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21.06.2011

11:06 Uhr

Finanzprofis skeptisch

ZEW-Konjunkturindex stürzt überraschend ab

Die Griechenland-Krise und die Unsicherheit über die US-Wirtschaft haben das ZEW-Konjunkturbarometer deutlich nach unten gedrückt. Der Index fiel mehr als doppelt so stark, wie von Experten erwartet.

Bauarbeiter stehen beim Sonnenaufgang auf einer Baustelle in Berlin-Mitte. Quelle: dapd

Bauarbeiter stehen beim Sonnenaufgang auf einer Baustelle in Berlin-Mitte.

Mannheim/BerlinDie Schuldenkrise in der Euro-Zone und Sorgen um die US-Wirtschaft drücken den Konjunkturoptimismus von Börsenprofis deutlich. Das ZEW-Stimmungsbarometer für die nächsten sechs Monate sank im Juni auf minus 9,0 Punkte von plus 3,1 Zählern und damit das vierte Mal in Folge, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte. Der Indikator sackte auf das niedrigste Niveau seit Januar 2009.

Von Reuters befragte Experten hatten im Mittel einen Rückgang auf minus 2,0 Punkte erwartet. Die aktuelle Lage bewerteten die 290 befragten Investoren und Analysten deutlich besser. Allerdings gab es auch hier einen Rückgang auf 87,6 Zähler nach dem Rekordhoch von 91,5 Punkten im Mai.

Der Refinanzierungsbedarf Griechenlands habe den Blick der Finanzmärkte erneut auf die Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern gelenkt, erklärte das ZEW. „Die Schwierigkeiten im Euroraum und die befürchtete Konjunkturabschwächung in den USA schlagen den Finanzmarktexperten offenbar aufs Gemüt“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. „Außerdem mehren sich nach Auffassung der Finanzmarktexperten offenbar die Anzeichen, dass sich der Höhenflug der deutschen Wirtschaft in den nächsten Monaten abschwächen könnte.“

Analysten werteten den Einbruch als Indiz dafür, dass sich der Aufschwung in Deutschland abschwächt. "Die Aussichten für die deutschen Exporteure haben sich in der Tat eingetrübt, da sich die Anzeichen für eine Delle in der Weltkonjunktur mehren. Die höheren Ölpreise, Probleme in den Lieferketten in Japan und die straffere Geldpolitik in einigen Volkswirtschaften werden das Wachstum der Weltwirtschaft schmälern“, sagte Aline Schuiling von ABN Amro.

HSBC Trinkhaus Analyst Stefan Schilbe warnte jedoch vor einer Überbewertung des Rückgangs. "Wir haben einen breit gefächerten Aufschwung. Die Exporte laufen gut, die Investitionen ebenfalls - und auch für den privaten Konsum sind die Voraussetzungen nach wie vor gut. Klar ist aber auch, dass die Schuldenkrise in Griechenland die Anleger verunsichert.“

Zuvor hatte der Wirtschaftsweise Franz in der ARD betont, die Schuldenkrise um das von der Staatspleite bedrohte Griechenland dürfte sich kaum auf die deutsche Konjunktur auswirken. Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten wegen der Krise würden den Aufschwung allerdings belasten.

Franz traut der heimischen Wirtschaft 2011 ein Wachstum von drei Prozent oder mehr zu. Im zweiten Halbjahr werde sich die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung leicht abschwächen. Für 2012 sei daher nur noch mit einem Anziehen der Konjunktur um weitere zwei Prozent zu rechnen, sagte der ZEW-Chef.

Kommentare (11)

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no.7

21.06.2011, 12:18 Uhr

drastischer Einbruch, da braucht franz nichts zu beschönigen."Der breitgefächerte aufschwung geht weiter." Wirklich ? Und wenn der breitgefächerte aufschwung in einen breitgefächerten abschwung übergeht ? Die bremsung in USA und China wird im Laufe des jahres erst einschlagen. wenn sie in USA erstmal sparen müssen, weil es nicht mehr anders geht, dann wird der Jubelexport in deutschland einbrechen. dazu kommt die Überschuldung in europa. Ich meine dieser einbruch beim Index weist auf das hin, was bald kommen wird: abschwung für die deutsche hochjubel-wirtschaft.

Account gelöscht!

21.06.2011, 12:47 Uhr

gääähhhn^^ wen interessiert schon, was die zew-heinis sagen??? ist eh nur ne self-fulfilling-prophecy.

Account gelöscht!

21.06.2011, 12:48 Uhr

Stefan Schilbe warnte jedoch vor einer Überbewertung des Rückgangs. "Wir haben einen breit gefächerten Aufschwung. Die Exporte laufen gut, die Investitionen ebenfalls“. So so.

Allein in den letzten 3 Jahren hat die Deutsche Bundesbank 340 Milliarden Euro an die Zentralbanken der PIIGS überwiesen, damit die unsere Exportrechnungen auch bezahlen können.
Parallel dazu hat die EZB für mehrere Hundert Milliarden Euro wertlose Staatsanleihen der PIIGS aufgekauft, damit dort die öffentliche Ordnung nicht zusammenbricht.

Herr Schilbe, um alles auf einen Punkt zu bringen: Unser kreditfinanzierter Export, dessen Kredite wir jetzt auch noch selbst zurückzahlen dürfen, geht so lange gut, wie sich der deutsche Michel nicht dagegen wehrt, dass er jeden Tag ausgeplündert und sein gesamtes Vermögen an die PIIGS verschenkt wird.

Wer hat da in der Schule nicht aufgepasst. Da wir jetzt auch noch die Kredite selbst zurückzahlen müssen, die wir den PIIGS zur Bezahlung unserer Exportartikel, den Träumen auf 4 Rädern Made in Germany, gewährten, haben wir eigentlich alles verschenkt. Oder sehe ich das falsch?

Ein neues und erfolgreiches Europa wird erst nach Beendigung der Katastrophe Euro ermöglicht. Helmuts Lebenswerk, der Euro, der dafür die stabilste Währung und höchsten Löhne Europas der deutschen Einheit geopfert hatte, ein Zugeständnis an Frankreich, um in die Geschichte als Einheitskanzler einzugehen. Eine stümperhafte Konstruktion, von Anfang an.

Einen selbsttragenden Aufschwung der europäischen Wirtschaft wird es erst geben, wenn überhaupt, wenn die Landeswährungen wieder eingeführt und die Staatsschulden auf Null gestellt werden. Die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Neubeginn in Europa, um wenigstens halbwegs mit den aufstrebenden Schwellenländern mithalten zu können.

Und zuletzt das Wichtigste, die Trennung von Geschäfts- und Zockerbankster. Diese Verbrecher haben genug Schaden angerichtet, die Lobbyisten und Legionäre unserer Politiker.

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