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10.04.2013

06:57 Uhr

George Soros

„Nehmt Euro-Bonds oder tretet aus“

VonJan Mallien

In einer Rede in Frankfurt appelliert Star-Investor Soros an Kanzlerin Merkel. Nur Deutschland könne den Euro retten. Dafür müsse es sich zwischen zwei Alternativen entscheiden – und dürfe nicht weitermachen wie bisher.

Vortrag in Frankfurt

Soros fordert Eurobonds

Vortrag in Frankfurt: Soros fordert Eurobonds

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FrankfurtBevor Hedgefonds-Legende George Soros seine Rede beginnt, haben die Organisatoren Musik aufgelegt. Sie ist harmonisch und langsam, so als ob sie die Gemüter beruhigen sollte. Das ist keine schlechte Idee, wie sich später herausstellt. Denn das, was Soros vor 1200 Zuhörern im vollbesetzten Hörsaal der Frankfurter Goethe-Uni vorträgt, kommt in Deutschland garantiert nicht gut an.

Dennoch hat er den Ort mit Bedacht gewählt. Deutschland sei auf dem Fahrersitz, ob es wolle oder nicht. Es sei das einzige Land, das die Euro-Krise lösen könne, sagt er. Es müsse sich nur endlich entscheiden, was es wolle. Soros sieht nur zwei Alternativen: „Entweder Deutschland akzeptiert Euro-Bonds oder es tritt aus dem Euro aus.“

George Soros: Zwischen Großzügigkeit und Größenwahn

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Der Milliardär kämpft für die Rettung des Euro und für sein eigenes Ego.

Er persönlich präferiere die erste Variante, sagt Soros. Wichtig sei aber vor allem, dass sich Deutschland endlich entscheide. Es könne einfach nicht so weitermachen, wie bisher. Es mache gerade so viele Zugeständnisse, wie zum Überleben des Euro nötig seien. Diese Strategie werde die EU zerstören. „Das könnte schon im nächsten Jahr passieren. Wenn nicht, dann vielleicht in zwanzig Jahren.“

Diese Aktien hat Soros im Depot

Wal Mart

Anzahl der Aktien: 4,83 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 0,1 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 4,9 Prozent

Adecoagro

Anzahl der Aktien: 25,39 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 21,1 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 3,4 Prozent

General Electric

Anzahl der Aktien: 8,58 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 0,1 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 2,6 Prozent

Westport Innovations

Anzahl der Aktien: 4,13 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 7,5 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 2,2 Prozent

NetApp

Anzahl der Aktien: 4,48 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 1,2 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 2,1 Prozent

SPDR Gold Trust

Anzahl der Anteile: 884.400

Anteil am gesamten Fonds: 0,2 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 2 Prozent

Charter Communications

Anzahl der Aktien: 1,88 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 1,9 Prozent

Anteil in Soros Portfolio: 1,9 Prozent

Der Star-Investor hat sich schon häufig sehr pessimistisch über die Zukunft des Euro geäußert. Auf dem Höhepunkt der Euro-Krise im Sommer 2012 gab er der Gemeinschaftswährung nur noch drei Monate zum Überleben. Schon damals sagte er: Nur Deutschland kann den Euro retten. Wenig später stellte sich Kanzlerin Merkel gegen Bundesbank-Chef Weidmann und gab EZB-Chef Draghi Rückendeckung für den möglichen Kauf von Anleihen der Krisenländer.

EZB-Anleihe-Programm zur Lösung der Euro-Krise

Mehr Transparenz

Die EZB hatte im Mai 2010 nach einem Wochenende hektischer Rettungsaktionen der Euro-Staaten für Griechenland spontan ein Anleihekaufprogramm beschlossen. Die Konditionen des „Securities Market Programme (SMP)“ blieben weitgehend im Dunkeln. Die EZB gab lediglich im Nachhinein wöchentlich bekannt, welche Summen an Staatspapieren aus dem Markt genommen wurden, ohne dabei die Länder zu nennen. Zu beobachten war im Handel aber, dass die Zentralbank zunächst Griechenland und dann Irland und Portugal stützte, die unter den Rettungsschirm EFSF geschlüpft waren. Im Sommer 2011 folgten Spanien und Italien. Das Interventionsvolumen von SMP beläuft sich auf 209 Milliarden Euro.

Verzicht auf Limits

So wie unter dem alten Programm nennt die EZB unter dem neuen Plan namens OMT („Outright Monetary Transactions“) vorab keine Summe über mögliche Anleihekäufe. Mit dem Verzicht auf ein Limit signalisiert die Zentralbank, dass sie einen langen Atem hat. Die Notenbank will sich bei den Laufzeiten der betroffenen Staatspapiere auf eine Spanne von einem Jahr bis drei Jahren beschränken. Begründet wird das mit dem Ziel des Programms: Der EZB geht es nicht darum, die Anleihezinsen zu drücken, um den Regierungen die Staatsfinanzierung zu verbilligen.

Niedrige Zinsen kommen nicht beim Verbraucher an

Sie begründet ihr Eingreifen damit, dass die hohen Zinsen auf Staatspapiere indirekt die Kreditzinsen für die Verbraucher nach oben treiben. Der rekordtiefe Leitzins der Notenbank von 0,75 Prozent komme bei den Bankkunden nicht an. Die Übertragung der auf stabile Preise zielenden Geldpolitik sei damit gestört. Als Zeitraum für das Durchwirken der Leitzinsen auf die Marktzinsen veranschlagt die Zentralbank etwa drei Jahre.

Keine Hilfe ohne Spar- und Reformprogramm

Als Lehre aus der Hilfsaktion für Italien will die EZB in Zukunft nur den Ländern unter die Arme greifen, die den Rettungsfonds EFSF und seinen Nachfolger ESM um Hilfe bitten. Es kann sich dabei um ein umfangreiches Hilfsprogramm zu Staatsfinanzierung handeln oder um vorbeugende Kreditlinien bei ersten Finanzierungsengpässen. Die Regierungen müssen sich als Gegenleistung zu einem strikten Spar- und Reformprogramm verpflichten. Im vergangenen Jahr hatte die italienische Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi die Reformbemühungen gedrosselt, als die Zinsen dank EZB-Anleihekäufen sanken. Die EZB wird künftig im Nachhinein bekanntgeben, von welchen Ländern sie Staatsanleihen gekauft hat.

EZB verzichtet auf Privilegien

Bisher genoss die EZB einen bevorzugten Gläubigerstatus. Damit würde die Notenbank bei einem Ausfall von Anleihen entschädigt, während viele Privatanleger Verluste hinnehmen müssen. Das wirkt abschreckend auf private Anleihekäufer und erschwert die angestrebte Entspannung bei den Zinsen. Die EZB will deshalb künftig auf das Privileg verzichten. Sie muss deshalb so wie die beteiligten nationalen Notenbanken im Pleitefall Verluste hinnehmen.

Inflationsbremse bleibt angezogen

Wie bisher will die EZB verhindern, dass durch den Aufkauf von Staatsanleihen die Geldmenge wächst, weil den bisherigen Besitzern der Anleihen frisches Geld zufließt. Die Notenbank erreicht das, indem sie die Anleihekäufe neutralisiert. Über ihre Geldmarktgeschäfte entzieht die EZB den Banken das Geld, das sie zuvor für Staatsanleihen neu geschaffen hat.

In seiner Rede in Frankfurt geht Soros noch weiter als zuvor. Er setzt bei dem aus seiner Sicht größten Konstruktionsfehler des Euro an. Dieser bestehe darin, dass die Währungsunion das Risiko von Staatspleiten zugelassen habe. Andere Industrieländer mit einer eigenen Zentralbank wie Japan oder die USA hätten dieses Problem nicht. Bei ihnen könne die Zentralbank im Notfall immer frisches Geld drucken, um die Staatsschulden abzuzahlen. Die Euro-Länder hätten hingegen mit der Währungsunion ihre eigenständigen Zentralbanken aufgegeben. Daher gebe es für sie diese Möglichkeit nicht mehr. „Der Euro hat die Peripherieländer zu Dritte-Welt-Ländern gemacht.“

Kommentare (139)

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10.04.2013, 07:17 Uhr

Allein die tatsache, daß Soros den ersten Weg favoritisiert (anweist) spricht dafür, den zweiten zu wählen.
Das wäre ein Schlag gegegen die Finanzverbrecher - und deshalb werden sie ihn nicht zulassen!

Account gelöscht!

10.04.2013, 07:27 Uhr

Denn das, was Soros vor 1200 Zuhörern im vollbesetzten Hörsaal der Frankfurter Goethe-Uni vorträgt, kommt in Deutschland garantiert nicht gut an.

Wieso sollte die Wahrheit in Deutschland nicht gut ankommen?
Soros versucht noch nicht einmal zu verbergen,welchen Weg er favorisiert.Der wäre natürlich zu seinem Vorteil.
Der Mann hat recht und er ist ehrlich.Deutschland muß aus dem Euro raus,sonst gibt es eine Kantastrophe.

Account gelöscht!

10.04.2013, 07:35 Uhr

Ist diese Rede womöglich der Grund für das "Umfrageergebnis" gestern, dass plötzlich eine überwältigende Mehrheit der Deutschen die Währung Euro so toll findet?

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