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10.09.2012

14:09 Uhr

Gastbeitrag

Frische Brise des  Rankings wird zum zerstörerischen Taifun

Die Professoren Alfred Kieser und Margit Osterloh vergleichen das BWL-Ranking des Handelsblatts mit dem Niveau von „Deutschland sucht den Superstar“. In einem Gastbeitrag erklären sie die Gründe.

Professor Alfred Kieser lehrt an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. privat

Professor Alfred Kieser lehrt an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen.

Die Verweigerung von 339 Professorinnen und Professoren, am BWL–Ranking teilzunehmen und die Unterschriften von 309 unter den offenen Brief haben eine intensive Debatte über die Forschungskultur des Faches in Gang gebracht. Sie sollte allerdings nicht in Diskreditierung der „Verweigerer“ münden.

„Relevant“ sind für das Handelsblatt offenbar nur nur diejenigen Professoren, die es, hätten sie nicht verweigert, in die Top-Ränge des BWL-Rankings geschafft hätten. Und das sind „nur“ 23. Wer in der BWL wichtig ist, bestimmt das Handelsblatt-Ranking. So wird Wirklichkeit konstruiert – die Wirklichkeit des Handelsblatt-Rankings.

Diskreditierung bedeutet es auch, die Verweigerer als zum alten Eisen gehörend zu erklären, welche die „neue BWL“ nicht mehr so richtig verstehen. Zwei Experten haben für das Handelsblatt wissenschaftlich analysiert: „Je länger ein Professor im Dienst ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er das Ranking ablehnt.“ Auch zitiert das Handelsblatt einen typischerweise anonymen Beitrag einer „Doktorandin“ in unserem Blog, die den Boykott als „einen „peinlichen Versuch, das Rad zurückzudrehen und ein veraltetes deutsches Verständnis der BWL-Forschung zu rechtfertigen“.

Betriebswirte bekämpfen Forschungsranking: „Deutschland sucht den Super-Prof“

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„Deutschland sucht den Super-Prof“

Mit seinem neuen BWL-Ranking sorgte das Handelsblatt für Wirbel: Über 300 Wissenschaftler wollten die Veröffentlichung der Ergebnisse verhindern. Die Folge: Eine Debatte über Transparenz und Bedeutung von Forschung.

Es unterschlägt die Erwiderung eines (nicht anonymen) jungen Wissenschaftlers, der feststellt: „Die Aussage, es würden nur diejenigen aussteigen, die eh im Ranking schlecht wären, ist lächerlich und ohne Anstand angesichts vieler sehr bekannter Namen auf der Liste.“

Jeder, der sich in der Betriebswirtschaftslehre etwas auskennt, wird beim Studium der Liste der Unterzeichner des offenen Briefs – veröffentlicht in unserem Blog – zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausmachen, die wesentlich zur Entwicklung des Fachs beigetragen haben und immer noch beitragen. Das wissenschaftliche Renommee dieser Unterzeichner sollte bei dem einen oder anderen Leser Zweifel an der suggerierten Objektivität des Rankings wecken. 17 Wissenschaftler, die unter die Top 250 beim Lebenswerk gekommen wären, haben die Opt-Out-Option gewählt.

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Viele deutsche BWL-Professoren haben das Handelsblatt Ranking boykottiert. Im Handelsblatt-Interview erklärt BWL-Professor Udo Steffens, warum so viele Professoren sich geweigert haben am Ranking teilzunehmen.

Besonders beachtlich ist, dass in der Auswertung für die aktuelle Forschungsleistung sechs der führenden 100 Forscher nicht genannt werden wollen und sieben bei den unter-40-Jährigen. Die Verweigerer der beiden letzten Gruppen sind die eigentlichen Helden: Sie bringen durch die Verweigerung ihre kritische Einstellung zum Handelsblatt-Ranking zum Ausdruck und nehmen dabei bewusst Nachteile in Kauf, weil das Handelsblatt-Ranking einen starken Einfluss auf Karrieren haben kann. Ältere Verweigerer sind davon weniger betroffen, was erklärt, warum diese überwiegen.

Kommentare (4)

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Katja

10.09.2012, 15:47 Uhr

Herzlichen Glückwunsch an die Professoren Osterloh und Kieser zu dieser pointierten und treffenden Stellungnahme!

LaCucaracha

10.09.2012, 16:58 Uhr

Noch mal zu der 'Verweigerer=Underperformer' These: Ich war 2009 unter den Top 50 und kann mich dem Brief und Gastbeitrag von Kieser und Osterloh nur uneingeschraenkt anschliessen. Heroisch ist daran gar nichts - wer dieses Mindestmass an Zivilcourage nicht aufbringt, sollte nicht mit der Bildung/Ausbildung zukuenftiger VerantwortungstraegerInnen betraut werden. Period.

innovation

10.09.2012, 22:20 Uhr

Kieser war mal innovativ mit seiner Upol online Verantstaltung. Geschwindigkeit auf 2fach gestellt und man konnte seine Thesen angenehm schnell folgen. Warum stellt er die nicht endlich mal bei Youtube online? Transparenz heisst das Gebot der Stunde - Insbesondere wenn man 40 Jahre lang von öffentlichen Steuergeldern Gehalt kassiert hat. Kommt runter von eurem Thron ihr Prof. Dr. Dr. h.c.

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