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23.01.2007

09:49 Uhr

Gastkommentar von John W. Snow

Die neue deutsche Dynamik

VonJohn W. Snow (ehemaliger US-Finanzminister)

Die europäische Wirtschaft feiert ein Comeback. Diese Entwicklung wird auch in den USA genau beobachtet. Der ehemalige US-Finanzminister John Snow sieht Deutschland dabei als Lehrbeispiel für seine Nachbarn. Im Handelsblatt erklärt er, warum Europas Erfolg auch Amerikas Erfolg ist und welche Pläne er für die Finanzmärkte hat.

Der frühere US-Finanzminister John Snow: 'Amerika braucht ein starkes Europa.' Foto: dpa Quelle: dpa

Der frühere US-Finanzminister John Snow: 'Amerika braucht ein starkes Europa.' Foto: dpa

In den letzten Jahren waren die entsprechenden Neuigkeiten weniger positiv. So war es etwa im Jahr 2004, als ich in meiner damaligen Funktion als Finanzminister der Vereinigten Staaten durch Europa reiste, um dort für einen amerikanisch-europäischen Finanzdialog zu werben. Die Idee war, durch eine verbesserte Leistung unserer Finanzmärkte das Wachstum zu fördern. Diese Reise fand unmittelbar nach der Ablehnung der EU-Verfassung statt, was das Vertrauen in dieses große und ehrgeizige europäische Projekt beschädigte. Es sah so aus, als ob die Wirtschaft strukturell hinter ihrem Wachstumspotenzial zurückbleiben würde, ohne Anzeichen einer möglichen Erholung.

Heute dagegen befindet sich die europäische Wirtschaft in der Phase eines Comebacks. Die Wiederbelebung begann von der Exportseite her. Dies zog neue Investitionen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und höhere Verbraucherausgaben nach sich. Heute liegt die europaweite Arbeitslosenquote bei 7,7 Prozent, deutlich unter dem Höchststand von mehr als neun Prozent im Jahr 2004.

Auch das Vertrauen der Verbraucher steigt, da sich die Arbeitslosigkeit allmählich verringert. Als Folge wachsender Unternehmensgewinne und eines neuen Optimismus investieren die Unternehmen wieder mehr im Inland. Dies gilt vor allem für Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt wächst in einem Tempo, das fast doppelt so hoch ist wie in den vergangenen fünf Jahren. Was sind die Gründe für diese positive Wende, und warum ist jemand wie ich darüber so sehr erfreut?

Eine akademische Erklärung würde lauten: Nach Jahren mit unnormal hohen Sparquoten löst sich jetzt als Folge des wiedergefundenen Vertrauens der Nachfragestau auf. Aber jede realistische Analyse muss vor allem die wirtschaftlichen Fortschritte in Deutschland berücksichtigen, immerhin der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt mit ihrem daraus resultierenden starken Einfluss auf ganz Europa. Deutschland hat zu seiner Rolle als regionaler Wachstumsmotor zurückgefunden und kann damit seinen Nachbarn Auftrieb geben.

Diese Verbesserung hat sich keineswegs zufällig ergeben. Der Grund ist, dass sich Regierung, Unternehmer und Arbeitnehmer gemeinsam zu notwendigen und schmerzlichen Reformen durchringen konnten. Damit konnten sie die Effizienz und die Produktivität der deutschen Wirtschaft erhöhen. Das Land konnte seine verloren gegangene „teutonische Dynamik“ neu beleben. Und all dies half, die bestehenden hohen Arbeitskosten und Steuerbelastungen zu kompensieren. Das Resultat: Die Investitionen in Deutschland finden zu alter Stärke zurück. So wie höhere Investitionstätigkeit in den Vereinigten Staaten dort die gegenwärtige Aufschwungphase auslöste, geschieht dies heute in Deutschland. Und dadurch kann die hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit reduziert werden.

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