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30.01.2011

13:36 Uhr

Geldpolitik

Verliert die EZB wegen der Inflation die Nerven?

Soviel ist schon heute klar: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihren Leitzins nicht am Donnerstag erhöhen. Doch wie lange die Frankfurter Notenbanker den Geschäftsbanken in den 17 Ländern der Währungsunion noch Geld zum Niedrigstzins von einem Prozent geben, ist so unklar wie lange nicht mehr.

EZB-Tower in Frankfurt: Geldpolitik im Fokus. Quelle: dpa

EZB-Tower in Frankfurt: Geldpolitik im Fokus.

HB FRANKFURT. Seit sich das Schreckgespenst der Währungshüter, die Inflation, nach krisenbedingter zweijähriger Pause zurückgemeldet hat, ist in der Welt der Euro-Geldpolitik nichts mehr so wie es noch vor kurzem schien - erst recht, nachdem EZB-Präsident Jean-Claude Trichet Mitte Januar mit einem Paukenschlag die Spekulationen auf eine frühere Zinserhöhung als bislang erwartet angeheizt hat.

Am 13. Januar erwischte Trichet sein Publikum auf dem völlig falschen Fuß, als er erklärte, der Leitzins sei „noch angemessen“, auf kurze Sicht drohe aber ein steigender Teuerungsdruck, dem sich die EZB falls nötig entgegenstemmen werde. Mit anderen Worten: Die Notenbanker haben begonnen, ihre in der Krise beiseite gelegte, aber eigentlich wirkungsvollste Waffe wieder zu schärfen. Doch der Leitzins ist ein zweischneidiges Schwert im wahrsten Sinn des Wortes. Eine Zinserhöhung kann zwar die Teuerung eindämmen, doch zugleich auch das Wirtschaftswachstum abwürgen.

Lässt man Europas derzeitige Konjunkturlokomotive Deutschland außer Acht, ist das Wachstum jedoch in vielen Euro-Ländern und vor allem in den überschuldeten Staaten noch ein ganzes Stück vom Vorkrisenniveau entfernt. Zudem sind weiter viele Banken von der billigen Refinanzierung durch die Notenbank abhängig und können Zinserhöhungen womöglich nicht verkraften.

Weder Trichet noch andere Top-Notenbanker wie der deutsche EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, sein italienischer Kollege Lorenzo Bini Smaghi im EZB-Direktorium oder Bundesbank-Chef Axel Weber wollen zwar schnell an der Zinsschraube drehen. Doch sie werden nicht müde, über die Gefahren der vom Weltmarkt auf die Euro-Zone überschwappenden Teuerung von Energie und Lebensmittel zu reden - immer mit dem Zusatz: Wahrscheinlich beruhigt sich die Lage bereits vor dem Sommer wieder.

Und wenn nicht? Könnte der Fall eintreten, dass die Notenbanker bei einem länger andauernden und höheren Anstieg der Teuerung in den nächsten Monaten doch die Nerven verlieren? Und wenn ja, wann? EZB- und Geldpolitik-Experte Michael Schubert von der Commerzbank versucht eine Antwort: „Trichet war nach der Zinsentscheidung im Januar so deutlich und hat sich bei der Pressekonferenz nach der Ratssitzung gleich drei Mal auf die letzte, ebenfalls mit der Teuerung bei Energie und Lebensmitteln begründeten Zinserhöhung im Juli 2008 bezogen. Dann muss man, wenn man irgendwann zu der Einschätzung gelangt, dass Gefahr für die längerfristigen Inflationserwartungen droht, auch beißen und nicht nur bellen!“

Kommentare (7)

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Zils, Adolf

30.01.2011, 15:29 Uhr

jetzt hat sich der Aufschwung noch nicht gefestigt und schon wird wieder spekuliert. Meines Wissens nach floriert eine Volkswirtschaft, wenn inflation da ist. Daher warten wirs doch erst mal ab bis das der Funken auf ganz Euro übergesprungen ist. Ständig diese Panikmache ist ja schrecklich. Mit freundlichen Grüßen Adolf Zils

Dummschule Deutschland

30.01.2011, 15:38 Uhr

das wird noch lustig,
die Fed kann mittlerweile schalten und walten wie sie möchte.
im Moment kann sie dem Markt jede Leiche (schlechte Wirtsdchtsdaten) aus ihrem keller präsentieren, den sie möchte.
Ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, wie aktuell zu sehen.
Denn dieser Witz von Währung und dem dazugehörigem Wirtschaftsraum (Euroraum) kann selbst dem Dollar nicht mal mehr gefährlich werden.
Ganz im Gegenteil, die Fed versucht dadurch, daß sie den Dollar weiter schwächt, dem Euro den Gnadenstoß zu ersparen. Mal sehen ob das gelingt.

interessant wird es dann, wenn weltweit die Zinsanhebungsphase ausgerufen wird, was eigentlich schon passiert ist, und diese beiden schwachmaten Währungen auf den anderen Rücksicht nehmen müssend, sich an Zinsanhebungen nicht beteiligen können.

Aus zwei blinden wird nun mal kein Einäugiger, noch so sehr sie sich anstrengen !

wolf54321

30.01.2011, 15:51 Uhr

"trotz Schuldenkrise und anhaltender bankenprobleme hat die Notenbank den Auftrag für stabile Preise zu sorgen"

Es scheinen also immer noch Leute zu glauben, man könne mit Zinserhöhungen - und das zu Lasten der gesamten Wirtschaft - den Preisanstieg effektiv eindämmen. Wie wäre es mit mehr Wettbewerb, z.b. bei Stromanbietern und anderen Energielieferanten? Oder mit geringeren Steuern? Nicht finanzierbar? Allein in Deutschland werden jährlich 30 Mrd. Euro Sozialleistungen an Gruppierungen ausgegeben, die in anderen Ländern, wie Kanada oder Australien keinen Cent bekämen.

Dazu passt der Titel des meistverkauften buches der Nachkriegsgeschichte.

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