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28.06.2011

08:15 Uhr

GfK-Konsumklima

Deutsche im Kaufrausch – trotz Schuldenkrise

Ob Schuldenkrise oder hohe Energiepreise – die Deutschen lassen sich von solchen Risiken in ihrer Kauflust nicht bremsen. Der GfK-Index der Nürnberger Konsumforscher ist erstmals seit März gestiegen.

Frauen mit Einkaufstüten in einer Kölner Fußgängerzone. Quelle: dpa

Frauen mit Einkaufstüten in einer Kölner Fußgängerzone.

NürnbergTrotz der ungelösten Schuldenkrise in Europa steigt die Kauflaune der deutschen Verbraucher. Das für Juli berechnete Konsumklima-Barometer stieg überraschend von 5,6 auf 5,7 Punkte, teilte die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Dienstag mit. Das war der erste Anstieg seit vier Monaten. Von Reuters befragte Analysten hatten einen Rückgang auf 5,3 Zähler erwartet. Die 2000 befragten Verbraucher rechnen mit spürbar steigenden Einkommen und einer anhaltend guten Konjunktur. Sie wollen deshalb mehr Geld für größere Anschaffungen lockermachen.

„Nach wie vor vorhandene Risiken für die Konjunktur - wie die Schuldenkrise in der Eurozone und hohe Energiepreise - sind im Frühsommer in der Wahrnehmung der Verbraucher etwas in den Hintergrund getreten“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. „Damit gewinnen die guten Rahmendaten wie die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und das gute Wirtschaftswachstum wieder die Oberhand über die „Störfaktoren' Fukushima sowie die Situation im Nahen Osten und Griechenland.“

Den größten Sprung nach oben machten die Einkommenserwartungen, die so gut sind wie seit November nicht mehr. Besonders die sinkende Arbeitslosigkeit sorge dafür, dass mehr Konsumenten eine Verbesserung ihrer finanziellen Lage erwarten. „Zum einen können die gesamten Löhne und Gehälter durch die steigende Anzahl von Erwerbstätigen zunehmen“, sagte Bürkl. „Zum anderen stärkt eine sinkende Arbeitslosigkeit die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer im Hinblick auf höhere Zuwächse bei den Arbeitseinkommen.“ Trotz der vergleichsweise hohen Inflation waren die Reallöhne im ersten Quartal mit rund zwei Prozent so kräftig gestiegen wie seit Jahren nicht mehr.

Ungeachtet erster Anzeichen für eine Konjunkturabkühlung rechnen die Verbraucher mit einem robusten Wirtschaftswachstum. Wegen des starken Auftaktquartals hatten die Bundesbank und eine Reihe von Wirtschaftsinstituten ihre Prognosen heraufgesetzt. „Das bedeutet, dass sich die deutsche Wirtschaft ähnlich dynamisch entwickeln wird wie im vergangenen Jahr“, sagte Bürkl. Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut erwartet sogar ein Wachstum von vier Prozent. Allerdings rechnen die Unternehmen in den kommenden Wochen mit einer Abkühlung: Die Ifo-Konjunkturerwartungen, für die 7000 Manager befragt werden, sanken zuletzt vier Monate in Folge.

Dennoch sitzt bei den Verbrauchern das Geld wieder lockerer. „Positive Konjunktur- und überaus erfreuliche Arbeitsmarktzahlen stärken die Planungssicherheit der Konsumenten, die gerade bei größeren Anschaffungen eine wichtige Rolle spielt“, sagte Bürkl.

Von

rtr

Kommentare (19)

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Konsum_auf_Pump

28.06.2011, 08:22 Uhr

Deutsche im Kaufrausch – trotz Schuldenkrise
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Zum großen Teil alles auf Pump finanziert!
Motto: Nach mir die Sintflut!
Aber genau das will unser Staat, konsumierende DSDS und Dschungelcamp glotzende Vollschwachmaten.
Die machen sich wenigstens keine Gedanken in ihrer „heilen“ Konsumentenwelt und bleiben auch der nächsten Wahl fern.
Die größte Gruppe in unserer Demokratie stellen nunmal die Nichtwähler.
Gut für Merkel, schlecht für unser Land.

Merbod

28.06.2011, 08:27 Uhr

Es muß heißen "WEGEN" Schuldenkrise, nicht "trotz Schuldenkrise". Man kann nämlich nur jedem empfehlen, sich von seinen unsicheren Euros zu trennen, solange er noch etwas dafür bekommt!

Elisa

28.06.2011, 09:02 Uhr

Ludwig von Mises prägte den Begriff „Crack-Up Boom“ und beschreibt damit die Vorgänge in einer Volkswirtschaft vor dem finanziellen Zusammenbruch. An anderer Stelle hat der berühmte österreichische Nationalökonom auch das Wort „Katastrophenhausse“ verwendet.

Der letzte Crack Up Boom fand zwischen den Jahren 1920 und 1923 in Deutschland statt und ist exemplarisch für den Verlauf einer Katastrophenhausse: die Preise explodierten, der Aktienindex stieg innerhalb eines Jahres von 20 Punkten auf 269.000.000.000, der Lebensmittelindex von 220 auf 1.247.000.000.000. Die Inflation lag bei über 300 Prozent pro Monat. Die Situation konnte am Ende nur mit der Einführung einer neuen Währung Ende 1923 bereinigt werden.

Die Marktakteure schichten ihr Geld sukzessive in alle Arten von Sachwerten um, also in Immobilien, Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle, aber auch in Lebensmittel.
Diese massive und sich beschleunigende Umschichtung großer Geldwerte in Sachwerte führt letztendlich zu einem Boom auf den Märkten, der von der Angst getrieben wird, dass das Geld immer weniger wert sein wird: der Crack-Up Boom.
krisenvorsorge.com

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