Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.06.2012

10:31 Uhr

Gfk-Index steigt überraschend

Der Konsument rettet die Konjunktur

Trotz wachsender Konjunktursorgen steigt die Kauflaune der Deutschen. Ihre persönliche Situation sehen sie positiv. Experten fürchten jedoch eine Eintrübung in den kommenden Monaten. Und die Verbraucher werden kritisch.

Kauflaune der Deutschen steigt

Video: Kauflaune der Deutschen steigt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Berlin/NürnbergDie Eurokrise hat auf die Stimmung der Verbraucher im Juni nur wenig Einfluss genommen. Trotz der wachsenden Furcht vor einem Abschwung steigt die Kauflaune der Deutschen. Ihre Konjunkturerwartungen rutschten im Juni nach einer Serie schlechter Nachrichten aus der Wirtschaft zwar auf ein Jahrestief. Die Verbraucher rechnen aber dennoch mit steigenden Einkommen und wollen mehr Geld für teure Anschaffungen ausgeben. Auch die guten Zahlen vom Arbeitsmarkt helfen. Das für Juli berechnete Konsumklima-Barometer kletterte deshalb überraschend von 5,7 auf 5,8 Punkte, teilten die GfK-Marktforscher zu ihrer Verbraucher-Umfrage mit. Von Reuters befragte Analysten hatten einen Rückgang auf 5,6 Zähler erwartet.

"Die Turbulenzen im Euro-Raum haben dem Konjunkturoptimismus der Verbraucher einen deutlichen Dämpfer gegeben", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Bislang sehen die Bundesbürger jedoch die Gefahren aus dem Ausland offenbar ausschließlich für die Konjunktur generell und weniger für ihre persönliche Situation." Das Barometer für die Konjunkturerwartungen brach um 16,6 auf 3,0 Punkte ein.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Als Grund für das relativ stabile Konsumklima sehen Analysten die niedrige Arbeitslosigkeit. Außerdem ist die Inflation vor allem wegen niedrigerer Energiepreise zuletzt zurückgegangen. "Die Schuldenkrise verunsichert auch die Konsumenten. Sie merken, dass sich das konjunkturelle Umfeld eintrübt," sagte Thomas Amend von HSBC Trinkaus. Das werde sich verzögert auf das Konsumklima auswirken. Es könne gut sein, dass in den kommenden Monaten die Einkommenserwartungen und die Anschaffungsneigung nachlassen. "Das Umfeld für den Konsum bleibt aber gut: Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor sehr robust. Die Lohnabschlüsse sind auch ordentlich. Zudem lässt die Inflation wegen sinkender Energiepreise nach."
Ähnlich sieht das Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Die Lage für die privaten Haushalte bleibt fundamental gut wegen der niedrigen Arbeitslosigkeit. Hinzu kommen noch relativ großzügige Lohnabschlüsse," sagt er. Auch der drastisch gesunkene Ölpreis führe dazu, dass die Verbraucher mehr Geld in der Tasche hätten. "Die Eurokrise wird Investitionen und Exporte im zweiten und dritten Quartal belasten. Aber der Konsum stabilisiert die Wirtschaft. Es wird zu einer Wachstumsdelle kommen im Sommer, die aber durch den robusten Konsum klein ausfallen wird," sagte Schulz.

Den GfK-Zahlen vorausgegangen war eine Serie negativer Nachrichten aus der Wirtschaft: Exporte, Produktion und Industrieaufträge gingen zurück, die ZEW-Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten fielen so stark ein wie seit 1998 nicht mehr, während der Ifo-Index nach zwei Rückgängen in Folge auf dem niedrigsten Wert seit März 2010 liegt. Grund ist neben der schwächeren Weltkonjunktur vor allem die Schuldenkrise, wegen der viele Euro-Länder auch in der Rezession sparen.

Kommentare (43)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

A.Prost

26.06.2012, 09:13 Uhr

"Als Grund für das relativ stabile Konsumklima sehen Analysten die niedrige Arbeitslosigkeit."
Alles Quatsch. Ich zumindest setze gerade meine Ersparnisse in Möbel, Hausrat und ein neues Auto um, bevor unsere Bundesperlmuttmutti sie alternativlos nach Südeuropa tranferieren lässt.

AgainstTheThruth

26.06.2012, 09:24 Uhr

man sollte mal eine statistik bringen, ob es wirklich das gerade eben erarbeitete geld ist, was den konsum ankurbelt oder doch eher spareinlagen sind (wenn sich die spareinlagen insgesamt reduzieren, ist hier wohl eher von angstkäufen auszugehen und nicht von einer konsumaufhellung die rede)

SchwarzerFreitag

26.06.2012, 09:27 Uhr

Lasse mir gerade den Garten umgestalten .Sauteuer und eigentlich unnötig . Raus mit den bunten Scheinchen .

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×