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18.04.2012

12:16 Uhr

Frühjahrsgutachten

Institute erhöhen Wachstumsprognose

ExklusivDie führenden deutschen Forschungsinstitute erwarten dieses Jahr ein etwas höheres Wachstum. Der verbesserte Ausblick fügt sich ein in zuletzt gute Konjunkturdaten. Für andere Euro-Länder sieht es jedoch schlecht aus.

Neuwagen des Typs Ford-Fiesta auf einem Rheinschiff bei Köln. dpa

Neuwagen des Typs Ford-Fiesta auf einem Rheinschiff bei Köln.

DüsseldorfDie führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose erhöht. Für das laufende Jahr erwarten sie in ihrem Frühjahrsgutachten, das morgen vorgestellt wird, nicht mehr 0,8 sondern 0,9 Prozent Wachstum. 2013 dürfte die Wirtschaft dann um zwei Prozent wachsen, erfuhr das Handelsblatt (Donnerstagsausgabe)aus mit den Daten vertrauten Kreisen.

Der verbesserte Ausblick fügt sich ein in die zuletzt guten Konjunkturdaten für Deutschland. Am Dienstag war der ZEW-Index über die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten in Deutschland überraschend gestiegen. Er verbesserte sich marginal um 1,1 Punkte auf jetzt 23,4 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim mitteilte. Es war der fünfte Anstieg in Folge. Der nahezu unveränderte Stand zeige, dass sich die Erwartungen stabilisieren, erklärte das Institut.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Laut ZEW gehen die Finanzmarktexperten insgesamt von einer weiter positiven Entwicklung der deutschen Wirtschaft im kommenden Halbjahr aus. ZEW-Präsident Wolfgang Franz verwies aber auf die bestehenden Risiken. „Dass der Indikator im April auf der Stelle tritt, zeigt allerdings, dass der realwirtschaftliche Optimismus durch erhebliche Risiken gebremst wird, wie beispielsweise die Konjunkturschwäche wichtiger Handelspartner, die Entwicklung der Rohstoffpreise und die Staatsschuldenkrise in der Eurozone“ , erklärte Franz.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte am Dienstag seine Wachstumsprognose für Deutschland vorgestellt und leicht nach oben revidiert. Der Fonds erwartet im laufenden Jahr ein Wachstum von 0,6 Prozent – ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber der Prognose im Januar. 2013 könnte die deutsche Volkswirtschaft dann mit einem Wachstum von 1,5 Prozent zusätzlich Fahrt aufnehmen. Damit bewegt sich Deutschland klar über den Werten für den Euroraum. Die Eurozone wird nach Einschätzung des IWF 2012 um 0,3 Prozent schrumpfen.

Mit Spannung blicken Finanzexperten und Ökonomen nun auf den Ifo-Index, der am Freitag veröffentlicht wird. Er bildet die kurzfristigen Konjunkturaussichten besonders gut ab, weil in ihn die Erwartungen der Unternehmen einfließen.

Von

asr

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