Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.08.2013

08:04 Uhr

GfK Konsumklima

Das Ende der Kauflust?

Zwar schwächelt die Konjunktur, die deutschen Verbraucher haben sich davon jedoch nicht die Konsumlaune verderben lassen - bisher. Doch so rasant wird es wohl nicht weitergehen, glauben Konsumforscher.

Lust am Konsum: Die Deutschen kaufen gern ein - noch. dpa

Lust am Konsum: Die Deutschen kaufen gern ein - noch.

NürnbergKonsumforscher sehen nach einer mehrjährigen Boomphase das Ende der Fahnenstange bei der Kauflust der Deutschen erreicht. „Wir sind bei der Anschaffungsneigung der Verbraucher bereits auf einem sehr hohen Niveau. Da gibt es vielleicht noch ein bisschen Luft nach oben, aber große Sprünge sind da nicht mehr drin“, sagte der Marktforscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), Rolf Bürkl, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Von einer Trendwende zum Negativen könne bei der Konsumstimmung aber auch nicht die Rede sein.

Die Bereitschaft der Verbraucher zu größeren Anschaffungen ist nach Bürkls Angaben seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 kontinuierlich gestiegen. Neben dem seinerzeit erschütterten Vertrauen vieler Verbraucher in die Finanzmärkte hätten auch die niedrigen Sparzinsen dazu geführt, dass Haushalte ihr Geld lieber in Immobilien, Möbel oder Neuwagen steckten als es auf die hohe Kante zu legen. Auch die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt spiele dabei eine Rolle.

Reichsten Euro-Länder nach Nettovermögen

Nettohaushaltsvermögen

Als Haushaltsvermögen gelten alle privaten Besitztümer der Menschen innerhalb eines Haushalts - also Sparbücher, Konten aber auch Lebensversicherungen und vor allem Immobilienvermögen. Die EZB-Studie zeigt nun erstmals, wie das Haushaltsvermögen in den Euro-Staaten aufgeteilt ist. Die Daten stammen aus den Jahren 2008 bis 2010. Nicht einbezogen sind die Euro-Länder Irland und Estland, da die Erhebung der Daten bereits begann, als die beiden Staaten den Euro noch gar nicht eingeführt hatten.

Platz 15: Slowakei

Mit einem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen von nur 79.700 Euro ist die Slowakei das traurige Schlusslicht innerhalb der erhobenen Euro-Länder. Damit hat das kleine Land, das zwischen Polen und Ungarn liegt, in dem zwar 1,4 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone liegen, nur 0,5 Prozent des Vermögens.

Platz 14: Griechenland

Der reiche Grieche ist ein Mythos. Der Großteil der griechischen Haushalte ist arm: Mit nur 147.800 Euro Nettovermögen liegen die griechischen Haushalte weit unter dem Durchschnitt in der Euro-Zone von 230.800 Euro. Obwohl Griechenland drei Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone stellt, besitzen die Menschen dort nur 1,9 Prozent des Vermögens.

Platz 13: Slowenien

In Slowenien liegt das durchschnittliche Nettohaushaltvermögen bei 148.700 Euro und damit nur wenige tausend Euro höher als das der Griechen. Doch Slowenien ist ein kleines Land: Die 0,6 Prozent der Haushalte halten 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

Platz 12: Portugal

Auch im Krisenland Portugal besitzen die Menschen nicht viel, im Durchschnitt 152.900 Euro je Haushalt. Damit besitzen die portugiesischen Haushalte, die 2,8 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone darstellen, nur 1,9 Prozent des Vermögens.

Platz 11: Finnland

161.500 Euro besitzen die finnischen Haushalte im Durchschnitt, damit reicht es im Vergleich unter den Euro-Ländern für Platz Elf. Die Finnen halten mit 1,8 Prozent der europäischen Haushalte 1,3 Prozent des Vermögens.

Platz 10: Niederlande

Auch unsere holländischen Nachbarn liegen unter dem EU-Durchschnitt. 170.200 Euro beträgt dort das durchschnittliche Haushaltsnettovermögen. Damit haben die Niederländer zwar 5,3 Prozent der Haushalte in der Euro-Zone, aber nur 4,0 Prozent des Vermögens.

Platz 9: Deutschland

Für Deutschland, stärkste wirtschaftliche Kraft innerhalb der Euro-Zone, reicht es im Vergleich der Haushaltsvermögen nur für Platz Neun: Durchschnittlich 195.200 Euro besitzen die deutschen Haushalte - und liegen damit unter dem Euro-Zonen-Durchschnitt von 230.800 Euro. 28,7 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Deutschland, aber trotzdem nur 24,3 Prozent des Vermögens.

Platz 8: Frankreich

Frankreich steht besser da als Deutschland. Durchschnittlich 233.400 Euro beträgt dort das Nettovermögen der Haushalte und liegt damit leicht über dem Mittelwert der Euro-Zone. 20,2 Prozent der Haushalte halten 20,3 Prozent des Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

Platz 7: Österreich

265.000 Euro besitzen österreichische Haushalte im Durchschnitt an Vermögen. Damit haben die Österreicher anteilig mehr Vermögen als Haushalte der Euro-Zone: 2,7 Prozent der Haushalte besitzen 3,1 Prozent des Vermögens.

Platz 6: Italien

Auch das Krisenland Italien liegt deutlich über dem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen der Euro-Zone: 275.200 Euro an Vermögen haben die italienischen Haushalte im Durchschnitt angehäuft. Damit machen sie zwa rnur 17,2 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone aus, halten aber 20,6 Prozent des Vermögens.

Platz 5: Spanien

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit besitzen auch die spanischen Haushalte noch viel Vermögen, durchschittlich 291.400 Euro. Die Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2008. Damals besaßen die spanischen 12,3 Prozent der Haushalte innerhalb der Euro-Zone rund 15,6 Prozent des Vermögens.

Platz 4: Belgien

In Belgien liegt das Nettohaushaltseinkommen durchschnittlich bei 338.600 Euro - und damit weit über dem der Nachbarländer Niederlande oder Deutschland. 3,4 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Belgien, dort sammelt sich aber 5,0 Prozent des Vermögens.

Platz 3: Malta

Die bevölkerungsärmsten Euro-Länder haben die reichsten Haushalte. Mit 366.000 Euro Durchschnittsvermögen liegen die Haushalte auf der kleinen Mittelmeerinsel auf Platz drei. 0,1 Prozent der Haushalte der Euro-Zone sind auf der Insel zu finden - aber auch 0,2 Prozent des Vermögens.

Platz 2: Zypern

670.900 Euro Vermögen besitzen die Haushalte in Zypern im Durchschnitt - fast das dreifache des Mittelwerts der Euro-Zone, der bei 230.800 Euro liegt. Damit häuft sich bei den 0,2 Prozent der Haushalte der Euro-Zone rund 0,6 Prozent des Vermögenbesitzes.

Platz 1: Luxemburg

Die Luxemburger sind jedoch noch fast 40.000 Euro reicher als die Zyprioten: 710.100 Euro Vermögen besitzen die luxemburgischen Haushalte - und damit 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb Euro-Zone, auch wenn sich nur 0,1 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone in Luxemburg befinden. Das Großherzogtum hat damit unbestritten das höchste Nettohaushaltsvermögen.

Dass die sogenannte Anschaffungsneigung demnächst sogar auf das Rekordniveau von 2006 steigen könnte, erwartet Bürkl allerdings nicht. Damals hatte die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung viele Haushalte dazu veranlasst, größere Anschaffungen vorzuziehen. Mit fast 65 Indexpunkten war die Anschaffungsneigung damals knapp doppelt so hoch wie derzeit. Aus den monatlich ermittelten Umfragewerten zur Anschaffungsneigung, der Konjunkturerwartung und den Einkommenserwartungen ermittelt die GfK monatlich den Konsumklimaindex.

Ein Hinweis auf eine leicht gebremste Konsumlust könnte nach Bürkls Einschätzung auch die wieder steigende Sparneigung sein. „Der Index für die Sparneigung liegt zwar mit minus 25 Punkten weiterhin tief im Keller, trotzdem hat die Sparneigung im August leicht zugenommen.“ Noch im Juni hatte sie bei minus 35 Punkten gelegen - und war damit auf ein Rekordtief gesunken. In der derzeitigen Lage hielten es wieder etwas mehr Verbraucher für ratsam, zu sparen. Insgesamt bewege sich die Bereitschaft von Verbrauchern zu größeren Anschaffungen aber weiterhin auf hohem Niveau, stellte der Konsumforscher klar.

Deutsche Konsumlaune fällt überraschend - Talfahrt an den Börsen

Video: Deutsche Konsumlaune fällt überraschend - Talfahrt an den Börsen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rechner

28.08.2013, 09:03 Uhr

Die drohende Bombadierung Syriens unter möglicher deutscher - direkter oder indirekter - Beteiligung dürfte die Kauflust auch nicht steigern.

Das könnte nur eine Abwahl der Kriegsparteien am 22. September bewirken.

Wolfsfreund

28.08.2013, 09:06 Uhr

Das Aufmacherbild zeigt doch im Grunde die ganze Crux. Shoppen bis der Arzt kommt oder oder völlig durchgeknallt "vor Glück kreischen", wenn ein großes Online-Versandhaus mal wieder ein paar Pakete schickt.
Wozu braucht eine Frau 30 Paar Schuhe oder ein Mann einen Kleiderschrank voller Anzüge und Schlipse? Warum muß der Breitfernseher immer noch breiter werden und das Auto noch ein paar km/h schneller? Da wird bei Tests bei einem braven Familien-Van moniert, daß bei 150 PS kein Fahr"spaß" aufkommt. Geht's noch? Wenn der Nachbar dann noch ein stärkeres, schnelleres Auto hat, dann gibt's schlaflose Nächte.
Im Restaurant sind es immer noch exotischere, teurere Nobelfreßchen, Urlaub wird an den exotischsten Orten der Welt gemacht, aber ohne daß Reisen bereichert, weil man sich in den Touristenghettos oder am hoteleigenen Strand aufhält. Selbst sich am Händchen auf den Mt. Everest oder den Kilima Njaro führen zu lassen kann man inzwischen kaufen. Wie heißt diese blöde Werbung? "Reise dich interessant". Und selbstverständlich muß Töchterchen ein eigenes Pferd haben. Es geht also immer wieder nur um Statussymbole.
Sorry, man kann nur ein paar Schuhe zur Zeit tragen (vielleicht noch ein paar weitere in Reserve bei schlechtem Wetter oder für den Winter), jedes Auto bringt einen von A nach B, auch ein uralter Kombi, man kann sich nur satt essen (statt dessen landen nach Festtagen überschüssige Lebensmittel gleich tonnenweise im Müll und alles jammert über's Übergewicht). Reisen sollte man vor allem, um seinen eigenen Horizont zu erweitern, nicht, um damit am Stammtisch zu protzen.
Fast 6 Lebensjahrzehnte haben mich gelehrt, daß all die so gehätschelten Statussymbole nur Talmi sind, hohles, gehaltloses Zeug. Wahre Werte liegen woanders. Ein gutes Buch lesen, ein Abend mit Freunden, eine lange Wanderung mit den Hunden in schöner Landschaft mit sauberer Luft und ebenso sauberem Wasser, das ist es, was m.E. auf Dauer zählt, nicht die sinnlose Jagd nach immer mehr Konsum.

Account gelöscht!

28.08.2013, 09:48 Uhr

Da es noch vernünftige und weitsichtige Menschen gibt,wie den obigen Freund der Wölfe, sehe ich noch keinen Untergang für Germanien, auch wenn der Konsumtaumel nach lässt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×