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21.05.2014

21:55 Uhr

Geldpolitik der Fed

US-Notenbank will Leitzins vorerst nicht erhöhen

Billiges Geld hat die US-Notenbank Fed versprochen, um den Arbeitsmarkt zu beleben. Nun gehen die Notenbanker davon aus, die Erholung an der Jobfront setze sich fort - doch mit der Leitzinserhöhung spielen sie auf Zeit.

Fed-Chefin Janet Yellen hat sich zuvor uneindeutig geäußert. Der neueste Bericht der US-Notenbank legt nahe, dass sie bei der Leitzinserhöhung auf Zeit spielt. ap

Fed-Chefin Janet Yellen hat sich zuvor uneindeutig geäußert. Der neueste Bericht der US-Notenbank legt nahe, dass sie bei der Leitzinserhöhung auf Zeit spielt.

WashingtonDie US-Notenbank Fed hat offensichtlich keine Eile, die Leitzinsen zu erhöhen. Eine „Normalisierung“ der ultralockeren Geldpolitik wurde von den Währungshütern zwar diskutiert, scheint sich aber noch nicht aufzudrängen. Das geht aus dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll der letzten Fed-Sitzung („Minutes“) vom 29. und 30. April hervor.

Die Notenbanker sehen nicht das Risiko, dass ihre immense Geldflut zur Belebung des Arbeitsmarktes zu ausufernder Inflation führen könnte. Die meisten der führenden Geldpolitiker sehen die Inflationsrate erst in ein paar Jahren auf dem Zielwert von zwei Prozent. Das dürfte Spielraum eröffnen, die Zinsen noch länger niedrig zu lassen.

Die Fed hat den Finanzmärkten versprochen, das Geld solange billig zu halten, wie die Flaute am Arbeitsmarkt anhält und die Teuerung nicht aus dem Ruder läuft. Den „Minutes“ zufolge gehen die Notenbanker zwar davon aus, dass sich die Erholung an der Jobfront schrittweise fortsetzt. Ein mögliches Risiko für die US-Wirtschaft sehen einige Fed-Vertreter aber im zuletzt wieder leicht schwächelnden Häusermarkt.

Drosselung beim Anleihekauf

Seit Jahresbeginn baut die Fed ihre Konjunkturstützen schrittweise ab. Das monatliche Volumen der zur Wirtschaftsbelebung aufgelegten Anleihekäufe ist seitdem von 85 auf 45 Milliarden US-Dollar gesunken.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Wenn die Notenbank ihr Tempo bei der Drosselung beibehält, würde das Anleihekaufprogramm im Herbst komplett eingestellt sein. Bis zur ersten Zinserhöhung seit Ausbruch der großen Finanzkrise vor mehr als fünf Jahren solle danach noch eine „beträchtliche“ Zeit vergehen, heißt es bei der Fed vage.

Die Frage, wann in der größten Volkswirtschaft der Welt die Zinsen angehoben werden, hält die Finanzmärkte aber in Atem. Zumal die Fed zuletzt nicht immer eindeutige Botschaften gesendet hatte. Aus dem Sitzungsprotokoll geht nun hervor, dass den Notenbankern diese Kommunikationsprobleme durchaus bewusst sind. Eine Reihe der Fed-Vertreter spricht sich für „klarere Signale“ bei der Kommunikation aus.

Vor Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls wurde der neue Vize-Chef der Notenbank, Stanley Fischer, vom US-Senat als Fed-Gouverneur bestätigt. Der 70-Jährige stand bis Mitte vergangenen Jahres an der Spitze der israelischen Zentralbank.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

22.05.2014, 09:21 Uhr

Die USA haben aktuell 17,5 Billionen US Dollar Schulden(12 Billionen mehr als in 2000).Jeder Prozentpunkt mehr am Leitzins mehr,würde also sofort die Schuldenlast erhöhen.Die USA können froh sein,wenn sie die kommende Präsidentschaftswahl in 2016 unter 20 Billionen-Grenze abschließen.Ob sie das schaffen,steht auf einem anderen Blatt.

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