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13.01.2011

19:43 Uhr

Geldpolitik

„Für die EZB steht nun der Exit aus der Krisenpolitik an“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer jüngste Anstieg der Teuerung in der Euro-Zone versetzt die Europäische Zentralbank (EZB) in Alarmbereitschaft. Zurecht? Zwar hat der Inflationsdruck zuletzt tatsächlich zugenommen, doch Ökonomen sehen darin keine große Gefahr für die Konjunktur in Europa. Die Angst vor einem weiteren Preisschub wirft aber ein Schlaglicht auf die Geldpolitik der EZB. Wie lange kann ihre Politik des billigen Geldes nocht gut gehen?

DÜSSELDORF. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hat die Europäische Zentralbank (EZB) vor dem Hintergrund des höheren Inflationsdrucks zum Handeln aufgefordert. Da die jüngsten Inflationsdaten eine Normalisierung signalisierten, wie sie dem Stand im Konjunkturzyklus angemessen sei, stellt sich jetzt „die besondere Herausforderung für die Notenbank, das Überschwappen aus der größeren Geldbasis in eine nachfragerelevante Geldmenge zu verhindern“, sagte Hüther Handelsblatt Online. „Die EZB sollte den schon einmal angekündigten, dann wieder aufgekündigten Beginn einer Rückkehr der Geldpolitik zur Neutralität einsteuern.“ Dabei könne sie zunächst über die direkte Liquiditätsbereitstellung im Rahmen der Offen-Markt-Geschäfte agieren und anschließend - verzögert - mit der Zinspolitik. „Es muss nicht übereilt, aber verlässlich gehandelt werden“, betonte der IW-Chef und fügte hinzu: „Auch für die Geldpolitik steht nun der Exit aus der Krisenpolitik an.“

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Düsseldorf, Gustav Horn, hält dagegen die Reaktion des EZB Präsidenten Jean-Claude Trichet für angemessen. „Der aktuell beschleunigte Preisanstieg ist nicht das Resultat einer überschäumenden Konjunktur im Euroraum, der derzeit nur schwach wächst“, sagte Horn Handelsblatt Online. „Daher ist ein Übergreifen auf die übrigen Preise und Löhne derzeit nicht zu erwarten.“ Die besonders stark steigenden Nahrungsmittelpreise seien vielmehr das Ergebnis einer insgesamt guten Weltkonjunktur, die von den asiatischen Volkswirtschaften und den Schwellenländern angetrieben werde, erklärte der IMK-Chef.

Zudem zeige das verstärkte Engagement von Finanzinvestoren, die auf weiter steigende Nahrungsmittelpreise setzten, Wirkung. „All dies ist tatsächlich Grund zur Besorgnis, aber nicht im Hinblick auf Inflation“, betonte Horn. Da der Ursprung dieses Preisschubs im außereuropäischen Ausland liege, werde durch die erhöhten Ausgaben für Nahrungsmittel die Konjunktur im Euroraum eher belastet. „Vor allem aber erzeugen die hohen Weltmarktpreise ausgerechnet für Nahrungsmittel die Gefahr von Unterernährung und Hunger in vielen ärmeren Staaten der Welt“, gab Horn zu bedenken und fügte hinzu: „Dies zeigt erneut, wie dringlich es ist, Finanzinvestoren in ihrem Tun durch Regulierung zu beschränken.“

Der Kurs des Euro war nach überraschenden Aussagen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, stark gestiegen. Die jüngsten Einschätzungen des Notenbankchefs zur Preisentwicklung in der Eurozone wurden als erste Hinweise auf eine mögliche Zinserhöhung gedeutet. Noch im Verlauf der EZB- Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung sprang der Euro über die Marke von 1,33 US-Dollar auf 1,3339 Dollar. Am frühen Nachmittag hatte die EZB den Referenzkurs noch auf 1,3199 (Mittwoch: 1,2973) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7576 (0,7708) Euro.

Trichet hatte zuvor erklärt, zwar habe der Inflationsdruck wegen höherer Energie- und Nahrungsmittelpreise an der Lageeinschätzung der EZB grundlegend noch nichts geändert und der Leitzins bleibe mit einem Prozent „noch angemessen“. „Aber es ist angezeigt, dass wir die Entwicklung der Preise sehr genau beobachten“, sagte der Notenbankchef nach der ersten Sitzung des EZB-Rats im neuen Jahr in Frankfurt. „Es gibt Hinweise auf kurzfristig höheren Inflationsdruck. Wir denken, dass die Teuerung für eine gewisse Zeit über zwei Prozent steigen könnte, um dann gegen Jahresende wieder darunter zu fallen. Die mittelfristigen Inflationserwartungen sind nach wie vor fest verankert.“

Kommentare (12)

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Island

13.01.2011, 21:38 Uhr

ich hätte gerne eine Unterstützung von EUCH (Kommentatoren)

Wir reden von einer „Expansiven Geldpolitik“.

Der Zinssatz liegt bei 1 Prozent!!!!

Die EZb kauft Staatsanleihen (73 Mrd. oder mehr) siehe Portugal gestern.

M3 wächst minimal und im letzten Jahr verringerte sich tendenziell sogar M3.
Oktober 2010 Anstieg um 0,9 Prozent
November 2010 Anstieg um 1,9 Prozent

Die Umschlagshäufigkeit ist mir derzeit in der EURO- Zone nicht bekannt. ich denke aber dass die Umschlagshäufigkeit gering ist und erst bei „inflationsängsten“ steigt. (oder Wachstum)

ich habe den Eindruck daß die EZb auf der einen Seite auf der „bremse“ steht auf der anderen Seite „Gas“ gibt.

Wie hoch ist derzeit die Geldmenge in der Euro Zone?
(im Vergleich zu Waren und Dienstleistungen, bSP)

Wir müssen auf der einen Seite einen „enormen Geldüberhang (LiQUiDiTÄT) im Markt haben (siehe Aktienkurse und Rohstoffpreise) und haben in der Euro-Zone ein „Minimales Wachstum“

Wenn man alle Länder zusammenfasst (völliger blödsinn) wäre die Eurozone in einer „Stagflation“

Kann jemand diesen Widerspruch auflösen?

„Expansive Geldpolitik und geringes M3 Wachstum?

Morchel

13.01.2011, 22:12 Uhr

@ island die Geldmenge wird im Moment weiter erhöht, müssig sie genau zu benennen, Was wichtig ist die kalte Enteignung, wird beschleunigt. ie haben ihre ergaunerten Eronen schon längst umgejubelt weil sie genau wissen oberste Prirorität das zusammengeraffte rüber in die Zukunft zu retten, aller nach den zusammenbruch DE gab es Gleiche unter den Gleichen.Wer danmals Gold versteckt hatte hat sein Vermögen gerettet die Hyperinflation kann dem nichts anhaben, die Reichsmark sollte jeder haben und damit waren sie die Armen alles los.

Wer steckt wirklich dahinter?

13.01.2011, 22:28 Uhr

Ob in Griechenland, Portugal, Spanien, italien, USA, Niederlande, Deutschland, irland, England.....
Überall gibt es sehr viele Verlierer und wenige Gewinner. Aber wer sind die Gewinner wirklich? Nur bänker, Manager, Politiker, industrielle, Adlige?
Oder sind es geheime Orden, Logen, etc. die die Welt weltweit beherrschen möchten und denen dabei jedes Mittel recht ist. Klar haben die jetzt zwar nicht mehr viel, aber noch immer genügend Zeit sich alles unter den Nagel zu reißen, was mehr wert ist, als eine banknote, Aktie, Lebensversicherung. Das ist alles virtuelles Spielgeld und nur Mittel zum Zweck um an dass zu kommen, was sie möchten, Macht, Gold, Diamanten, immobilien, Land, Wasserrechte, Ackerflächen, Wälder, Minen,etc.. Aber wo führt dieser Raubzug denn hin?

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