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14.04.2016

11:09 Uhr

Frühjahrsgutachten

Deutsche Wirtschaft eilt von Rekord zu Rekord

Die deutsche Wirtschaft wächst weiter – wenn auch nur moderat, so prognostiziert es das Frühjahrsgutachten der führenden Wirtschaftsforscher. Der Arbeitsmarkt steuert auf goldene Zeiten zu.

Frühjahrsgutachten: Wie geht es weiter mit der deutschen Wirtschaft?

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BerlinDer deutsche Arbeitsmarkt steuert nach Ansicht von Ökonomen von Rekord zu Rekord. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte in diesem und im nächsten Jahr jeweils neue Höchstwerte erreichen, wie am Donnerstag aus dem Frühjahrsgutachten der führenden Wirtschaftsforscher hervorgeht. Demnach klettert die Zahl der Arbeitnehmer und Selbstständigen 2016 um rund 500.000 auf 43,5 Millionen.

Im kommenden Jahr werde es einen Anstieg auf knapp 44 Millionen geben, sagen die Experten in ihrer Prognose für die Bundesregierung voraus. Trotz der zunehmenden Beschäftigung werde aber die Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr von 2,7 auf 2,8 Millionen zulegen. Als Grund nannten die Forscher, dass sich die Zahl der Flüchtlinge verstärkt auf dem Jobmarkt niederschlägt.

Geringe Inflation und niedrige Zinsen, steigende Löhne und die anziehende Beschäftigung schieben laut Gutachten den privaten Konsum kräftig an. Die Verbraucher dürften in diesem Jahr 2,1 Prozent mehr ausgeben als 2015. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem moderaten Aufschwung.“ Der Außenhandel hingegen sorge kaum für Impulse.

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Die Institute senkten deshalb ihre Wachstumsprognose für 2016 leicht auf 1,6 von bislang 1,8 Prozent und bestätigten damit einen Reuters-Bericht vom Mittwoch. Für nächstes Jahr rechnen die Ökonomen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 1,5 Prozent. Zum Vergleich: 2015 war Europas größte Volkswirtschaft noch um 1,7 Prozent gewachsen.

Der Aufschwung wird vor allem vom privaten Konsum getragen, wie die Wirtschaftsforscher erklärten. Die Zahl der Erwerbstätigen wird demnach weiter auf 43,5 Millionen zunehmen, Löhne und Renten werden spürbar steigen und die Inflation wird niedrig bleiben.

Die öffentlichen Haushalte werden laut dem Gutachten in diesem Jahr „deutliche Überschüsse“ erzielen. Die Forscher kritisieren, dass die Wirtschaftspolitik der Regierung ihre Prioritäten bislang eher bei „konsumtiven und verteilungspolitischen Ausgaben“ gesetzt habe. Sie fordern stattdessen "wachstumsorientierte Maßnahmen" wie mehr Investitionen in Bildung und eine geringere Steuerlast für Arbeitnehmer.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Das Gutachten mit dem Titel „Moderater Aufschwung - Wirtschaftspolitik wenig wachstumsorientiert“ dient der Bundesregierung als Basis für die eigene Konjunkturprognose. Beteiligt daran waren unter anderem das Münchner Ifo-Institut, das Berliner DIW, das Essener RWI und das IWH aus Halle.

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