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07.10.2013

06:46 Uhr

Finanzen

Sieben Länder schreiben schwarze Zahlen

ExklusivDie Bundesländer ächzen unter der Last der Schuldenbremse, Steuererhöhungen seien unausweichlich heißt es in vielen Landeshauptstädten. Doch ein Blick auf die tatsächlichen Haushaltsdaten zeichnet ein anderes Bild.

Ist Berlin tatsächlich pleite? Der Stadtstaat erzielt höhere Pro-Kopf-Überschüsse als Bayern. dpa

Ist Berlin tatsächlich pleite? Der Stadtstaat erzielt höhere Pro-Kopf-Überschüsse als Bayern.

DüsseldorfEnde August hat das Defizit der 16 Bundesländer lediglich zwei Milliarden Euro betragen. Das Loch in den öffentlichen Kassen ist damit drei Milliarden Euro kleiner gewesen als im Vorjahreszeitraum, heißt es in einer neuen Übersicht des Bundesfinanzministeriums, über die das Handelsblatt in seiner Montagausgabe berichtet.

Obwohl wegen des Weihnachtsgelds die besonders hohen Steuereinnahmen stets erst am Jahresende in die Kassen fließen, schrieben bereits Ende August sieben Länder schwarze Zahlen. Unangefochten an der Spitze der Tabelle steht Bayern, das in acht Monaten fast 1,7 Milliarden Euro Überschuss erzielte. Schlusslicht ist Nordrhein-Westfalen, das mit 2,2 Milliarden Euro im Minus steht.

Reiche in Deutschland

Ab wann gilt man als reich?

Eine Definition für Reichtum gibt es nicht. Auch ist dies - wie so vieles - relativ. Der Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers liegt in Deutschland bei rund 30.000 Euro. Die Hälfte der 26,6 Millionen Steuerpflichtigen hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 Einkünfte von bis zu 29.000 Euro, 10 Prozent erhielten mehr als rund 73.400 Euro, aber nur ein Prozent mehr als 206.000 Euro.

Wie ist die Vermögensverteilung?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem Nettovermögen in Deutschland von 9,3 Billionen Euro. Das umfasst Immobilien, Geldvermögen, Versicherungen, Betriebsvermögen oder auch Vermögen in Form wertvoller Sammlungen. Dieses Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt. So besitzen 10 Prozent der Bevölkerung nach Angaben des DIW gut 66 Prozent des Gesamtvermögens. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens.

Wie viele Millionäre und Milliardäre gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des „Manager Magazins“ gibt es in Deutschland gut 100 Milliardäre - sowohl Einzelpersonen als auch Familien. Angeführt wird die Liste der Superreichen von Aldi-Gründer Karl Albrecht.

Trotz Wirtschaftskrise und Börsenturbulenzen ist auch die Zahl der Deutschen, die über ein Nettovermögen von einer Million Euro und mehr verfügen deutlich gestiegen. Der D.A.CH-Vermögensreport 2012 gibt die Zahl der Euro-Millionäre in Deutschland mit 826.000 an.

Wie sieht es mit „Einkommensmillionären“ aus?

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2007 insgesamt 16.681 Steuerzahler mit Einkünften von einer Million Euro oder mehr. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Wer zahlt Steuern?

Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher entfielen 2007 fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (23,9) des Aufkommens ging auf die 1 Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte nur sieben Prozent des Steueraufkommens.

Werden Reiche künftig stärker besteuert?

Wenn es nach SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geht: Ja. Es geht vor allem um einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und eine Rückkehr zur Vermögensteuer, die Ende 1996 in Deutschland ausgesetzt wurde. Zurzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, er gilt ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro. Hinzu kommt die „Reichensteuer“ von 45 Prozent ab 250.001 Euro (Ledige). Die Sätze könnten angehoben werden oder früher greifen.

Setzt man die Überschüsse allerdings ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, zeigt sich, dass die wahren finanzpolitischen Musterländer Berlin, Sachsen und Brandenburg heißen; sie erzielten Pro-Kopf-Überschüsse zwischen rund 150 bis 250 Euro. Bayern landet in dieser Disziplin lediglich auf Platz vier.

Am unteren Ende der Tabelle rangieren Bremen, das Saarland und Rheinland-Pfalz mit Pro-Kopf-Defiziten zwischen 600 und knapp 300 Euro.

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asr

Kommentare (7)

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Ludwig500

07.10.2013, 08:41 Uhr

"Obwohl wegen des Weihnachtsgelds die besonders hohen Steuereinnahmen stets erst am Jahresende in die Kassen fließen"

Ausgleichend wird am Jahresennde gerne dafür gesorgt, dass öffentliche Budgets auch gefälligst verbraucht werden. Da wird noch schnell allerlei Nonsens fabriziert und finanziert, Hauptsache man liefert kein Argument, nächstes Jahr mit weniger auskommen zu müssen.

EinBuerger

07.10.2013, 09:19 Uhr

Achtung Propaganda Alarm
Für wie blöd halten Sie die Bürger? Berlin hat einen Überschuss von 150-250€? Wir kann das bitte schön gehen, wenn es eine pro Kopfverschuldung von knapp 22.000€ gibt? Wenn das so weitergeht und man keine Zinsen und Zinseszinsen bezahlen müsste hat Berlin in 90-140 Jahren die Schulden getilgt. Erst dann kann man von Überschuss sprechen! Von der Unschärfe spreche ich gar nicht erst.
Man könnte vermelden das Berlin seine pro Kopf Verschuldung um 150-250€ im Jahr reduzieren kann. Selbst der „RTL2 Zwerker“ oder wie der heißt würde Berlin zum Konkursverfahren drängen.

Ludwig500

07.10.2013, 09:51 Uhr

Eine Schuldenrückzahlung ist doch garnicht angestrebt, weil sie unmöglich ist. Das Geldsystem ist auf immer höhere Verschuldung ausgelegt. Denn Verschuldung ist das schönste auf der Welt - für die andere Seite der Schulden, die Vermögen. Und dabei spreche ich nicht von 20.000 Euro auf der hohen Kante, sich selbst vermehrendes Vermögen fängt ungefähr bei 3 Millionen Euro an.

Wenn ein paar Bundesländer schwarze Zahlen schreiben, dann liegt dass daran, dass sie von den Bürgern etwas mehr Steuern abgepresst haben als ausgegeben werden musste. Bei einer in den Händen der Politik liegenden Steuerstellschraube keine grosse Kunst. Um aber den Schuldenberg abzutragen wären viele Jahre lang 90% Steuerbelastung für die malochende Schicht erforderlich. Und selbst dann würde es einigen Ländern gelingen, anderen nicht, weil die Zinsen noch immer höher sind als die jährlichen Zahlungen.

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