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12.09.2011

17:46 Uhr

Gastbeitrag

D-Mark eignet sich nicht als Drohkulisse

VonHans-Werner Sinn

Bei einer Rückkehr zur D-Mark hätte Deutschland heute ein um etwa 50 Milliarden kleineres BIP, besagt eine Studie der KfW-Bank. Doch laut Hans-Werner Sinn stimmen diese Berechnungen hinten und vorne nicht. Deshalb fordert der Ifo-Chef: Deutschland kann und muss den Widerstand wagen.

Prof. Hans-Werner Sinn: Der Autor ist Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com Thorsten Jochim für Handelsblatt

Prof. Hans-Werner Sinn: Der Autor ist Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com

Stark und Weber sind zurückgetreten, weil die EZB Deutschland gewaltige Vermögensrisiken aufbürdet, die die offiziellen Rettungspakete in den Schatten stellen. Der Club Med, der im Rat das Sagen hat, missbraucht die Bank für eine Kreditpolitik, die mit Geldpolitik im engeren Sinn nichts mehr zu tun hat und ihr Mandat überschreitet. Die Bundesrepublik kann sich das nicht länger bieten lassen. Sie sollte eine Neuverhandlung der Maastrichter Verträge verlangen.

Die EZB hat nicht nur für 130 Milliarden Euro Staatspapiere gekauft, was Bundespräsident Wulf als Umgehungstatbestand gegeißelt hat. Sie hat die Bundesbank zudem gezwungen, für weit mehr als 300 Milliarden Euro Target-Kredite an die Geschäftsbanken der GIPS-Länder statt an die deutschen Geschäftsbanken zu geben. Das hat Ex-Bundesbank-Präsident Schlesinger letzte Woche angeprangert. Das Maß ist voll.

Aber kann sich Deutschland überhaupt noch wehren? Ist es nicht erpressbar, weil es bei einem Austritt den größten Schaden hätte?

Dieser Meinung ist offenbar die KfW. Die Staatsbank hat dazu gerade eine Rechnung veröffentlicht, nach der Deutschland bei einer Rückkehr zur D-Mark wegen steigender Zinsen und eines steigenden Wechselkurses heute ein um etwa 50 Milliarden kleineres BIP hätte. So sehr ich noch immer für den Euro bin: Diese Rechnung stimmt hinten und vorne nicht.

Zunächst einmal ist es ja kein Nachteil für ein Land, sondern ein Vorteil, wenn der Zinssatz an seine Verhältnisse angepasst wird, statt den Erfordernissen einer Einheitswährung genügen zu müssen. Die Vorstellung, dass die Bundesbank einen für Deutschland schlechteren Zins gewählt hätte, als es die EZB tat, die alle Länder in den Blick nehmen musste, ist abwegig.

Wichtiger ist da schon das Wechselkursargument. In der Tat stünde die D-Mark heute unter Aufwertungsdruck, wenn Deutschland austräte, und das wäre sicherlich nicht gut für die Exporte. Die Schätzung der KfW, dass es zu einem Aufwertungseffekt von 15 Prozent kommen könnte, wenn der Wechselkurs freigegeben wird, ist nachvollziehbar. Dennoch eignet sich auch dieses Argument nicht als Drohkulisse.

Zum einen hätte nämlich eine Aufwertung nicht nur negative Auswirkungen für Deutschland. Positiv wäre, dass Industrie und Verbraucher importierte Vorprodukte und Konsumgüter billiger erwerben können. Der Terms-of-Trade-Gewinn einer Aufwertung von 15 Prozent liegt angesichts der deutschen Importquote von gut 40 Prozent bei sechs Prozent des BIP oder etwa 150 Milliarden Euro. Das ist das Dreifache der von der KfW berechneten Zahl.

Kommentare (70)

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nobum

12.09.2011, 18:14 Uhr

Dieser Professor (siehe Bild) schwadroniert wieder Unsinn (Unrat). Die Zerstörung des Euros zerstört die Banken (siehe Banken heute) und schon haben wir eine Lehman-Krise. Dann fängt das "Fringsen" wieder an. (Kardinal Frings empfahl in der Nachkriegszeit, Kohlen von den Eisenbahnwagen zu klauen.)

Hochwohldurchlauchtigster

12.09.2011, 18:29 Uhr

Natuerlich ist Sinn voll und ganz zuzustimmern, aber es ist ja ueberhaupt nichts neues. Das ist seit eh und jeh bekannt, wurde nur in der Vergangenheit immer unter den Tisch gekehrt, weil es politisch nicht gewollt war. Wer der Zerstoerung der D-Mark widersprach, wurde als Nazi abgetan und als Europa-Feind deklassiert. Es ist erstaunlich, wie die Zwaenge zur Vernunft auf einmal Offenheit und Wahrheit emporkommen lassen.

Max

12.09.2011, 18:36 Uhr

Lieber Herr Professor Sinn,

danke für die klaren Worte. Sie sind einer der wenigen, die die Dinge auf den Punkt bringen.

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