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21.03.2011

16:51 Uhr

Geldpolitik

EZB will Leitzins trotz Japan-Krise anheben

Japans Wirtschaft kämpft gegen die Folgen des Erdbebens und die drohende Atomkatastrophe. Europas Notenbanker messen der steigenden Inflation aber höhere Bedeutung bei - und treiben den Euro-Kurs damit an.

EZB-Chef Jean-Claude Trichet: „Wir beobachten die Auswirkungen der Katastrophen in Japan sehr sorgfältig.“ Quelle: dpa

EZB-Chef Jean-Claude Trichet: „Wir beobachten die Auswirkungen der Katastrophen in Japan sehr sorgfältig.“

Brüssel

Trotz der Japan-Krise steuert die Europäische Zentralbank (EZB) unbeirrt auf die erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren zu. EZB-Chef Jean-Claude Trichet und weitere ranghohe Notenbanker bekräftigten am Montag, dass sie eine Lohn-Preis-Spirale unbedingt verhindern wollen. Trichet verwies vor dem Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments auf die anziehende Teuerung in der Euro-Zone, die nicht in überzogene Lohnabschlüsse münden dürfe: "Wir müssen sicherstellen, dass es jetzt nicht zu Zweitrunden-Effekte kommt. Ganz objektiv: Das sind schwierige Zeiten."

Der oberste Hüter des Euro versicherte zugleich, dass die Auswirkungen der Japan-Krise bei der nächsten Zins-Entscheidung mit berücksichtigt werden: "Wir beobachten die Auswirkungen der Katastrophen in Japan sehr sorgfältig." Auch der italienische Notenbankchef Mario Draghi, der als Nachfolger Trichets gehandelt wird, bekräftigte die Entschlossenheit der Zentralbank, "resolut und rechtzeitig" zu handeln. Wegen der spürbar steigenden Preise hatte zuvor auch Ratsmitglied Yves Mersch die unveränderte Bereitschaft zu einer Zinserhöhung im April signalisiert.

Der italienische Notenbankchef Mario Draghi. Quelle: dapd

Der italienische Notenbankchef Mario Draghi.

Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell stieß ins selbe Horn. Sie verwies in Salzburg zudem darauf, dass der Sparzwang in den Staaten der Euro-Zone dazu führen könne, dass die vom Staat festgesetzten Preise - etwa Gebühren und Abgaben - in den kommenden Jahren stärker als bislang angenommen anziehen könnten. Die EZB hat ohnehin erhöhte Wachsamkeit bis zur nächsten Ratssitzung im April signalisiert. Sie sieht mittelfristig Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. In der Euro-Zone lag der Wert im Februar mit 2,4 Prozent jedoch bereits klar darüber.

Kommentare (2)

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aruba

21.03.2011, 18:10 Uhr

Guten Tag,.... Ich wuesste nicht was das Eine mit dem Anderen zu tun hat. Monsieur Trichet ist sicher in der Lage ohne politischen " Druck " zu verantworten was er tun wird Im Gegensatz zu anderen " Experten " weiss er wirklich wovon er redet. Besten Dank

Volkswirt

23.03.2011, 22:32 Uhr

Prinzipiell befürworte ich höhere Zinssätze. 1 % Hauptrefinanzierungssatz liegt aktuell deutlich unter der Teuerung für Güter und Dienstleistungen.

Allerdings ist die aktuelle Situation in Japan nicht zu unterschätzen. Die drittgrößte und sehr wichtige Volkswirtschaft ist in der Güterproduktion - insbesondere High-Tech-Elektronik / Optik / Materialien - global sehr engmaschig vernetzt.

Wenn Japan bestimmte High-Tech Bauteile und -gruppen nicht liefern kann, dann gibt es eine deutliche Verknappung essentieller Güter in modernen Volkswirtschaften, z.B. Smartphones, Note-/Netbooks, PCs, Digitalkameras, Automobile und sogar Flugzeuge.

Der Grund hierfür: Bis zu 30 % der weltweit hergestellten und benötigten High-End Elektronik-Bauteile - Chips, Sensoren - können nicht oder nur eingeschränkt geliefert werden. Es kommt zu einer massiven Angebotsverknappung, was natürlich die Preise deutlich ansteigen lassen wird und zu Lieferengpässen führt.

Eine Zinserhöhung wäre sozusagen aus zweierlei Hinsicht Gift. Erstens ist die aktuelle Finanz- und Realwirtschaft in vielen EURO Ländern nach wie vor sehr labil und fragil. Sogar Deutschland bleibt um weitere Staatsdefizite in den nächsten Jahren nicht verschont. Ganz zu schweigen von den aktuellen Wackelkandidaten in der EURO-Zone.

Zweitens steigt die Gefahr eines möglichen Wirtschaftsabschwungs aufgrund massiver Lieferschwierigkeiten von High- und Medium-Tech Produkten. Maschinen, Rechner, Autos, Flugzeuge etc können nicht oder nur eingeschränkt produziert werden, d.h. weniger Ab- und Umsatz führt auch zu Einsparungen beim Personal. Weniger Beschäftigte bzw. Lohnverzichte bedeuten Kaufzurückhaltung und weniger Nachfrage.

Zunächst sollte die Situation - insb. die (Aus-) Wirkungen der eng verzahnten Lieferketten - in Japan geklärt sein, um überhaupt eine Zinserhöhung ins Auge zu fassen. Ansonsten bekommen wir den Double-Dip ganz unverhofft.

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