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13.01.2011

15:49 Uhr

Geldentwertung

Höherer Inflationsdruck alarmiert EZB

Die Angst vor der Inflation in Europa geht um und hat nunmehr auch die Europäische Zentralbank (EZB) erreicht. Nachdem die Teuerungsrate inzwischen über zwei Prozent gestiegen ist, schließen die Währungshüter Gegenmaßnahmen nicht aus.

EZB-Chef Trichet: Ziehen die Zinsen bald wieder an? Quelle: dpa

EZB-Chef Trichet: Ziehen die Zinsen bald wieder an?

HB FRANKFURT. Der jüngste Anstieg der Teuerung in der Euro-Zone versetzt die Europäische Zentralbank (EZB) in Alarmbereitschaft. Zwar gehen Fachleute weiterhin nicht davon aus, dass die EZB schon bald an der Zinsschraube drehen wird, sondern glauben eher an eine Art Warnschuss der Hüter des Euro. Die Gemeinschaftswährung stieg am Donnerstag nach überraschend unverhohlenen Äußerungen von Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet dennoch zeitweise auf deutlich mehr als 1,33 Dollar.

Zwar habe der Inflationsdruck wegen höherer Energie- und Nahrungsmittelpreise an der Lageeinschätzung der EZB grundlegend noch nichts geändert und der Leitzins bleibe mit einem Prozent „noch angemessen“. „Aber es ist angezeigt, dass wir die Entwicklung der Preise sehr genau beobachten“, sagte Trichet nach der ersten Sitzung des EZB-Rats im neuen Jahr in Frankfurt.

„Es gibt Hinweise auf kurzfristig höheren Inflationsdruck. Wir denken, dass die Teuerung für eine gewisse Zeit über zwei Prozent steigen könnte, um dann gegen Jahresende wieder darunter zu fallen. Die mittelfristigen Inflationserwartungen sind nach wie vor fest verankert.“

Genau gegenteilig äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zeitgleich in Berlin: Inflationsgefahren sehe er in Deutschland und Europa eher langfristig. „Ich sehe die auf kurze Sicht nicht“, sagte er auf Anfrage. Anders beurteile er die Lage, wenn man eine Periode von drei oder vier Jahren in den Blick nehme.

Die Teuerungsrate in der Europäischen Währungsunion war vor dem Jahreswechsel auf 2,2 Prozent geklettert und hatte damit zum ersten Mal seit rund zwei Jahren das Inflationsziel der EZB übersprungen. Die Notenbank sieht bei einer Rate von „knapp unter zwei Prozent“ Preisstabilität gegeben. Trichet betonte, die EZB sei trotz anderer Probleme wie zum Beispiel der andauernden Schuldenkrise der Euro-Zone in erster Linie der Sicherung stabiler Preise verpflichtet. Sie könne und werde deshalb im Zweifelsfall handeln. „Wir sind niemals vorab darauf festgelegt, dass wir die Zinsen nicht bewegen.“

Kommentare (8)

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k.h.a.

13.01.2011, 18:27 Uhr

Der Meister des unbestimmten (Rechts-)begriffes redet von angemessen, tragbar, voraussichtlich und möglich ebenso wie ungewiß, unannehmbar, unwahrscheinlich und ungefährlich. Usw, usf. So lassen sich alle Fragen unkonkret im Ungefähren aufhängen, um bloß nichts zu sagen. Auch Trichet und seine Mannschaft einschließlich der in den nationalen Notenbanken haben offenbar nicht die geringste Ahnung, was wirklich los ist, geschehen wird oder auch nur passieren könnte. Also singen sie gemeinsam mit brüsseler und nationaler Politik dasselbe Lied vom ewigen Leben des Euro, ahnend, daß daraus schnell das "Lied vom Tod" werden könnte.

Malocher

13.01.2011, 19:29 Uhr

Trichet wird die Zinsen in den nächsten Jahren höchstens in homöopatischen Dosen, also eher symbolisch anheben.

Eine nennenswerte Zinserhöhung um z.b. 1% würde italien schlagartig insolvent machen und das wäre der Supergau für die Eurozone und das weiss Trichet.
So bleibt ihm nur übrig, bald mögliche Zinserhöhungen immer wieder in den Raum zu stellen und zu versprechen, dass die inflationsrate zu Jahresende wieder zurückgehen wird.
Schliesslich treibt nichts die inflation mehr, als die inflationsERWARTUNG.

Diese Taktik könnte für gut ein Jahr aufgehen. Ein weiteres Jahr könnte man gewinnen, indem man die Messung der inlation "anpasst/modernisiert/amerikanisiert/optimiert".
Die Stunde der Wahrheit zögert das nur hinaus, denn irgendwann wird der deutsche Michel sich seinen geliebten Urlaub im Ausland nicht mehr leisten können und dann zählt er eins und eins zusammen.

Realist

13.01.2011, 21:21 Uhr

Die inflation ist auch ein Ausdruck der Hilflosigkeit der EZb und auch Ergebnis der Abhängigkeit von Politik und bankern. Der Kampf zwischen Politik und Kapital den Weltwirtschaftszentren treibt die inflation. Die Verliere werden die Durchschnittsbevölkerungen nicht nur in Deutschland sondern auch in Europa und in den anderen Teilen der Welt sein. Der Wirtschaftsaufschwunk wird mit neuen, noch größeren Schuldenbergen erkauft und zeugt von Konzeptlosigkeit der verantwortlichen Regierungen.
Wass stellt die EU überhaupt dar? Amboss oder Hammer

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