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10.05.2013

19:19 Uhr

G7-Finanzministertreffen

Deutschland und USA ermahnen Japan im Währungsstreit

Finanzminister Schäuble erinnerte auf der Konferenz der G7-Finanzminister an das Versprechen, Währungen nicht zu manipulieren. Auch die USA ermahnte Tokio. Der japanische Notenbankchef wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Der japanische Notenbankchef Haruhiko Kuroda wehrt sich gegen Vorwürfe der Währungsmanipulation. dpa

Der japanische Notenbankchef Haruhiko Kuroda wehrt sich gegen Vorwürfe der Währungsmanipulation.

AylesburyWegen des drastischen Yen-Kursrückgangs zeichnet sich beim G7-Treffen in Großbritannien eine erneute Debatte über die Gefahren eines Währungskriegs ab. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erinnerte zum Auftakt der Konferenz am Freitag Japan ausdrücklich daran, dass sich die großen Schwellen- und Entwicklungsländer (G20) zugesichert hätten, ihre Währungen nicht zu manipulieren, um sich dadurch Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Auch Schäubles US-Kollege Jack Lew ermahnte die Regierung in Tokio. Der japanische Notenbankchef Haruhiko Kuroda versicherte dagegen, sein Land betreibe keine gezielte Wechselkurspolitik.

Der Dollar hat sich zur japanischen Währung zuletzt über die psychologisch wichtige Marke von 100 Yen hinaus verteuert. Auch gegenüber dem Euro verlor der Yen deutlich an Wert. Der Euro lag mit knapp 132 Yen auf dem höchsten Kurs seit Januar 2010. Ein schwacher Yen verschafft Japan auf dem Weltmarkt Vorteile, weil sich dadurch japanische Produkte verbilligen.

EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn mahnte zu Beginn des Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten im südenglischen Aylesbury: „Es ist wichtig, dass es entsprechend den Zusicherungen in der G20 und im IWF zu keiner Währungskrieg-Debatte kommt.“ Es sei ein Verdienst der G7, also der wichtigsten etablierten Industrieländer, und der G20, dass diese Debatte heruntergefahren werden konnte.

Japan wehrte sich gegen die Mahnungen der Partner wegen des Yen-Kursverfalls, der seine Ursache in der ultra-lockeren Finanz- und Geldpolitik des Landes hat. Notenbankchef Kuroda sagte: „Unsere geldpolitische Stimulierung zielt auf eine Inflationsrate von zwei Prozent.“ Japan will damit die jahrelange Deflationsgefahr, die die Wirtschaft ins Tief brachte, bannen. „Wir streben ein ausgewogenes Wachstum an“, erläuterte er. Wechselkursbewegungen seien nur einer von mehreren Faktoren, die sich daraus ergäben. „Die Bank von Japan will nicht die Wechselkurse direkt beeinflussen, die werden von den Märkten gebildet“, sagte er.

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Schäuble erklärte, das Thema werde sicherlich beim G7-Treffen zur Sprache kommen, dessen Hauptthema eigentlich die Finanzmarktregulierung sein sollte. Der Bundesfinanzminister erinnerte Japan daran, dass das Land seinen G20-Partnern erst jüngst zugesagt hätte, vorsichtig zu agieren, damit die Diskussion über einen Abwertungswettlauf nicht wieder auflebe. US-Finanzminister Lew sagte, Japan habe ein Wachstumsproblem, das man angehen müsse. Allerdings müsse man so agieren, dass die Versuche zur Stimulierung der Wirtschaft im Rahmen dessen blieben, was man zur Vermeidung eines Abwertungswettlaufs vereinbart habe.

Kontroversen deuteten sich vor dem G7-Treffen auch über das Dauerstreitthema an, wie eine richtige Balance von Sparpolitik zur Sanierung der Staatsfinanzen und Wachstumsförderung zur Ankurbelung der Wirtschaft aussehen sollte. Dabei sind in der Regel Deutschland mit seiner Betonung der Haushaltskonsolidierung und die USA mit ihrer Forderung nach mehr Wachstumspolitik die wichtigsten Antipoden. EU-Kommissar Rehn sagte: „In Europa können wir uns im Moment einen etwas lockereren Kurs der Finanzanpassungen leisten.“ Zugleich bedürfe es weiterer Strukturreformen, sagte Rehn und nannte dabei Frankreich, Italien und Spanien als Adressaten seiner Mahnung.

Schäuble nahm für Deutschland in Anspruch, eine ausgewogene Politik aus Konsolidierung und Wachstumsförderung zu verfolgen. Letztlich bräuchten Deutschland, Europa und die ganze Welt nachhaltiges Wachstum - und dessen notwendige Voraussetzung seien solide Staatsfinanzen. In diesem Sinne äußerte sich auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Die Bedeutung eines nachhaltigen Wachstums unterstrich auch IWF-Chefin Christine Lagarde.

Die britische G7-Präsidentschaft verspricht sich von dem Treffen nach den Worten von Finanzminister George Osborne Fortschritte bei der Finanzmarktregulierung. Zudem möchte Osborne darüber sprechen, was die Zentralbanken noch zusätzlich tun können, um dem globalen Wachstum stärker auf die Beine zu helfen. Das Treffen sei „eine Möglichkeit darüber zu diskutieren, was an geldpolitischen Aktivitäten noch möglich ist, um den Aufschwung zu unterstützen“, sagte er. Auch das Thema Banken-Union in Europa dürfte zur Sprache kommen.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

10.05.2013, 20:34 Uhr

"„Unsere geldpolitische Stimulierung zielt auf eine Inflationsrate von zwei Prozent.“ Japan will damit die jahrelange Deflationsgefahr, die die Wirtschaft ins Tief brachte, bannen."

Deflation ist etwas völlig natütliches, die Wirtschaft atmet in verschiedenen Zyklen. Sie am austamen und der damit verbundenen schöpferischen Zerstörung zu hindern, führt genau zur japanischen Krankheit des Zombie-Siechtums: Neues kommt nicht hoch, weil das halbtote Alte gepampert wird. Und je länger man die Wirtschaft am Ausatmen hindert desto mehr Deflationspotential staut sich an. Wenn sich dieses löst und das wird es, viel Spass. In der DDR gab es keine Bankrotte. Was war das Ergebnis? Das ganze System ging bankrott! Die Quacksalber, die für das, was dann kommt, verantwortlich sind gehören nach Nürnberg.

Hagbard_Celine

10.05.2013, 21:25 Uhr

Es gibt keine Alternative zur Entwertung der Währungen denn das Verhältnis von Schulden zur Wirtschaftsleistung ist untragbar.

In 1955 betrug die Summe aller Verbindlichkeiten Deutschlands von Staat, Unternehmen und Privatpersonen in Summe 50% GDP, heute beträgt sie 350% GDP.

Menschen die angesichts dieser Tatsachen positive Realzinsen fordern, sind Traumtänzer.

Die Einzige Möglichkeit die Sache zu bereinigen ist die Verbindlichkeiten langsamer wachsen zu lassen als die Wirtschaft und das geht am besten mit einer kräftigen Entwertung auch bekannt als Inflation.

Anders geht es nicht, es ist alternativlos !

Wer davon profitieren möchte kann das recht gut über Aktien oder kreditfinanzierte Immobilien machen.

Diejenigen die Geld verleihen hingehen werden rasiert werden, und zwar gründlich.

Account gelöscht!

10.05.2013, 23:57 Uhr

"Anders geht es nicht, es ist alternativlos !"

Na Frau Merkel mal wieder ein bisschen bloggen ;-)

Im Ernst: Natürlich müssen die gigantischen ungedeckten Forderungen und Papierleerversprechen, die alle Preise verzerren und mit ihren uneinbringlichen Tilgungs-/Zinslasten das ganze System verstopfen bereinigt werden. Dafür mag ein Weg steigende Güterpreise (also klassische Inflation) sein. Ein anderer ist der deflationäre über Geldvernichtung durch Konkurse, Schuldenschnitte, Bail-in etc. (z.B. Zypern). Die dritte Möglichkeit ist Wachstum, wobei realistischerweise wegen Sättigung vieler Bereiche quantitativen Wachstums auf qualitatives Wachstum gesetzt werden sollte (hochwertigerer "grüner" Strom, statt Gen-/Chemiefraß naturnahe Lebensmittel etc.).

Auch wenn die den Finanzmarkt dominierenden angelsächsischen Länder und ihre Club Med Freunde, die traditionell in Sachwerten sparen, Inflation bevorzugen, werden sie spätestens, wenn sie ihre "Wirte" leergesaugt haben, auch voll mit den Nebenwirkungen der Inflation konfrontiert. Spätestens dann wird die Deflation in Form von Geldvernichtung über Konkurse, Schuldenschnitte etc. nicht mehr aufzuhalten sein. Hoffen wir, dass wenn das in USA passiert, wir in Europa schon einen guten Teil der Bereinigungsarbeit geleistet und die heiße Luft aus den Eigentumsillusionen abgelassen haben. Sonst könnte es blutig werden...

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