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03.02.2011

16:43 Uhr

Geldpolitik

EZB lassen Inflationsängste kalt – vorerst

Herbe Enttäuschung für alle, die auf bald steigende Zinsen in Europa spekuliert hatten: Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt wegen der anziehenden Teuerung zwar auf der Hut. Grund für schnelle Gegenmaßnahmen bestehe derzeit aber nicht, sagte Notenbankchef Jean-Claude Trichet nach der monatlichen Zinssitzung des EZB-Rats am Donnerstag in Frankfurt, bei der die Währungshüter ihren Leitzins bei einem Prozent beließen.

Trichet in Frankfurt: Mal besorgt, mal gelassen - der gespaltene EZB-Chef. DAPD

Trichet in Frankfurt: Mal besorgt, mal gelassen - der gespaltene EZB-Chef.

HB FRANKFURT. Die EZB sieht weiter Belege für kurzfristigen Inflationsdruck, hauptsächlich verursacht vom Anstieg von Energie- und Lebensmittelpreisen. „Das hat unsere generelle Bewertung, dass die Entwicklung der Preise auf mittlere Sicht mit unserem Ziel Preisstabilität vereinbar ist, aber nicht geändert“, sagte Trichet. Anhaltende Wachsamkeit sei aber das Gebot der Stunde, betonte Trichet. Das derzeitige Zinsniveau bleibe „immer noch angemessen“, obwohl die EZB erwartet, „dass die Inflationsrate 2011 über weite Strecken leicht über zwei Prozent liegen wird“ und damit über der Zielmarke der Zentralbank von knapp unter zwei Prozent.

Trichet hatte im Januar Finanzmärkte und Öffentlichkeit mit überraschend scharfen Warnungen vor einer Rückkehr der Inflation aufgeschreckt und Spekulationen ausgelöst, die EZB könnte den Leitzins früher erhöhen als erwartet. Nun war der Ton nach Ansicht vieler Fachleute und Bobachter etwas moderater, was für eine deutliche Abwertung des Euro sorgte, der um gut einen dreiviertel Cent bis auf unter 1,3625 Dollar fiel. Im Gegensatz zu Aussagen nach dem letzten Treffen des EZB-Rats Mitte Januar verzichtete Trichet beispielsweise mehrfach darauf hinzuweisen, dass die EZB jederzeit handlungsbereit sei, um gegen die Inflation vorzugehen. Im Januar war die Teuerung in der Euro-Zone auf 2,4 (Dezember: 2,2) Prozent geklettert.

Volkswirte und Analysten erklärten, dass Trichet offenbar versucht habe, etwas Druck aus dem Kessel zu nehmen: „Trichet hat rhetorisch nicht noch einmal nachgelegt. Ich hatte den Eindruck, dass er sehr bemüht war, die Inflationsrhetorik nicht weiter zu verschärfen“, sagte beispielsweise Volkswirt Andreas Rees von der Unicredit. „Wir halten eine Zinserhöhung vor der Sommerpause für unwahrscheinlich und bleiben bei der Einschätzung, dass das am Jahresende passieren wird.“ Sebastian Wanke von der DekaBank kann sich unterdessen vorstellen, dass Trichet im März, wenn frische Prognosen der EZB-Ökonomen zu Wachstum und Inflation vorliegen, wieder etwas forscher wird. „Es bestand jetzt nicht die Gelegenheit, mit veränderten Projektionen zu signalisieren, dass ein Umdenken stattfindet.“

Trichet selbst betonte, dass auch mehr als dreieinhalb Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 eine Reihe von Finanzmärkten „nicht normal“ funktionierten. Allerdings habe sich zuletzt gezeigt, dass der für die Politik der Notenbank besonders wichtige Geldmarkt besser funktioniere. Der EZB-Rat werde vor diesem Hintergrund wie geplant im März entscheiden, ob und - gegebenenfalls - wie die Rundumversorgung für das Bankensystem aufrechterhalten werden soll.

Die EZB gibt den Geldhäusern derzeit wegen der andauernden Schuldenkrise in einigen Ländern der Euro-Zone bei ihren wöchentlichen Refinanzierungsgeschäften noch so viel Liquidität, wie sie bei ihr abrufen. Bislang verhindert die Schuldenkrise den von der Notenbank längst geplanten Ausstieg aus den Unterstützungsmaßnahmen. Diesen machte Trichet daher erneut von der künftigen Entwicklung abhängig: „Wir werden je nach Lage über die Stützungsmaßnahmen entscheiden“, sagte er. An dem umstrittenen Ankaufprogramm für Staatsanleihen überschuldeter Euro-Mitgliedsländer werde nicht gerüttelt: „Es stimmt, dass wir in den vergangenen fünf Werktagen nicht am Markt tätig gewesen sind. Aber das Programm geht weiter.

Kommentare (1)

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Realist

03.02.2011, 18:28 Uhr

Wie sollte das Funktionieren?
Die Verursacher der inflation gleichzeitig als bekämpfer der inflation ist so als will man Feuer mit Feuer bekämpfen.
Wer es noch nicht begriffen hat: " die inflation ist gewollt und somit Strategie der Politik vereinz mit der Finanzwelt (banksters), mit Ziel Ersparnisse zu Vernichten und Lohnsteigerungen zu eliminieren.

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