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25.01.2007

08:48 Uhr

GFK-Konsumklima

Katerstimmung bei deutschen Verbrauchern

Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat sich zum Jahresbeginn drastisch verschlechtert. Nach der Mehrwertsteuererhöhung ging die Neigung zu größeren Anschaffungen drastisch zurück. Es war der stärkste Rückgang innerhalb eines Monats seit Beginn der monatlichen Erhebungen der GfK im Jahr 1980.

Zurückhaltende Konsumenten: Vorgezogene Einkäufe haben die Anschaffungsneigung stark gesenkt. Foto: dpa Quelle: dpa

Zurückhaltende Konsumenten: Vorgezogene Einkäufe haben die Anschaffungsneigung stark gesenkt. Foto: dpa

HB NÜRNBERG. Der monatlich ermittelte Indikator für das Konsumklima fiel für Februar auf 4,8 von revidiert 8,5 Punkten im Vormonat, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mitteilte. „Offenbar herrscht unter den Konsumenten zur Zeit noch erhebliche Verunsicherung darüber, wie sich die höhere Konsumsteuer tatsächlich auf die Preise ausgewirkt hat“, hieß es zu der Befragung von 2000 Verbrauchern. Anschaffungen würden deshalb zurückgehalten.

Experten hatten nur mit einem leichten Rückgang des Konsumklimaindikators um 0,2 Punkte gerechnet. Die Anschaffungsneigung stürzte im Januar auf minus 5,1 von 59,9 Zählern im Vormonat. Das ist der GfK zufolge der stärkste Rückgang binnen Monatsfrist seit Beginn der monatlichen Erhebung 1980. Nun zeichne sich die mehrfach angekündigte Schwächephase des privaten Konsums im ersten Quartal deutlich ab. „Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei dieser ausgeprägten Reaktion um eine Momentaufnahme handelt“, hieß es bei der GfK.

Die Kaufbereitschaft hatte sich im Lauf des vergangenen Jahres mehr und mehr vom Gesamtindikator abgekoppelt und so die Stimmung im Vorfeld der Mehrwertsteueranhebung stark überzeichnet. Deshalb bleiben die GfK-Experten bei ihrer Prognose, dass der private Konsum 2007 um 0,5 Prozent zulegt.

Deutlich stabilisierten sich die Konjunkturerwartungen der Verbraucher. Sie legten im Januar um 1,8 auf 37,5 Punkte zu und erreichten damit den höchsten Stand seit Januar 2001. Damit bekunden die Verbraucher wie die vom ZEW befragten professionellen Anleger und Analysten zunehmend Vertrauen in den Aufschwung.

Mehrwertsteuererhöhung „politisch schön geredet“

Auch die Einkommenserwartungen kletterten auf minus 5,1 von minus 16,6 Zählern. Die spürbare Erholung begründet die GfK damit, dass die Haushalte die zum Jahresbeginn in Kraft getretenen finanziellen Lasten bereits im alten Jahr berücksichtigt hatten. Doch noch immer liegt der Indikator unter seinem langjährigen Schnitt von 0 Punkten.

Der dramatische Einbruch des GFK-Index überraschte die Märkte. „Die Anschaffungsneigung hat sich ja fast halbiert“, sagt ein Händler. Die Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung seien „unterschätzt“ und „politisch schön geredet“ worden.

„Das ist jetzt wirklich der Mehrwertsteuerschock, den wir erleben", sagte Andreas Rees von Unicredit. "Insofern spricht vieles dafür, dass der private Konsum im ersten Quartal schrumpfen wird und entsprechend das Wachstum belastet." Optimistischer ist Dirk Schmacher von Goldman Sachs: "Nun geht die Konsumlaune runter, aber die harten Zahlen könnten etwas besser ausfallen als befürchtet."

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