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26.11.2014

15:22 Uhr

Freie Jobs

Betriebe suchen wieder mehr Personal

Der Konjunkturhimmel zeigt sich in Novembergrau. Trotzdem suchen Personalchefs weiter nach guten Mitarbeitern. Sie wollen für den nächsten Konjunkturaufschwung gewappnet sein. Die Arbeitslosenzahlen gehen zurück.

Laut der Bundesagentur für Arbeit liegt die Zahl der offenen Stellen in 80 Prozent der Branchen über dem Vorjahresniveau. dpa

Laut der Bundesagentur für Arbeit liegt die Zahl der offenen Stellen in 80 Prozent der Branchen über dem Vorjahresniveau.

Nürnberg Noch fehlt der deutschen Wirtschaft der Wachstumsschub – trotzdem scheinen sich viele Unternehmen frühzeitig auf den nächsten Konjunkturaufschwung vorzubereiten. Derzeit suchten Betriebe in Deutschland soviel Personal wie zuletzt vor knapp drei Jahren, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg. Gemessen am Stellenindex BA-X der Bundesagentur lag die Zahl der freien Jobs im November noch einmal über dem ohnehin schon hohen Oktober-Stand und nur knapp unter dem Rekordniveau vom Jahreswechsel 2011/2012, berichtete die Bundesbehörde.

In Zahlen ausgedrückt stieg der Stellenindikator BA-X im November auf den Wert von 176 Punkten; er lag damit um einen Zähler über dem Oktoberwert und 17 Zähler über dem Vorjahreswert. Höher hatte der Wert zuletzt im Januar des Boomjahres 2012 gelegen.

Die jüngste Entwicklung zeige, dass Firmen schon frühzeitig auf Fachkräfte-Suche gingen – unabhängig von der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, gab die Bundesagentur zu bedenken. Derzeit liege die Zahl der offenen Stellen in 80 Prozent der Branchen über dem Vorjahresniveau. Rund ein Drittel der angebotenen Jobs stammten von Zeitarbeitsfirmen. Gesucht würden qualifizierte Mitarbeiter außerdem im Einzelhandel, bei Bauinstallationsbetrieben sowie im Gesundheits- und Sozialwesen.

Kurzarbeit erklärt

Was ist Kurzarbeit?

Kurzarbeit beschreibt einen geplanten Arbeitsausfall, der Unternehmen von Lohnkosten entlasten soll. Kurzarbeitergeld wird anstelle von Lohn gezahlt. Es gibt drei unterschiedliche Formen: Zum einen saisonale Kurzarbeit bestimmter Branchen, etwa im Winter für das Baugewerbe. Zum anderen gibt es die Transfer-Kurzarbeit (Kurzarbeit Null), die bei betrieblichen Restrukturierungen greift. Die dritte Variante ist die konjunkturelle Kurzarbeit, die infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise von den Unternehmen am häufigsten beantragt wurde.

Wie läuft die Beantragung?

Die Unternehmen müssen geplante Kurzarbeit mit Zustimmung ihres Betriebsrats bei der Bundesagentur für Arbeit anmelden. Bei tarifgebundenen Unternehmen muss die Möglichkeit zur Kurzarbeit im Tarifvertrag geregelt sein. Erst nach einer Genehmigung seitens der Agentur und frühestens vom Monat der Antragstellung an darf in dem jeweiligen Unternehmen weniger gearbeitet werden. Es sind zahlreiche Formen der Arbeitsreduzierung möglich. So können ganze Wochen oder auch einzelne Schichten oder Tage ausfallen.

Was bekommen die Arbeitnehmer?

Die Mitarbeiter erhalten von ihren Arbeitgebern für die tatsächlich gearbeitete Zeit weiterhin Lohn und Gehalt. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt für die ausgefallene Zeit, angelehnt an das Arbeitslosengeld, zusätzlich einen gewissen Prozentsatz des wegfallenden Netto-Entgelts - 60 Prozent bei Kinderlosen, 67 Prozent bei Eltern. Diese Lohnersatzleistung wird nicht versteuert, aber in die Berechnung der Steuerprogression einbezogen. Der Arbeitgeber muss 80 Prozent der kompletten Sozialversicherungsbeiträge abführen.

Was waren die wichtigsten Änderungen aus dem Konjunkturpaket 2009?

Mit dem Jahreswechsel 2009 war die mögliche Höchstförderdauer befristet auf 18 Monate verlängert worden, später dann sogar auf 24 Monate. Die Voraussetzung, dass ein Drittel der Belegschaft betroffen sein muss, entfiel ebenfalls befristet. Der Arbeitsausfall musste nur noch mindestens zehn Prozent betragen. Die Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers übernahm die Arbeitsagentur bis zur Hälfte und sogar komplett, wenn in mindestens der Hälfte der unfreiwilligen Freizeit die Mitarbeiter weitergebildet werden.

Mit vergleichsweise wenig Bewegung auf dem deutschen Arbeitsmarkt rechnen derweil Experten im November. Die Zahl der Erwerbslosen sei im zu Ende gehenden Monat um rund 10 000 auf rund 2,72 Millionen gesunken, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Dies wären rund 85 000 weniger als vor einem Jahr. „Da zeigt sich die konjunkturelle Schwäche vom Sommer und im Herbst“, erläuterte etwa Steffen Henzel vom Ifo Institut. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur an diesem Donnerstag bekanntgeben.

Der Rückgang im November hat nach Einschätzung der Volkswirte allein saisonale Gründe. So dürfte die außergewöhnlich milde Witterung die Entwicklung positiv beeinflusst haben, schätzt etwa Rolf Schneider von der Allianz. Trotz allem sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiterhin gut. „Es scheint so zu sein, dass der Arbeitsmarkt noch nicht betroffen ist, obwohl sich die Stimmung weiter eingetrübt hat“, erläuterte Stefan Kipar von der BayernLB. Die folgenden Monate bewerten die Experten aufgrund der konjunkturellen Entwicklung eher zurückhaltend. Auch der Mindestlohn, der von Januar an gilt, werde sich auf die Arbeitslosenzahlen auswirken, gaben sie zu bedenken.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr D. Dino54

27.11.2014, 10:24 Uhr

Wenn diese Intervalle der "Wahrsagungen" so weiter gehen, in den Medien, sind wir bald so reaktionsschnell wie bei den Börsen !!!

Oder tickt nicht diese "Uhr" anders ?

Bei einem seriösen Unternehmen ist das so !

Auf dem Arbeitsmarkt ist es ruhig, wie festzustellen ist, außer die "Stellenanzeigen", die ständig "aktiviert" bleiben !

Damit behauptet werden kann, wir hätten ein Fachkräftemangel !

Verlogene Welt !

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