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10.03.2017

15:25 Uhr

Geldpolitik

US-Arbeitsmarktzahlen machen Weg für höhere Zinsen frei

Der Arbeitsmarkt in den USA hat sich besser entwickelt als von den meisten Analysten erwartet. Damit dürfte einer weiteren Zinserhöhung der US-Notenbank in der kommenden Woche nichts mehr im Wege stehen.

Börsenbericht

US-Arbeitsmarktbericht sorgt für gute Stimmung

Börsenbericht: US-Arbeitsmarktbericht sorgt für gute Stimmung

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WashingtonDer Jobmotor in den USA läuft rund und macht den Weg für eine Zinserhöhung in der nächsten Woche frei. Private Unternehmen und der Staat schufen im Februar insgesamt 235.000 Stellen, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit 190.000 gerechnet.

Die separat ermittelte Erwerbslosenquote fiel auf 4,7 Prozent. Damit herrscht de facto Vollbeschäftigung – das erklärte Ziel der Notenbank. Die Federal Reserve hat für Mittwoch eine Zinserhöhung signalisiert. Es wäre die zweite binnen weniger Monate.

Ökonomen zu den überraschend starken Arbeitsmarktzahlen

Martin Moryson, Chefvolkswirt Sal. Oppenheim

Das hohe Maß an Unsicherheit, das von der Trump-Regierung ausgeht, wirkt sich derzeit offenbar nicht negativ auf die Konjunktur aus. Die Konjunktur läuft: Der reale Konsum dürfte im Jahresverlauf mit Raten von etwas über zwei Prozent wachsen. Diese Steigerungen bleiben aber hinter den Höchstständen, die in der Vergangenheit zu beobachten waren, zurück.

Das ist auch ein grünes Licht für die Fed, kommende Woche die Zinsen zu erhöhen. Diesen Schritt hatte Frau Yellen in der vergangenen Woche quasi angekündigt. Mit diesen guten Zahlen gibt es für die Fed keinen Grund mehr, weiter zu warten.

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank

Es läuft weiterhin rund am US-Arbeitsmarkt. Der Stellenzuwachs liegt über den Erwartungen der Konsensprognose. Auch das Lohnwachstum setzt seinen positiven Trend fort. Eine Zinserhöhung in der kommenden Woche ist damit praktisch besiegelt. Wer aus den aktuellen Arbeitsmarktzahlen aber einen zügigeren Zinserhöhungspfad der Fed ableitet, liegt vermutlich falsch. Die US-Notenbank wird weiterhin vorsichtig vorgehen. Die Arbeitsmarktzahl ist nicht mehr die alleinige Entscheidungsgröße der Washingtoner Währungshüter.

Es gilt zu bedenken: Der Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal dürfte nicht besonders hoch ausfallen. Darüber hinaus deutet auch einiges darauf hin, dass die guten Konjunkturvorlaufindikatoren in den kommenden Monaten einen Dämpfer erleiden werden. Die fast schon übervorsichtige Janet Yellen könnte sich damit wieder aus dem Konzept bringen lassen. Aus unserer Sicht sind drei Zinsschritte im laufenden Jahr drin, mehr aber nicht.

Ralf Umlauf, Helaba

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin solide und steht der avisierten Zinserhöhung seitens der Fed in der kommenden Woche nicht entgegen. Die Lohnentwicklung weist aber darauf hin, dass die bereits erhöhten Zinserwartungen korrekturanfällig sind, denn noch immer ist der Lohndruck als moderat zu bezeichnen.

Seit der Anhebung im Dezember liegt der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld in der Spanne zwischen 0,5 und 0,75 Prozent. Der Euro legte nach den Arbeitsmarktdaten zum Dollar zu. Vor der Börseneröffnung an der Wall Street zeichneten sich anziehende Kurse ab. „Eine Zinserhöhung in der kommenden Woche ist praktisch besiegelt“, sagt Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein voraus.

Fed-Chefin Janet Yellen hatte einen brummenden Arbeitsmarkt als Bedingung für eine geldpolitische Straffung genannt. Begünstigt von der milden Witterung entstanden allein am Bau insgesamt 58.000 neue Stellen und damit so viele wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Der seit Januar regierende Präsident Donald Trump will die florierende Konjunktur mit Steuersenkungen und Investitionen noch stärker ankurbeln, was das Risiko einer Überhitzung der Wirtschaft birgt. Zudem hat er versprochen, der „größte Job-produzierende Präsident“ seines Landes zu werden, „den Gott je geschaffen hat“. Tatsächlich trug der Staat im Februar zum Boom bei: Es entstanden 8000 Stellen.

Zuletzt war die Inflation noch etwas unter der von der Fed angepeilten Marke von 2,0 Prozent geblieben. Yellen dürfte daher mit Erleichterung registrieren, dass die Stundenlöhne anzogen – und zwar im Durchschnitt um 0,2 Prozent. Die Fed will erreichen, dass sich der Aufschwung auf dem Gehaltszettel der Bürger bemerkbar macht und die Inflation ansteigt.

Von

rtr

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10.03.2017, 17:08 Uhr

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