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19.08.2013

12:36 Uhr

Geldschwemme

Bundesbank warnt vor Strohfeuer in Japan

Die ultra-lockere Geldpolitik wird der japanischen Wirtschaft nur kurzfristig helfen, befürchtet die Bundesbank. Langfristig rechnet sie mit negativen Folgen – vor allem für die Inflation.

Bundesbank-Chef Jens Weidmann: In ihrem Monatsbericht warnen die Frankfurter Notenbanker vor dem wirtschaftlichen Experiment in Japan. Reuters

Bundesbank-Chef Jens Weidmann: In ihrem Monatsbericht warnen die Frankfurter Notenbanker vor dem wirtschaftlichen Experiment in Japan.

BerlinDie aggressive Geldpolitik in Japan wird nach Einschätzung der Bundesbank auf mittlere Sicht zur Belastung für die Wirtschaft des Fernost-Landes. Die von Regierungschef Shinzo Abe angestoßene Neuausrichtung werde die Wirtschaft voraussichtlich nur vorübergehend stimulieren, konstatiert die deutsche Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht.

Auf der Basis von Modellrechnungen kommt die Bank zum Schluss, dass die ultra-lockere Geldpolitik und die fiskalpolitischen Konjunkturimpulse nur bis in das nächste Jahr hinein positive Wachstumseffekte liefern werden. „Mittelfristig entpuppt sich diese Entwicklung als konjunkturelles Strohfeuer, dessen Erlöschen die Wirtschaft ab 2015 tendenziell belastet.”

Die „internationalen Ausstrahlwirkungen” der sogenannten „Abenomics” seien jedoch eher gering. „Trotz der starken Yen-Abwertung kommt es weder in Deutschland noch in einem anderen bedeutenden Wirtschaftsraum zu einem deutlichen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion.” Oft stellten sich sogar positive Effekte ein, erklärte die Bundesbank. Einer der Gründe sei, dass der exportdämpfende Wechselkurseffekt zumindest kurzfristig durch eine zunächst anziehende japanische Importnachfrage wettgemacht werde.

Eckpunkte der neuen japanischen Geldpolitik

Festes Inflationsziel

Die Bank von Japan legt sich fest: Innerhalb von zwei Jahren wird sie eine Inflationsrate von zwei Prozent erreichen.

Verdoppelung der Geldbasis

Die Geldbasis soll von jetzt 138 Billionen Yen auf 270 Billionen Yen im Jahr 2014 steigen. Umgerechnet geht es um eine Steigerung von 1,05 Billionen Euro auf 2,05 Billionen Euro.

Kauf von Staatsanleihen

Die Bank von Japan will 77 Prozent des frischen Zentralbankgelds in Staatsanleihen mit langer Laufzeit investieren. Die durchschnittliche Laufzeit ihrer Staatsanleihen soll von drei auf sieben Jahre steigen.

Dauer der Maßnahmen

Die Zentralbank legt sich darauf fest, so lange an der expansiven Geldpolitik festzuhalten, bis sie ihr Inflationsziel erreicht hat.

Aussetzung des Banknoten-Prinzips

Die Bank von Japan setzt zeitweilig das Banknoten-Prinzip außer Kraft, wonach sie nicht den Wert der im Umlauf befindlichen Banknoten überschreiten darf.

Mit Blick auf den starken Einfluss Abes auf die geldpolitische Ausrichtung der japanischen Notenbank warnt die Bundesbank zugleich vor negativen Langzeiteffekten für die Inflationserwartungen: „Wird die Unabhängigkeit einer Notenbank infrage gestellt, kann das dazu führen, dass sich die bestehenden Erwartungsbildungsprozesse zum Beispiel im Hinblick auf die kommende Inflation grundlegend ändern.” Kritiker sehen Abe wegen der von ihm angestoßenen ultralockeren Geldpolitik der Notenbank als Währungsmanipulator, da die Geldschwemme den Yen-Kurs drückt und japanischen Firmen dadurch im Ausland Wettbewerbsvorteile verschafft.

Von

rtr

Kommentare (2)

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azaziel

19.08.2013, 14:07 Uhr

Flutet eine Notenbank die Maerkte mit Liquiditaet hat das sehr wohl einen Einfluss auf andere Laender. Markteilnehmer koennen sich zum Beispiel niedrig verzinsliche Yen leihen und sie in Brasilien investieren. Das laesst den Yen sinken, den Real steigen. Gleichzeitig treibt die Investition die Preise in Brasilien, abhaengig von der Art der Investition (z.B. Immobilien).

Die Geldschwemme der FED liess weltweit das Zinsniveau absinken. Unterdessen ist ein Ansteigen der Inflation ausgeblieben, weil das Geld auf der ganzen Welt versickert ohne die Konsumenten des eigenen Landes zu erreichen. Alle Laender der Welt werden ueber kurz oder lang versuchen muessen sich gegen wechselkurstreibende auslaendische Geldvermehrung abzusichern. Das geht nur mit Devisenkontrollen oder aber – mit eigener Geldvermehrung. Das ist dann der von einigen Kommentatoren beschworene Waehrungskrieg.

Setzt die Inflation aber erst einmal ein, kann man sie kaum durch die Rueckfuehrung eigener Geldschoepfung wieder unter Kontrolle bringen. Es wird immer wieder Liquiditaet aus dem Ausland nachsickern.

Und so werden wir beobachten koennen, wie die gegenwaertige Politik ins Chaos fuehrt, ohne dass irgendwer etwas dagegen tun kann.

merdique

19.08.2013, 15:35 Uhr

Das ganze EURO-Desaster ist ein Strohfeuer aus dem größenwahnsinnigen Hirngespinst der ideologisch der Finanzelite ergebenen Politiker.

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