Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.11.2011

10:10 Uhr

Geschäftseinbußen

Deutsche Dienstleister sind pessimistisch

Auch wenn der Markit-Index im Oktober gestiegen ist, blicken deutsche Firmen skeptisch nach vorn. Die weltweite Konjunkturerlahmung beschleunigt vor allem in der gesamten Euro-Zone die Talfahrt der Dienstleister.

Nachlassende Aufträge sind Grund für Pessimismus. dapd

Nachlassende Aufträge sind Grund für Pessimismus.

BerlinDie deutschen Dienstleister stellen sich auf schwierige Zeiten ein. Im Oktober schätzten sie ihre Aussichten für die kommenden zwölf Monate so schlecht ein wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr, teilte das Markit-Institut zu seiner Umfrage unter 500 Unternehmen mit. „Schlechter war der Ausblick zuletzt zum Höhepunkt der Rezession Anfang 2009 ausgefallen“, sagte Markit-Ökonom Tim Moore. Mehr als jeder vierte Dienstleister befürchtet Geschäftseinbußen, während nur 15 Prozent von Zuwächsen ausgehen.

Wie Europas Regierungen unter Druck geraten

Italien

Regierungschef Silvio Berlusconi kämpft um sein politisches Überleben. Nach unbestätigten Medienberichten soll er seinen baldigen Rückzug. Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy erwarten verbindliche Zusagen für den Abbau der horrenden italienischen Staatsschulden.

Frankreich

Ein halbes Jahr vor der Präsidentschaftswahl 2012 ist die Krise für Staatschef Nicolas Sarkozy eine schwere Belastung. Mehr als die Hälfte der Franzosen hat starke Zweifel am Kurs des 56-Jährigen.

Spanien

Die Krise dürfte zu einem Machtwechsel führen. Bei den vorgezogenen Wahlen am 20. November droht den regierenden Sozialisten ein Debakel. Die Konservativen können auf eine absolute Mehrheit hoffen.

Portugal

Die sozialistische Regierung von José Sócrates ist angesichts der schweren Wirtschaftskrise im Juni abgewählt worden. Auch die neue liberal-konservative Regierung unter Ministerpräsident Pedro Passos Coelho steht schon mächtig unter Druck. Kritiker werfen ihr vor, bei den Sanierungsmaßnahmen den Bogen zu überspannen.

Großbritannien

Die Bankenrettung von 2008 hat Großbritannien in eine schwere Schuldenkrise gestürzt. Premierminister David Cameron reagierte mit einer massiven Sparpolitik. Unter anderem opferte er zehntausende Jobs. Gewerkschaften und Opposition laufen Sturm.

Irland

In Irland hat die Schuldenkrise im vorigen Jahr Premierminister Brian Cowen das Amt gekostet. Mit seinem Finanzminister Brian Lenihan drückte er aber noch einen Sparhaushalt durch. Der neue Premier Enda Kenny hält den Sparkurs strikt ein.

Finnland

Die Eurokrise hat den Rechtspopulisten („Wahre Finnen“) einen strahlenden Wahlsieg beschert: Sie konnten im April ihren Stimmenanteil auf fast 20 Prozent vervierfachen.

Slowakei

Der Streit um die Euro-Rettung hat einen innenpolitischen Scherbenhaufen hinterlassen. Die christlich-liberale Premierministerin Iveta Radicova hatte die erste Parlamentsabstimmung am 11. Oktober über eine Ausweitung des EFSF mit der Vertrauensfrage verknüpft und verloren.

Slowenien

Die Regierung ist gestürzt, weil sie die rasant steigende Verschuldung nicht eindämmen konnte. Am 4. Dezember soll neu gewählt werden.

Rumänien

Die bürgerliche Regierung hat wegen der Krise stetig an Popularität eingebüßt. Die 2012 anstehende Parlamentswahl dürfte sie verlieren. Wahlkampfgeschenke soll es angeblich keine geben, stattdessen aber weitere Sparmaßnahmen.

Ein Grund für den Pessimismus sind die nachlassenden Aufträge: Das Bestellungen gingen bereits den dritten Monat in Folge zurück. „Je länger der Abwärtstrend beim Neugeschäft anhält, umso wahrscheinlicher wird es, dass auf die annähernde Stagnation im Oktober eine tatsächliche Rezession folgt“, warnte Moore. Auch die Lage gibt wenig Anlass zu Optimismus. Der Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor stieg zwar um 0,9 auf 50,6 Punkte und zeigt mit dem Sprung über die 50-Zähler-Marke wieder Wachstum an. Allerdings war es der zweitschwächste Wert seit Juli 2009. Deshalb wurden so wenig neue Jobs geschaffen wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr.

Die Vermittler von Finanzdienstleistungen bauten sogar Stellen ab. Auch die erfolgsverwöhnte deutsche Industrie ist im Abwind. Deren Einkaufsmanagerindex fiel um 1,2 auf 49,1 Punkte. „Die Produktion wurde erstmals seit Juni 2009 wieder geringfügig eingeschränkt, was einerseits an den hohen Verlusten beim Auftragseingang lag“, schrieben die Forscher. Der Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, sackte

um 0,2 auf 50,3 Zähler.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×