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30.09.2015

21:10 Uhr

Finanzkrise in Griechenland

Finanzaufsicht verbietet Leerverkäufe von Bankaktien

Leerverkäufe sind Wetten auf sinkende Kurse – mit Bankaktien sind derartige Wetten in Griechenland nun vorerst verboten. Die Finanzaufsicht will nicht, dass die Geldinstitute zusätzlich unter Druck geraten.

Die griechische Finanzaufsicht hat Leerverkäufe von griechischen Bankaktien verboten. dpa

Griechische Banken

Die griechische Finanzaufsicht hat Leerverkäufe von griechischen Bankaktien verboten.

AthenDie griechische Börsenaufsicht hat Leerverkäufe mit Aktien von Banken untersagt. Das Verbot gelte vom 1. Oktober bis zum 9. November, teilte die Behörde am Mittwoch mit.

Bei Leerverkäufen handelt es sich im Prinzip um eine Wette auf sinkende Kurse. Betroffen seien die Dividendenpapiere der vier größten Banken Griechenlands – National Bank, Alpha Bank, Eurobank und Piraeus Bank sowie das kleinere Geldhaus Attica Bank.

Wie Leerverkäufe funktionieren

Was ist das Prinzip eines Leerverkaufs?

Bei normalen Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse von Wertpapieren. Sie verkaufen Wertpapiere, die sie sich zuvor von anderen Anlegern gegen eine Gebühr geliehen haben, zu einem fest vereinbarten Kurs. Sinkt der Preis bis zum Lieferdatum, können sie sich billiger wieder eindecken und die geliehenen Papiere zurückgeben.

Wie verdient man an Leerverkäufen?

Die Differenz zwischen dem niedrigeren Kurs und dem höheren Verkaufspreis abzüglich der Gebühr streichen die Investoren - oft Hedgefonds - als Gewinn ein.

Was sind die Risiken bei Leerverkäufen?

Geht die Wette verloren, also steigt der Preis, besteht die Gefahr, dass die Anleger zu einem höheren Kurs wieder einsteigen müssen, um die geliehenen Papiere zurückzugeben. Dann droht ein Verlust in den Büchern der Leerverkäufer.

Wie unterscheiden sich ungedeckte Leerverkäufe?

Bei ungedeckten Leerverkäufen ist das Prinzip dasselbe. Allerdings haben sich die Investoren noch nicht einmal die Wertpapiere geliehen. Zum Lieferdatum besitzen die Händler von ungedeckten Leerverkäufen so keinerlei Papiere. Dadurch wird mit Anteilen gehandelt, die gar nicht existieren. Für den Markt erhöht das die Risiken deutlich. Kursausschläge werden dadurch um ein vielfaches verstärkt. Dann werden die Wetten der Investoren zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Wenn alle auf einen Kursverfall wetten, tritt dieser auch ein.

Was ist der Vorteil bei ungedeckten Leerverkäufen?

Im Erfolgsfall sind die Gewinnchancen höher, da keine "Leihgebühr" anfällt.

Sind Leerverkäufe denn nur zu verteufeln?

Leerverkäufe erfüllen oft auch einen wichtigen wirtschaftlichen Zweck. Denn damit können sich Firmen und andere Investoren gegen Kursrisiken absichern. Wer etwa in einigen Monaten Rohstoffe kaufen muss und mit höheren Preisen rechnet, kann durch einen erfolgreichen Leerverkauf in anderen Bereichen für Ausgleich sorgen. Zudem sorgen diese Geschäfte für ausreichende Liquidität an den Märkten.

Mit welchen Einschränkungen dürfen Leerverkäufe in Europa getätigt werden?

In Deutschland sind ungedeckte Leerverkäufe von Aktien und Staatsanleihen von Euro-Ländern seit einem Jahr per Gesetz ganz verboten. Nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 hatten viele Länder zumindest vorübergehend ähnliche Maßnahmen beschlossen. Um die Transparenz der Geschäfte zu erhöhen, hat die Finanzaufsicht BaFin zudem eine Meldepflicht für Leerverkäufe von Aktien der zehn größten deutschen Finanz- und Versicherungshäuser eingeführt. Ab März 2012 gilt ohnehin eine gesetzliche Meldepflicht für alle Leerverkäufe von Aktien.

Und was sagt die EU?

Auf Ebene der Europäischen Union (EU) ist das Vorgehen noch umstritten, vor allem was ein Verbot von Leerverkäufen mit Kreditausfallversicherungen (CDS) auf europäische Staatsanleihen betrifft. Das EU-Parlament dringt hier auf eine schärfere Regelung als die meisten Mitgliedsstaaten.

Die vorübergehende Maßnahme soll Druck auf die Kurse vor der Rekapitalisierung des Sektors verhindern.

Von

rtr

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