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15.04.2011

06:00 Uhr

Gertrude Tumpel-Gugerell

„Es geht ohne Umschuldung“

VonMarietta Kurm-Engels

Ganz Europa redet über eine Umschuldung der griechischen Staatsschulden. Im Interview verrät Gertrude Tumpel-Gugerell, langjähriges Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, warum es auch ohne gehen könnte.

Gertrude Tumpel-Gugerell, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, spricht im Handelsblatt-Interview über die Griechenland-Krise. Quelle: Andreas Reeg für Handelsblatt

Gertrude Tumpel-Gugerell, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, spricht im Handelsblatt-Interview über die Griechenland-Krise.

Handelsblatt: Frau Tumpel-Gugerell, Sie scheiden Ende Mai  aus der EZB aus. Hat sie sich gegenüber Ihrem Einstieg 2003 sehr verändert?

Gertrude Tumpel-Gugerell: Anders ist, dass Notenbankpolitik viel sichtbarer geworden ist und auch viel mehr öffentlich wahrgenommen wird als früher. Unser Handeln und dessen Wirkungen sind viel mehr Menschen bewusst.

Hat sich auch die  Politik der EZB verändert?

In der Geldpolitik wurden in der Krise zusätzliche „unkonventionelle Maßnahmen“ ergriffen, etwa zur Liquiditätsversorgung der Banken. Und zu dem sehr klaren Mandat der EZB, Preisstabilität zu gewährleisten, ist ein neuer Auftrag hinzu gekommen, nämlich das viel explizitere Mandat, systemische Risiken des Finanzsystems zu überwachen und Empfehlungen an die Politik zu geben.

 

Seit Mai vorigen Jahres kauft die EZB auch Staatsanleihen. Das ist ihr  als Rechtsbruch ausgelegt worden.

Die Notenbank kann nach Artikel 123 des EU-Vertrags am Sekundärmarkt Staatsanleihen kaufen. Sie darf nur keine Neuemissionen erwerben, denn das wäre direkte Staatsfinanzierung. Wir haben uns den Schritt, Staatsanleihen zu kaufen,  sehr genau überlegt. Wir waren damals sehr nah am Marktgeschehen. Wir konnten genau beurteilen, wie angespannt die Stimmung  war, nicht nur in Europa, sondern auch global. Wir haben die Situation so eingeschätzt, dass etwas unternommen werden musste, nicht zuletzt um Spannungen in einigen Marktsegmenten entgegenzuwirken, die auch die effektive Durchführung von Geldpolitik beeinträchtigt hätten. Wir haben diesen Schritt autonom gesetzt, und ich bin nach wie vor der Meinung, er war richtig.

 

Ökonomisch war aber doch die Wirkung gleich, egal ob Sie am Sekundärmarkt oder Neuemissionen gekauft hätten.

Nein, es gibt einen wesentlichen Unterschied. Bei dem Kauf von Neuemissionen fließt Geld direkt in den entsprechenden öffentlichen Haushalt. Im Gegensatz dazu bedeutet ein Kauf am Sekundärmarkt, dass der Staat in der Vergangenheit bereits einen Käufer für seine Schuldtitel gefunden hatte. Es fließt also kein Geld von der Zentralbank an den öffentlichen Haushalt, sondern an andere Marktteilnehmer, die dieses Geld für andere Zwecke nutzen können. Damit erhöht der Kauf von Staatsanleihen am Sekundärmarkt lediglich deren Nachfrage und das wirkt sich auf den Marktpreis der Anleihe aus. Viele Notenbanken haben solche Operationen in der Vergangenheit getätigt. Wenn die Operationen außerdem noch sterilisiert werden, das Geld also wieder abgezogen wird – so wie die EZB es macht - hat dies auch keinen Liquiditätseffekt.

 

Also kein Rechtsbruch?

Noch mal, wenn es einen Rechtsrahmen gibt und wir uns innerhalb dieses Rechtsrahmens bewegen, kann es keinen Rechtsbruch geben.  

 

Volkswirte glauben, dass die EZB durch den Ankauf der Staatstitel enorme Risiken  eingegangen ist und gemessen an den Marktkursen, die die Rückzahlungserwartungen widerspiegeln, schon erhebliche Verluste erlitten hat.

Wir haben keine Verluste erlitten. Wir halten die Papiere bis zur Fälligkeit. 

Kommentare (1)

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Rainer_J

15.04.2011, 21:53 Uhr

Zitat:"Ich überlege noch, was ich nachher mache. Fürs Rosenzüchten ist es vielleicht noch zu früh. "

Wie wäre es mit 25 Jahre Gefängnis?

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