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16.04.2015

12:10 Uhr

Frühjahrsgutachten

Deutsche Wirtschaft macht Tempo

Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr deutlich stärker wachsen als erwartet. Damit rechnen führende Ökonomen in ihrem Frühjahrsgutachten. Der niedrige Ölpreis soll den Deutschen mehr Geld für den Konsum lassen.

Führende Ökonomen beurteilen im Frühjahrsgutachten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft deutlich positiver. dpa

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Führende Ökonomen beurteilen im Frühjahrsgutachten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft deutlich positiver.

BerlinEin boomender Konsum, Rekordbeschäftigung und steigende Löhne: Die führenden Wirtschaftsforscher prophezeien Deutschland einen kräftigen Aufschwung. Sie haben ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr von 1,2 auf 2,1 Prozent nach oben geschraubt, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung hervorgeht.

„Der niedrige Ölpreis lässt den Deutschen mehr Geld für den Konsum, der niedrige Euro schiebt die Exporte an“, erklärte Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des Ifo-Instituts. 2016 soll das Plus mit 1,8 Prozent ähnlich kräftig ausfallen.

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Die Institute sind damit optimistischer als etwa der Internationale Währungsfonds (IWF), der in diesem Jahr mit einem Anziehen der Konjunktur von 1,6 Prozent rechnet, während die Bundesregierung bislang nur 1,5 Prozent erwartet. Letztere dürfte aber ihre Prognose kommende Woche ebenfalls anheben, dient doch das Frühjahrsgutachten als Grundlage dafür.

Als Stütze der Konjunktur sehen die Experten vor allem den privaten Konsum. „Er profitiert vom Ölpreisverfall, der die Kaufkraft der Verbraucher stärkt“, hieß es. In diesem Jahr dürfte die Inflationsrate bei lediglich 0,5 Prozent liegen, bedingt vor allem durch niedrigere Ölpreise. Im kommenden Jahr müssen sich die Deutschen auf wieder stärker steigende Preise einstellen: Sie sollen dann um 1,3 Prozent zulegen.

Fünf Gründe für Deutschlands Aufschwung

Starker Konsum

Weil Sparen sich wegen der Mini-Zinsen nicht lohnt, tragen die Verbraucher ihr Geld in die Geschäfte oder reisen viel. Löhne und Gehälter steigen zudem weiter kräftig.

Billiges Öl

Der Rückgang der Rohölpreise um nahezu die Hälfte seit dem Sommer 2014 entlastet Unternehmen und Verbraucher. Dies wirkt wie ein kostenloses Konjunkturprogramm.

Schwacher Euro

Die Exporteure jubeln, weil der im Verhältnis zum US-Dollar extrem schwache Euro Ausfuhren außerhalb des Euroraums günstiger macht.

Boom in den USA

Die US-Wirtschaft brummt – und die Amerikaner schätzen Waren „made in Germany“, gerade Luxusautos und Maschinen.

Job-Motor

Auf dem Arbeitsmarkt jagt ein Beschäftigungsrekord den nächsten. Bald dürften über 43 Millionen Deutsche erwerbstätig sein – das gibt Sicherheit und stützt den Aufschwung.

„Zudem wird der Konsum von steigenden Löhnen in Folge der guten Arbeitsmarktlage angeregt“, ergänzten die Forscher. Die Zahl der Erwerbstätigen soll in diesem Jahr erstmals über der Marke von 43 Millionen liegen, die Arbeitslosenquote bis 2016 auf 5,9 (2014: 6,7) Prozent sinken. „Die Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns führt allerdings zu Rückgängen bei der geringfügigen Beschäftigung“, sagen die Institute voraus.

Nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher werden die 8,50 Euro pro Stunde im laufenden Jahr bis zu 220.000 Minijobs kosten. Dieser Trend habe sich in Erwartung der Lohnuntergrenze schon im Herbst gezeigt und im Januar dann stark beschleunigt. In der Summe seien - bereinigt um saisonale Schwankungen - in dem Bereich bereits rund 120.000 Menschen weniger beschäftigt, sagte Wollmershäuser Im Jahresverlauf werde der Abbau der geringfügigen Beschäftigung (450-Euro-Jobs) auf etwa 220 000 ansteigen. Teilweise seien Minijobber in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse gewechselt - der größere Teil dürfte jedoch in der stillen Reserve oder in der Arbeitslosigkeit landen, meinte Wollmershäuser.

Konjunktur: Rückenwind für die deutsche Industrie

Konjunktur

Rückenwind für die deutsche Industrie

Die Verbände von Maschinenbau- und Elektroindustrie erwarten mehr Wachstum. Das dürfte sich auch positiv auf die Beschäftigungszahlen auswirken. Schon jetzt sind die beiden Branchen die größten industriellen Arbeitgeber.

Er betonte, der Nachweis, dass der von Union und SPD eingeführte Mindestlohn tatsächlich am Wegfall der Minijobs schuld ist, sei schwierig. Aber: „Es deutet vieles darauf hin, dass es der Mindestlohn war.“ Wie erwartet falle der Rückgang der Minijobs in Ostdeutschland, wo das Lohn- und Produktionsniveau noch deutlich geringer als im Westen ist, besonders kräftig aus.

Kommentare (3)

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Herr Peter Noack

16.04.2015, 12:45 Uhr

Prognose des Wirtschaftswachstums steigt in nur 6 Monaten um 75 Prozent. Ist das schom Weltrekord?
Sollte die Wirtschaft um 2,4 Prozent wachsen, dann sind es schon 100 Prozent. Mal sehen was das Herbstgutachten sagen wird.

Herr peter Spirat

16.04.2015, 12:54 Uhr

Genial dieser nette Artikel

Und etwas später heißt es plötzlich, dass UNERWARTET die Konjunktur eingebrochen ist. Notfalls ist es dann die chinesische Konjunktur, oder die amerikanische Konjunktur, die UNERWARTET eingebrochen ist. Im Moment korrigiert der DAX und wenn die Korrektur beendet ist, dann erfahren wir, dass es in der Wirtschaft doch schlechter aus gesehen hat.

iwi werde ich den Eindruck nicht los, dass es hier nur darum geht, dass man das VOLK in der Gegenposition für die Broker treibt. Kontra-Journalismus?

Herr Peter Noack

16.04.2015, 13:03 Uhr

Habt ihr schon vergessen, dass die Forscher für 2015 mit rund 350.000 mehr Beschäftigte als 2014 rechnen? Im Durchschnitt arbeiten dann 42,1 Millionen in Deutschland. Diese Zahl soll sich 2016 um weitere 250.000 erhöhen auf 42,3 Millionen. Soll man hochrechnen, wann es 43 oder 44 Millionen sind? Wann wird Deutschland mehr Beschäftigte haben als Arbeitskräftepotential? Das könnte schon 2020 der Fall sein. Dann haben wir aber nur noch 2 Millionen registrierte Arbeitslose.
Gleiche Wachstumsraten auf die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bezogen, sind 2016 über 31 Millionen Beschäftigte, die in die Sozialkassen einzahlen. Was sagen die Forscher dazu, wie sich dass auf deren Überschüsse auswirken wird? Dazu sagen die nichts. Sie meinen nur, dass die Überschüsse nicht weiter steigen. Das dürfte wohl falsch sein. Zumindest sagen sie aber auch nicht, dass die Überschüsse der Sozialkassen sinken sollten. Das steht im Gegensatz zu den Sozialkassen selbst, die bereits 2018 die Überschüsse verbraucht haben wollen und zusätzliche staatliche Hilfe fordern.
Das Gutachten ist voller ungereimtheiten. Dennoch bildet es die Grundlange für das politische Handeln der Bundesregierung. Gut so! Haben wir immer wieder etwas zu meckern.

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