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29.10.2012

15:44 Uhr

Gewinne trotz Euro-Krise

Überflieger Deutschland

Es ist fast unheimlich: Deutschland hat sich vom Rest Europas abgekoppelt wie lange nicht mehr. Südeuropa steckt in der Rezession, deutsche Unternehmen machen trotz der Krise gute Geschäfte. Wie lang kann das gut gehen?

Die Stimmung in der deutschen Industrie ist besser als die im Rest Europas. obs

Die Stimmung in der deutschen Industrie ist besser als die im Rest Europas.

Düsseldorf/BerlinIm Kreise der Euro-Finanzminister dürfte Wolfgang Schäuble viele Neider haben. Nirgendwo sonst in der Euro-Zone sprudeln die Steuereinnahmen derzeit so kräftig wie in Deutschland. Wenn sich heute die Fachleute aus Bund, Ländern, Gemeinden und Wissenschaft treffen, um die Steuereinnahmen der öffentlichen Hand zu prognostizieren, haben sie gute Nachrichten im Gepäck. Wie aus der Vorlage für die Steuerschätzung hervorgeht, dürfen Bund, Länder und Gemeinden mit zusätzlichen Einnahmen von sechs bis sieben Milliarden Euro rechnen. Und nicht nur das: Bis zum Jahr 2017 könnten die Steuereinnahmen des Staates sogar um rund 100 Milliarden Euro steigen. Das geht nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus der Schätzvorlage des Bundes für die Beratungen der Steuerschätzer hervor, die am Montag in Frankfurt/Main begonnen haben.

Deutschland ist in Europa eine Oase. Denn für die meisten Staaten in Europa ist das Jahr 2012 ein Krisenjahr. Der Süden des Kontinents steckt tief in der Rezession, Massenarbeitslosigkeit breitet sich aus, die Banken hängen am Tropf der Europäischen Zentralbank, und die Unternehmen kommen nur noch schwer an Kredite.

In Deutschland dagegen blühen Branchen wie der Maschinen- und Anlagenbau. Die Beschäftigung hat in diesem Jahr ein Rekordniveau erreicht. Und die Ausfuhren sind auf Rekordkurs. Von Januar bis August lieferten hiesige Exporteure Waren für 734 Milliarden Euro ins Ausland - 5,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Deutsche Firmen trotzen dem Abschwung in Europa, weil sie bis tief in den Mittelstand hinein die Wachstumsmärkte in Asien, Afrika und Lateinamerika erobern.

Ist der dunkle Schatten der Euro-Krise erst wieder verflogen, trauen Ökonomen Deutschland sogar wieder Wachstumsraten von drei Prozent und mehr zu.

Aktuell könnten die Kontraste innerhalb der Euro-Zone nicht größer sein: Die Arbeitslosenquote in Griechenland und Spanien ist auf 19,7 beziehungsweise 24,4 Prozent gestiegen, in Deutschland auf 5,5 Prozent gesunken. Es herrscht Fachkräftemangel, jeder zwölfte Betrieb konnte zuletzt freie Stellen nicht besetzen. Die deutsche Wirtschaft ist nach Schätzung der Bundesregierung im dritten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen, während die spanische um 0,4 Prozent schrumpfte. Der Umsatz im deutschen Einzelhandel schrumpfte zuletzt um 0,8 Prozent, in Spanien aber um 7,4 und in Griechenland um 9,1 Prozent.

Die weltweit besten Industriestandorte

Platz 1

Die USA behaupten sich im IQ-Index auf dem ersten Rang. Dort waren die Vereinigten Staaten bereits 1995 zu finden.

Platz 2

Im Vergleich von 45 Industrienationen belegt Schweden den zweiten Rang. Seit 1995 hat sich Schweden damit um zwei Plätze verbessert.

Platz 3

Dänemark macht zwei Plätze gut und springt auf Rang 3. Skandinavien macht derzeit wirtschaftlich eine gute Figur.

Platz 4

Auch Deutschlands Nachbar Schweiz schafft es auf einen der vorderen Plätze – 1995 stand die Alpenrepublik noch auf Rang 7.

Platz 5

Deutschland macht den größten Sprung bei den Top-Industrienationen. 1995 sah das IW-Institut die Bundesrepublik noch auf Platz 14.

Platz 6

Knapp hinter Deutschland folgt Australien auf Platz 6 – sogar mit dem gleichen Indexwert aus den 58 einzelnen Kategorien.

Platz 7

Platz 7 geht an die Niederlande – damit verschlechtert sich unser Nachbar deutlich. Die Holländer lagen 1995 noch an zweiter Stelle des IW-Rankings.

Platz 8

Auch Kanada muss einen Rückschlag hinnehmen. Der nordische Nachbar der USA stürzt um satte fünf Plätze ab.

Zwar drückt die Krise im Süden auch auf die Stimmung der deutschen Unternehmen, wie mehrere vergangene Woche veröffentlichte Konjunkturindikatoren zeigen. So sank der Ifo-Index zum sechsten Mal in Folge - auf glatt 100 Punkte. Das klingt dramatisch, doch damit liegt er nur wenig unter dem langjährigen Durchschnittswert von 100,2. Auch der Einkaufsmanagerindex, der im September gestiegen war, fiel von 49,2 auf 48,1 Punkte geringfügig zurück. "Eintrübung ja, Einbruch nein" - auf diesen Nenner bringt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Lage.

Kommentare (34)

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Binkeingrieche

29.10.2012, 12:42 Uhr

Überflieger Deutschland
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[...]. Ich möchte in keinem anderen Land leben und arbeiten - da pflichtet mir sogar meine chinesische Frau bei, deren Credo auf Deutschland ich mir jede Woche aufs Neue anhören muss. [...]! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

lichtderaufrechten

29.10.2012, 12:53 Uhr

Kunden wenden sich an Deutschland oder investieren
in Deutschland weil Ihnen der alternative Markt in Europa
zu unsicher wird. So zerstören wir im turbotempo unsere Nachbarn, quasi eine Art Blitzkrieg. Am ende stehen wir wieder da wie die Parias, ausgegrenzt und in unserer Arroganz
mit einem Fuss im Abgrund. Auch die unteren Schichten
unsere Gesellschaft mit ihrer Bücklings und Untertanmentalität haben mit ihrem Arschgekrieche
und Billiglohnkriecherei ihren Anteil.
Obwohl uns der Wahnsinn einer Brünings - Sparpolitik am
eigenen Leib in die Hölle gespühlt hat , folgen wir
unterbelichteten Politikern a la Merkel und Schäuble.
Bei beibehalten der Giralgeldwirtschaft werden die Banken
durch Schuldenbremsen sofort zahlungsunfähig.
Eine Alternative kann ohne Enteignung der Reichen und
begrenzung des Eigentums nicht funktionieren.
Bleibt bei dieser politischen Konstruktion nur Krieg
oder Bürgerkrieg (welcher schon angefangen hat) in Europa.

HofmannM

29.10.2012, 13:18 Uhr

Nur auf dem ersten Blick ist Deutschland ein "Überflieger". Wer genauer hinschaut wird sehen, dass die Steuereinnahmen auf Grund von steigenden Strom-Energiepreisen resultiert. Mit der Energiewende bereichern sich nicht nur die EE-Abzocker über das EEG am deutschen Durchschnittsbürger sondern auch der Staat per Stromsteuer und MWST Mehreinnahmen. Weiterhin hat der Staat die falschen Anreize für die erneuerbaren Energien gesetzt. Mit Dauersubventionen und EEG-Zwangsabgabe wurde eine neue Blasenbranche (Erneubaren Enrgien) aufgebaut. Der deutsche Staat subventioniert so zu sagen seinen eigenen Wirtschaftsaufschwung auf den Kosten der zukünftigen Generation. In der Hinsicht macht Deutschland den gleichen Fehler wie es Griechenland,Spanien,Italien usw. gemacht haben. Brechen die Exportarbeitsplätze in Deutschland durch weiter ansteigenden Energiekosten weg, dann wars das mit dem "Überflieger". Künstlich politischer gewollter Aufschwung ist immer zum dauerhauften Absturz verdammt. Die freie Marktwirtschaft lässt sich nicht auf Dauer Subventionieren. Aber genau diesen Fehler hat Deutschland mit der Energiewende und der Euroschuldenbürgschaft für seine Bürger begangen. Die Regierung und alle Bundestagsparteien haben das deutsche soziale Wohlstandssystem für alle Zukunft an die Abzocker dieser Welt verpfändet.

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