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17.12.2015

15:08 Uhr

Geschäftsklimaindex

Stimmung in deutscher Wirtschaft trübt sich etwas ein

VW-Skandal, wachsende Terrorgefahr, sinkende Exporte: Deutsche Manager blicken derzeit überraschend pessimistisch in die Zukunft. Das verwundert Experten: Eigentlich seien die Aussichten gar nicht so schlecht.

China, Brasilien, Russland: In wichtigen Exportmärkten Deutschlands herrscht Krise. dpa

Sinkende Exporte

China, Brasilien, Russland: In wichtigen Exportmärkten Deutschlands herrscht Krise.

Berlin/MünchenDie Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen hat sich im Dezember überraschend eingetrübt. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel um 0,3 auf 108,7 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem unveränderten Wert gerechnet. Die Firmenchefs beurteilten die Lage schlechter, während die Aussichten für das erste Halbjahr 2016 unverändert eingeschätzt wurden.

„Möglicherweise lasten Terror und Flüchtlingskrise doch etwas stärker auf der Stimmung als gedacht“, sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. In den wichtigen Branchen fielen die Ergebnisse allerdings sehr unterschiedlich aus. Im Baugewerbe sowie besonders im Groß- und Einzelhandel trübte sich die Stimmung ein. „Vermutlich wegen des warmen Wetters waren die Einzelhändler etwas weniger zufrieden mit ihrer Lage“, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zum laufenden Weihnachtsgeschäft. In der Industrie besserte sich das Klima dagegen, weil die Unternehmen optimistisch auf die kommenden sechs Monate blicken. Bei den Dienstleistern ist die Stimmung sogar gut wie nie.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Experten halten den unerwarteten Rückgang nicht für einen Beinbruch. „Das ist ein harmloser Rücksetzer auf hohem Niveau“, sagte der Europa-Chefvolkswirt der Nordea Bank, Holger Sandte. Die deutsche Wirtschaft könne 2016 zwischen 1,5 und 2,0 Prozent wachsen, die Beschäftigung werde steigen. „Viele Länder würden sich solche Aussichten wünschen“, so Sandte.

Sinkende Exporte nach China schürten zuletzt Sorgen vor einem Dämpfer für die exportabhängige deutsche Wirtschaft, zumal auch andere große Schwellenländer wie Brasilien und Russland in Schwierigkeiten stecken. Auch der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte sorgt für Verunsicherung, ebenso die gewachsene Terrorgefahr.

Von

rtr

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