürfte. Die Fed hält den Schlüsselsatz zu Versorgung der Banken mit Geld seit Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent.

Anders als noch im März hatte sie im April die Zinswende für die nächste Sitzung zwar nicht ausdrücklich ausgeschlossen. Doch die meisten Experten erwarten nicht, dass es im Juni soweit sein wird. Als wahrscheinlicher Zeitpunkt gilt September oder später.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Peter Noack

13.05.2015, 07:56 Uhr

Eine mögliche Zinsanhebung um 0,25 Prozent für September wird erwartet und ist von den Märkten bereits eingepreist. Damit kommt die Zinswende nicht schneller als erwartet. Die Finanzmärkte müssen also nicht reagieren, wenn tatsächlich der Zentralbankenzins im September angehoben wird. Dann ist die Ankündigung der Fedchefin auch schon ein Jahr alt und hat einen langen Bart.
Was würden denn passieren, wenn die Wachstumsraten, die Inflation und die Beschäftigung es angeraten ließen, den Zins nicht anzuheben. Das würde die Finanzmärkte dann doch überraschen, oder? Die Wette auf die Zinssteigerung hätten sich nicht ausgezahlt. Das würde auch die Devisenmärkte treffen. Wenn dann noch die Eurozone stärker wächst als bisher angenommen, sind die Kapitalanleger in Aufruhr. Bis dahin sind es nur noch 4 Monate. Die Wahrscheinlichkeit einer Enttäuschung der Kapitalmärkte durch die Fed steigt. Die Fed ist in ihrer eigenen Politik gefangen. Noch einmal können, ja dürfen, die Märkte nicht auf die Ankündigungen der Fed vertrauen. Das kann man dann leicht am Verhalten der Märkte erkennen. Damit hat die Geldpolitik der Zentralbanken ausgespielt und das Vertrauen der Märkte verspielt. Kommt dann das Chaos? Im Oktober werden wir es wissen. Schönen Urlaub bis dahin.

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