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14.01.2011

10:50 Uhr

Geldpolitik

Südkorea will Inflation bekämpfen

VonJan Keuchel

Südkoreas Heranwachsen zu Asiens viertgrößter Wirtschaftsmacht hat unerwünschte Folgen. Der Staatschef hat den „Krieg gegen die Inflation" ausgerufen: die Zentralbank erhöhte den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt, außerdem werden die Preise für wichtige Güter eingefroren.

Südkoreas Staatschef Lee Myung Bak: "Krieg gegen die Inflation". dpa

Südkoreas Staatschef Lee Myung Bak: "Krieg gegen die Inflation".

TOKIO. Wenn der Präsident ruft, müssen Notenbank und Unternehmen springen. Wenige Tage nachdem Südkoreas Staatschef Lee Myung Bak den „Krieg gegen die Inflation“ ausgerufen hatte, erhöhte die Zentralbank von Südkorea den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt. Die Heraufsetzung auf 2,75 Prozent kam für viele Analysten dennoch unerwartet, da gleiche Schritte bereits im Juli und November erfolgt waren.

Die Geldpolitik ziele darauf ab, eine Preisstabilität „fest zu verankern“, hieß es in einem Statement der Zentralbank. Die Regierung kündigte zugleich an, die Preise für bestimmte staatlich kontrollierte Güter wie Gas, Wasser und Elektrizität einfrieren zu wollen.

Südkoreas schnelles Heranwachsen zu Asiens viertgrößter Wirtschaftsmacht hat unerwünschte Folgen. Die Preise für die Mittel des täglichen Bedarfs steigen beständig, jene für Wohnungen und Häuser schießen in beliebten Vierteln mittlerweile durch die Decke. Der Verbraucherpreisindex klettert seit Monaten, im Dezember lag er 3,5 Prozent über der Marke im Vorjahr.

Nach der Anhebung des Leitzinses regierte der Won wie gewünscht und stieg zunächst um 0,7 Prozent zum Dollar, um sich aber später bei 0,47 Prozent einzupendeln. Auch die Börse in Seoul legte zu, der Kospi-Index nahm um 0,2 Prozent zu. Experten sind sich aber nicht sicher, ob das Problem damit längerfristig behoben ist. „Die Notenbank wird wahrscheinlich den Leitzins innerhalb von drei Monaten wieder anheben“, glaubt etwa Oh Suk Tae, Ökonom bei SC First Bank in Seoul.

Wie in Südkorea üblich, macht Präsident Lee aus dem Inflationsdilemma gleich eine landesweite Aktion. So kündigten zugleich sieben seiner Ministerien gemeinsam an, dafür zu sorgen, dass Preise für die Daseinsvorsorge, aber auch Schulgelder eingefroren würden. Darüber hinaus will die Regierung für bestimmte Lebensmittel die Einfuhrzölle senken, um sie so billiger zu machen. „Die Preise zu stabilisieren, das ist unsere Priorität in der Politik für die erste Hälfte des Jahres“, begründete Yoon Jong Won vom Ministerium für Strategie und Finanzen den Schritt.

Die Regierung ließ außerdem wissen, man werde auch die privaten Unternehmen der Stahlbranche zum Gespräch bitten, um sie von Preissteigerungen abzuhalten.

Südkorea folgt den Beispielen anderer asiatischer Staaten mit hohem Wirtschaftswachstum. Während China Preisreduzierungen durchsetzt, kämpfen Thailand und Taiwan ebenfalls seit Monaten mit Leitzinserhöhungen gegen die Inflation.

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