Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.02.2004

11:00 Uhr

Geschäftsklimaindex erstmals seit Frühjahr 2003 wieder gesunken

Ifo-Chef spricht von "kleinem Warnschuss"

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar angesichts der Euro-Stärke überraschend deutlich verschlechtert. Nach einem monatelangen Aufschwung sank der Geschäftsklima-Index von 97,5 auf 96,4 Punkte, teilte das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung am Dienstag in München mit.

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Foto: dpa

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Foto: dpa

HB BERLIN. Zuletzt hatte es im April 2003 einen Rückgang gegeben. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem minimalen Anstieg gerechnet. Die befragten Firmen haben ihre gegenwärtige Lage nur minimal positiver als im Januar beurteilt, blickten jedoch deutlich skeptischer in die Zukunft.

„Der leichte Rückgang des Geschäftsklimas bei einer insgesamt noch unbefriedigenden Lage ist ein kleiner Warnschuss für die Konjunkturentwicklung“, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Umso wichtiger sei es nun, den Investoren Vertrauen in eine Fortsetzung der Reformpolitik zu geben und den Wechselkurs unter Kontrolle zu halten. Die Finanzmärkte reagierten zunächst kaum auf den enttäuschenden Ifo-Wert.

Der Teilindex für die Lagebeurteilung kletterte auf 92,6 von 92,5 Zählern, die Komponente der Zukunftserwartungen sank auf 100,4 von 102,9 Punkten. Die meisten Analysten hatten eine etwas stärkere Verbesserung der gegenwärtigen Lage bei einer geringeren Eintrübung der Zukunftserwartungen erwartet.

Volkswirte führten den Rückgang des Index vor allem auf den starken Euro und den Rücktritt von Bundeskanzler Gerhard Schröder vom SPD-Parteivorsitz zurück. „Das ist eine schlechte Zahl... Die Ursache ist einerseits der Sieg der Anti-Reform-Kräfte über Kanzler Schröder und andererseits die hohe Unsicherheit über den Euro-Dollar-Wechselkurs“, sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management. Auch die jüngste Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hatte eine Eintrübung der Erwartungen signalisiert.

Ralph Solveen von der Commerzbank nannte besonders die Entwicklung der Lage enttäuschend: „Ich hätte erwartet, dass die positive Produktion und die Auftragseingänge eine stärkere Wirkung entfalten.“ In den vergangenen Monaten hatten diese realwirtschaftlichen Daten aus der Industrie den Beginn eines Aufschwunges signalisiert. Manfred Kurz von der Bayerischen Landesbank nahm den Rückgang etwas gelassener: „Wir müssen uns damit vertraut machen, dass wir nicht vor einem Aufschwung oder Boom stehen, sondern allenfalls vor einer konjunkturellen Erholung.“

Die Mehrzahl der Ökonomen erwartet wie die Bundesregierung, dass die deutsche Wirtschaft nach drei Jahren der annähernden Stagnation 2004 wieder mit 1,5 bis 2,0 % wachsen kann.

Bisher hatte das Ifo seinen Index getrennt für West- und Ostdeutschland ausgewiesen, wobei der westdeutsche Index maßgeblich für die Konjunktureinschätzung der Finanzmärkte war. Ab diesem Monat meldet das Institut den Index für Gesamtdeutschland.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×