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23.04.2014

13:23 Uhr

GfK-Studie

Europas Verbraucher sind wieder optimistischer

Vor allem in Südeuropa hatte die Wirtschaftskrise lange Zeit auf die Verbraucherstimmung gedrückt. Leere Geldbeutel zwangen dazu, größere Anschaffungen aufzuschieben. Dass scheint sich zu ändern – auch in Griechenland.

Die Verbraucher in Europa sind guter Dinge und wollen wieder mehr Geld ausgeben. dpa

Die Verbraucher in Europa sind guter Dinge und wollen wieder mehr Geld ausgeben.

NürnbergMit der weltweiten Konjunkturerholung wächst auch bei Europas Verbrauchern wieder das Zutrauen in die Wirtschaft. In vielen Ländern habe sich inzwischen die Verbraucherstimmung deutlich aufgehellt, geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Konsumklimastudie des Marktforschungsunternehmens GfK hervor. Die Verbraucher seien in Bezug auf die Konjunktur wieder deutlich optimistischer.

Auch rechneten viele EU-Bürger inzwischen wieder mit leicht steigenden Einkommen. Dadurch planten sie auch wieder mehr größere Anschaffungen als in den zurückliegenden Jahren. Allerdings gebe es immer noch große regionale Unterschiede in der EU, geben die Nürnberger Konsumforscher zu bedenken. Der für 14 EU-Staaten ermittelte Konsumklimaindex stieg laut GfK im ersten Quartal um 0,8 auf 8,4 Punkte.

Sorgenkind bleibe weiter Griechenland. Allerdings stabilisiere sich auch dort die Verbraucherstimmung - wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Im ersten Quartal sei sowohl der Konjunkturoptimismus als auch die Einkommenserwartung im Vergleich zum Dezember 2013 gewachsen, stellten die Konsumforscher fest. „Die Griechen sind aber noch weit davon entfernt, größere Anschaffungen tätigen zu wollen“, betonte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl.

In Großbritannien war die Konjunkturerwartung nach der GfK-Befragung im ersten Quartal so gut wie seit 16 Jahren nicht mehr. „Auch bei den bislang krisengeschüttelten spanischen Verbrauchern verfestigt sich die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung“, berichtet die GfK.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Auch in Italien beurteilten die Haushalte die Konjunkturentwicklung wieder zuversichtlicher. Insgesamt aber habe Italien in Sachen Verbraucherstimmung noch großen Nachholbedarf. Auch Frankreich erhole sich auf niedrigem Niveau. Am besten sei die Verbraucherstimmung weiterhin in Deutschland. Die Verbraucherstimmung habe sich seit Dezember 2013 noch einmal deutlich verbessert.

Es gebe aber weiterhin Risiken für das Konsumklima in der EU. Dazu zähle etwa die Ukraine-Krise. „Würden als Folge verschärfter Sanktionen gegen Russland die Energiepreise in Europa steigen, würde dies sicherlich rasch auf die Verbraucherstimmung durchschlagen“, befürchtet Bürkl. „Denn höhere Gaspreise haben direkten Einfluss auf die Kaufkraft der Verbraucher.“

Da die GfK-Befragung bereits Mitte März abgeschlossen wurde, sei der Einfluss der Eskalation der Ukraine-Krise auf die Verbraucherstimmung noch nicht eingeflossen, gab Bürkl zu bedenken. Es sei nicht auszuschließen, dass die Verunsicherung der europäischen Konsumenten über die Ukraine-Krise inzwischen größer sei als in der aktuellen Studie abgebildet.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

23.04.2014, 16:03 Uhr

Vor den EU-Wahlen lügt sich gut. Die realen Fakten sehen ganz anders aus. Das gewaltige Minuswachstum in den verarmten und mit hohen Arbeitslosenzahlen belasteten Ländern wird viele, viele Jahre brauchen, um sich zu normalisieren. Ein spürbares Wachstum, was man an den Arbeitslosenzahlen gut messen kann, gibt es jedenfalls nicht. Wer rechnen kann, weiß das. Die Medienmache gerät so ins Abseits!

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