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10.04.2011

13:45 Uhr

Geldpolitik der Notenbanken

Trichet hilft der "Schatten-Fed"

VonRolf Benders

Die Leitzinserhöhung in Europa stärkt der Opposition innerhalb der US-Notenbank gegen die expansive Geldpolitik von Fed-Chef Ben Bernanke.

Fed-Chef Ben Bernanke (re.) und EZB-Präsident Jean-Claude Trichet Quelle: Reuters

Fed-Chef Ben Bernanke (re.) und EZB-Präsident Jean-Claude Trichet

New York„Die Kräfte in der Fed, die bisher schon für eine striktere Geldpolitik waren, fühlen sich durch die Entscheidung von EZB-Präsident Trichets mehr als bestätigt“, sagte Greg Hess, Wirtschaftsprofessor und Koordinator der „Schatten-Fed“, eines einflussreichen Zusammenschlusses von Notenbank-Beobachtern, Handelsblatt Online. Auch die eher Bernanke zugeneigten Notenbanker würden sich nun die Lage neu anschauen, so Hess. „Denn der Zinsabstand zwischen Europa und den USA wächst und wächst. Und das schwächt den Dollar. Das ist auf Dauer nicht gut für uns“, sagte Hess, der als Dekan am renommierten Claremont McKenna College lehrt. Hess führt die "Schatten-Fed", die seit 1973 die Geldpolitik der US-Notenbank kritisch begleitet.

Die EZB hatte in der vergangenen Woche mit der Erhöhung des Leitzins im 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent das Ende der Konjunktur fördernden Geldpolitik aus der Krise eingeläutet. „Wir müssen Preisstabilität für 331 Millionen Menschen sicherstellen“, hatte  Trichet den Schritt begründet. Seit Monaten heizen hohe Energie- und Rohstoffpreise die Inflation an, im März lag die jährliche Teuerungsrate im Euro-Raum mit 2,6 Prozent deutlich über der EZB-Warnschwelle von 2,0 Prozent. Beobachter rechnen damit, dass dies nicht der letzte Zinsschritt in diesem Jahr gewesen sein wird.

Die US-Notenbank Fed dagegen lässt unter Führung von Bernanke dagegen bislang nicht erkennen, dass die sie die anziehende Preissteigerung beunruhigt. Bernanke hatte die durch die steigenden Rohstoffpreise getriebene Inflation zuletzt als „vorübergehend.“

Der Dollar reagierte auf die wachsende Differenz zwischen den Zinsen in den USA und Europa zuletzt mit deutlichen Verlusten. Der Euro stieg allein am Freitag um fast drei Cent auf 1,4480 Dollar. Seit Anfang des Jahres hat er 13 Cent oder fast 17 Prozent zugelegt.

Die Entwicklung rief am Wochenende die Bernanke-Kritiker auf den Plan. Richard Fisher, Miglied im entscheidenden geldpolitischen Fed-Ausschuss FOMC, warnte davor, dass sich die Preissteigerung bald verfestigen könnte. Möglicherweise werde man bald von „unerfreulichen Inflationsdaten“ überrascht. Er wandte sich gegen Spekulationen, die Fed sollte wegen der schwachen Arbeitsmarktlage die Geldpolitik sogar weiter lockern. „Jede weitere Lockerung wäre nicht weise”, sagte er. Das Gegenteil, eine Straffung und eine vorzeitige Beendigung der Anleihekäufe sei nötig.

Die Fed hatte in der Krise die Zinsen nicht nur die Zinsen auf knapp über Null Prozent gesenkt, sondern auch für Billionen Dollar Anleihen aufgekauft, um die Kreditkonditionen für die Wirtschaft zu senken. Das bislang letzte dieser Programme, im Fachjargon „QE2“ genannt soll im Sommer auslaufen. Wegen der schwierigen Situation am Arbeitsmarkt waren zuletzt Forderungen nach weiteren Anleiheankaufprogrammen laut geworden.

Fisher gilt neben seinem Kollegen Charles Plosser als härtester Kritiker von Bernanke, der bislang aber die Mehrheitsmeinung in der Fed auf seiner Seite hat. Bernanke & Co argumentieren, die Kerninflation in den USA – also die Preissteigerung ohne Berücksichtigung der Kosten für Lebensmittel und Energie – sei mit 1,1 Prozent nicht besorgniserregend. Weil die Gesamtinflation aber mittlerweile bei 2,1 Prozent liegt und der steigenden Goldpreis die Angst der Menschen vor heftigerer Inflation dokumentiert, werden die mahnenden Stimmen auch außerhalb der Fed immer lauter. „Es wird immer schwerer zu argumentieren, dass die Inflationserwartungen stabil sind“, schrieb Joe LaVorgna, Chefvolkswirt der Deutschen bank in den USA in seiner jüngsten Studie.

Hess und die Schatten-Fed rechnen angesichts der Lage zwar für die geldpolitische Sitzung der Fed Ende April noch nicht mit einer Zinswende. „Aber die Inflationsbekämpfer werden sicher eine deutlichere Akzentuierung der Preissteigerungsgefahren im Statement der Fed durchsetzen“, sagte er. Und vielleicht werde Bernanke die Märkte angesichts des Dollarverfalls auch vorsichtig auf eine Straffung der Geldpolitik einstellen. Denn die Rolle des Dollar als Weltreservebewährung sei für die USA vor allem angesichts der großen Haushaltsprobleme sehr wichtig. „Denn wenn wir den Dollar als Weltreservewährung nicht hätten, wäre die Diskussion in den Märkten um die Haushaltslage der USA schon vor ein paar Jahren entbrannt“, fügte er hinzu.

Kommentare (1)

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11.04.2011, 07:35 Uhr

Das FED ist eine Konstruktion, die teils privat und teils staatlich ist. Diese Struktur führt dazu, daß die Refinanzierungsätze von den Interessen der privaten Banken und des Staates selbst bestimmt werden.

Die Privatbanken haben normalerweise den Wunsch, möglichst günstig Gelder zu erhalten. Seit längerer Zeit (Clinton, Bush, Obama) ist der staatliche Wunsch nach niedrigen Zinsen ebenfalls vorherrschend.

Der niedrige Zins des FED ist eine wesentliche Komponente in der Vergangenheit dabei gewesen, daß sich die Immobilienblase und die folgende Bankenblase überhaupt so stark entwickeln konnten. Derzeit versucht Obama mit niedrigem Zins, die starke Staatsverschuldung in den USA zu stützen. Die Gefahren daraus übersieht er vermutlich absichtlich.

Wenn es ihm nicht gelingt, in kurzer Frist die Leistungsfähigkeit der US-Realwirtschaft zu steigern, wird ihm das Dollarsystem möglicherweise um die Ohren fliegen.

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