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04.06.2015

11:29 Uhr

Gabriel und Macron

„Wir müssen die Eurozone stärken“

Das Euro-Mitglied Griechenland ist von der Pleite bedroht. Zudem fordern die Briten eine umfassende EU-Reform. Deswegen rufen der deutsche und der französische Wirtschaftsminister auf, die Eurozone zu stärken.

Emmanuel Macron (re.) und Sigmar Gabriel haben einen Appell veröffentlicht. AFP

Die Wirtschaftsminister

Emmanuel Macron (re.) und Sigmar Gabriel haben einen Appell veröffentlicht.

ParisBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und sein französischer Kollege Emmanuel Macron haben einen gemeinsamen Aufruf zur Stärkung der Eurozone veröffentlicht. In einem Beitrag, der am Donnerstag in mehreren europäischen Zeitungen, darunter die „Welt“ und „Le Figaro“, erschienen ist, schreiben die Minister, es sei „nun an der Zeit, die wirtschaftliche und politische Debatte erneut zu führen und die Eurozone wieder in Ordnung zu bringen“. „Und zwar als Teil eines größeren Plans für eine Union, in der alle Mitgliedstaaten ihren Platz finden“, heißt es weiter.

Die Währungsunion müsse einige Herausforderungen meistern, „damit der Euro sein Versprechen vom wirtschaftlichen Wohlstand einlösen kann“. Dies sei außerdem wichtig, „damit verhindert wird, dass Europa immer mehr in Spaltung und Unzufriedenheit abdriftet“, schrieben Gabriel und Macron unter Verweis auf hohe Arbeitslosenzahlen in einigen EU-Ländern und auf antieuropäische Strömungen. Die nationalen Interessen und die allgemeinen europäischen Interessen müssten in Einklang gebracht werden.

Nach Angaben aus Macrons Umfeld soll der größere Zusammenhalt der Eurozonenländer auf zwei Säulen ruhen: „Einer gemeinsamen Haushaltskapazität und Solidaritätsmechanismen für Krisenfälle mit Mitteln, um Ländern in Schwierigkeiten schnell zu helfen“.

Gewinner und Verlierer der Euro-Schwäche

Der Euro auf Talfahrt

Die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Euro auf Talfahrt geschickt. Nach Einschätzung von Analysten könnte ein Euro schon bald weniger als ein US-Dollar kosten – erstmals seit mehr als zwölf Jahren. Wer profitiert von der Euro-Schwäche und wem tut sie weh? (Quelle: dpa)

Gewinner: Die Exporteure

Ein schwacher Euro hilft Firmen aus der Eurozone, die Waren außerhalb des Währungsraums verkaufen wollen. Denn ihre Autos oder Maschinen werden auf den Weltmärkten günstiger – etwa in wichtigen Märkten wie Asien oder Amerika. Die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ oder anderen Euro-Staaten dürfte anziehen. In der Eurozone spielt der Wechselkurs aber keine Rolle.

Gewinner: Die Konjunktur

Mehr Exporte, mehr Produktion, mehr Arbeitsplätze. Ganz so einfach geht es in der Praxis nicht, aber der EZB-Kurs mit Nullzins und Geldschwemme zielt auch in diese Richtung. Allein über den Preis werden Unternehmen aus dem Euroraum dank des niedrigen Eurokurses wettbewerbsfähiger. Somit stehen die Chancen gut, dass sie mehr verkaufen und ihre Fabriken besser ausgelastet sind. Das könnte mittelfristig auch neue Arbeitsplätze schaffen.

Gewinner: Die DAX-Konzerne

Die lockere Geldpolitik der EZB könnte exportstarken deutschen Konzernen nach Berechnungen der Commerzbank im laufenden Jahr zwölf Milliarden Euro zusätzlich an Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in die Kassen spülen – allein weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert. Vom Euroverfall profitieren demnach vor allem jene Firmen, die Rechnungen und Löhne in Euro bezahlen, aber in Dollar abrechnen.

Verlierer: Importeure

Wichtige Rohstoffe wie etwa Öl werden international in Dollar gehandelt. Wenn der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert, werden solche Importe für Abnehmer im Euroraum tendenziell teurer. Deshalb sei ein schwacher Euro für die Exportnation Deutschland auch nur auf den ersten Blick erfreulich, kommentiert der Außenhandelsverband BGA: „Ohne die niedrigen Rohstoffpreise würde der schwache Euro tiefe Spuren in unserer Importrechnung hinterlassen und somit auch die Verkaufspreise im Export erhöhen.“

Verlierer: Die Urlauber

Urlaube in der Schweiz oder in die USA werden teurer, wenn der Euro gegenüber anderen wichtigen Währungen an Wert verliert. Ende Januar rechnete der Bundesverband deutscher Banken (BdB) vor: Die Kaufkraft eines Euro in der Schweiz betrage nur noch etwa 55 Cent. Das heißt: Waren und Dienstleistungen waren dort zu diesem Zeitpunkt im Schnitt fast doppelt so teuer wie in Deutschland. Für Touristen aus Amerika oder China wird ein Trip in die Eurozone aber attraktiver.

Verlierer: Die Unternehmen

Für den Ausbau ihrer Geschäfte außerhalb des Euroraums müssen Unternehmen aus dem Euroraum tendenziell mehr Geld in die Hand nehmen. Wer etwa eine Fabrik in China oder in den USA errichten will und dies in der jeweiligen Landeswährung bezahlt, legt in Euro gerechnet künftig drauf.

Verlierer: Die Nicht-Eurostaaten

Während die US-Notenbank Fed ihre Geldschleusen absehbar wieder schließen will, fährt die EZB einen genau entgegengesetzten Kurs. Das erhöht die Gefahr, dass es zu einem „Währungskrieg“ kommt. Mit ihren milliardenschweren Anleihenkäufen habe die EZB „eine Tür geöffnet, hinter der die Gefahr eines Abwertungswettlaufes lauert“, kritisierte BGA-Präsident Anton F. Börner.

Macron und der deutsche Vizekanzler werben in ihrem Appell dafür, der Eurozone eigene Haushaltskompetenzen zu übertragen, um die Fähigkeit der Währungsunion zur wirtschaftlichen Stabilisierung zu verbessern. Gabriel und Macron sprechen sich überdies dafür aus, den gemeinsamen Binnenmarkt der 28 EU-Staaten zu stärken. Dabei sollten Schlüsselbereiche wie die Energiewirtschaft und der IT-Bereich in den Blick genommen werden.

Der Beitrag von Gabriel und Macron sollte außer in der „Welt“ und im „Figaro“ auch im britischen „Guardian“, in der italienischen Zeitung „La Repubblica“, in „El País“ aus Spanien, „Le Soir“ aus Belgien und in den schweizerischen Zeitungen „Tribune de Genève“ und „Tages-Anzeiger“ erscheinen.


Von

afp

Kommentare (4)

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Herr Peter Spiegel

04.06.2015, 12:58 Uhr

Leute das müßt ihr lesen, das ist gegen jede Verfassung und das Grundgesetz. Eigentlich wird man dafür eingesperrt. Weg mit dem EU-Gefängnis.

Herr Peter Noack

05.06.2015, 08:13 Uhr

Wer erlaubt sich, die Leser der genannten Zeitungen für blöd zu halten? Rufen die Minister aktiv zum Verfassungsbruch ihrer Staaten und zum Rechtsbruch in der EU und Eurozone auf? Wo ist denn das Konzept? Keins da! Nur ein Appell. Was soll das? Sind denn die Minister nicht zuständig? Sollten die nicht für Mehrheiten sorgen? Können Medien dabei helfen? Warum muss dieser Appell ins Leere laufen? Gemeinsame Wirtschaftspolitik, gemeinsame Außenpolitik, gemeinsame Arbeitsmarktpolitik, gemeinsame Bildungspolitik, gemeinsame Energiepolitik, gemeinsame Sicherheitspolitik, gemeinsame Kulturpolitik, gemeinsame Verteidigungspolitik, gemeinsame Finanzpolitik, die für alle diese Politikfelder das Geld von der Union der Vaterländer beschafft. Das wollen die beiden Minister vorschlagen, ohne in der Luft zerrissen zu werden? Wie wird denn der Medienverriss aussehen?

Herr Ingo Ulrich

05.06.2015, 09:55 Uhr

"......die Eurozone stärken“ "

Dann sollte man über einen Rücktritt nachdenken !!!

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