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01.02.2010

11:11 Uhr

Geldpolitik

Asien kämpft nun gegen Inflation

VonHelmut Hauschild

Nach dem Kampf gegen die Wirtschaftskrise rüsten sich Asiens Regierungen nun für den Kampf gegen steigende Preise und straffen ihre Geldpolitik. Andere Länder dürften bald folgen.

In Thailand steigen die Preise wie seit 14 Monaten nicht mehr Reuters

In Thailand steigen die Preise wie seit 14 Monaten nicht mehr

NEU-DELHI. In Indien erhöhte die Zentralbank am Freitag den Mindestreservesatz unerwartet deutlich um 0,75 Punkte auf 5,75 Prozent, ein klares Zeichen für die wachsende Sorge der Notenbanker vor dem rasanten Preisanstieg. Indien folgt damit China, das den Mindestreservesatz bereits Mitte Januar um 0,5 Punkte erhöht hatte.

Ziel des beginnenden Ausstiegs aus der expansiven Geldpolitik sei es, die Inflationserwartungen im Griff zu halten, begründete die Reserve Bank of India (RBI) ihre Entscheidung. Vor allem die Nahrungsmittelpreise steigen in Indien kräftig. Mitte Januar lag das Plus zum Vorjahr bei 17,4 Prozent. Das ist politisch brisant, denn zwei Drittel der 1,2 Mrd. Inder leben nach Schätzungen der Weltbank von weniger als zwei Dollar am Tag.

Die RBI erhöhte ihre Prognose für den wichtigsten gesamtwirtschaftlichen Inflationsindikator, den Index der Großhandelspreise, von 6,5 Prozent auf 8,5 Prozent im März. Indiens Wirtschaft wächst inzwischen wieder mit Raten von deutlich über sieben Prozent. Ökonomen erwarten deshalb, dass die RBI ihre Politik des billigen Geldes weiter zurückfahren und spätestens im April die Leitzinsen anheben wird.

Auch in anderen Schwellenländern Asiens steht eine Kehrtwende in der Geldpolitik unmittelbar bevor, nachdem die Geldschwemme dort ebenfalls die Inflation anheizte und nun spekulative Blasen an den Kapitalmärkten drohen. Malaysias Zentralbankchef warnte, die „Normalisierung“ der historisch niedrigen Zinsen sei geboten. Malaysias Konjunktur ist auf Erholungskurs, die Regierung erwartet bis zu fünf Prozent Wachstum dieses Jahr. Analysten erwarten eine erste Leitzinsanhebung im März. Ganz ähnlich ist die Lage im Nachbarland Thailand. Dort schnellte die Inflationsrate jetzt auf 14-Monats-Hoch.

Im März dürfte schließlich auch in Vietnam der Zeitpunkt der geldpolitischen Kurskorrektur sein. Dort legte der Konsumentenpreisindex im Januar um 7,6 Prozent zu und dürfte nach Meinung von Experten bis Ende März sogar zweistellig wachsen – dennoch nennt die regierungsabhängigen Zentralbank die Inflationsaussichten vorerst noch „stabil“. Grund dürften wohl Warnungen der Wirtschaft vor Zinserhöhungen sein– die Unternehmen haben sich an das billige Geld gewöhnt.

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