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01.01.2007

13:01 Uhr

Globale Konjunktur

Stresstest für die Weltwirtschaft

VonDorit Hess und Torsten Riecke

Erstmals seit sechs Jahren sind die USA nicht mehr die Lokomotive für die globale Konjunktur. Die US-amerikanischen Ökonomen schwanken zwischen der Hoffnung auf eine weiche Konjunkturlandung und der Angst vor einer Rezession. Europa und Asien werden dagegen stärker.

Überhitzter Immobilienmarkt: Die Firma Kushner zahlte 1,8 Mrd. Dollar für das Haus 666 Fifth Avenue in New York. Foto: ap ap

Überhitzter Immobilienmarkt: Die Firma Kushner zahlte 1,8 Mrd. Dollar für das Haus 666 Fifth Avenue in New York. Foto: ap

DÜSSELDORF / NEW YORK. Für Klaus Zumwinkel geht 2007 die Post ab. „Ich bin für das kommende Jahr ganz optimistisch“, sagt der Chef der Deutschen Post World Net mit Blick auf die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Die Wachstumsdelle durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer in Deutschland werde klein ausfallen, „in Osteuropa läuft es wunderbar. Der Mittlere Osten entwickelt sich gut. China und Indien boomen.“ Zumwinkel muss es wissen. Rund fünf Prozent des Welthandelsvolumens gehen durch die Hände seiner weltweit rund 500 000 Mitarbeiter.

Die einzige Region, die der Postler in seinem optimistischen Szenario nicht erwähnt, sind die USA. Und das hat seinen Grund. Ist Amerika doch erstmals seit langer Zeit nicht mehr die Konjunkturlokomotive für den Rest der Welt, sondern ein Wackelkandidat. Die Ökonomen in den USA schwanken zwischen der Hoffnung auf eine weiche Konjunkturlandung im nächsten Jahr und der Angst vor einer Rezession. Während US-Notenbankchef Ben Bernanke die Optimisten anführt, ist der New Yorker Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini der lauteste Kassandra-Rufer: „Ich erwarte eine handfeste Rezession im ersten Quartal 2007.“

Sollte es mit der Konjunktur in den USA tatsächlich weiter bergab gehen, muss sich der Rest der Welt auf den ersten Stresstest seit sechs Jahren gefasst machen. Gleich mehrere Sorgen liegen den Volkswirten auf der Seele: Wie stark zieht ein Abschwung in den USA die Weltwirtschaft mit nach unten? Können andere Regionen die Rolle der Konjunkturlokomotive übernehmen? Ob der globale Stabwechsel gelingt, hängt auch davon ab, wie reibungslos die Übergabe verläuft. Ein rapider Verfall des Dollars oder eine Welle des Protektionismus gelten als große Konjunkturrisiken im neuen Jahr.

Bislang ist noch völlig unklar, ob es sich bei der Wachstumsschwäche in Amerika nur um eine Verschnaufpause handelt oder ob der bisherige Motor der Weltwirtschaft längerfristig ausfällt. Die Wachstumsrate in den USA ist 2006 stetig von 5,6 Prozent auf zuletzt zwei Prozent zurückgegangen. Das liegt vor allem an der Schwäche des Immobilienmarktes, aber auch an der schlechten Auftragslage in der Industrie, die sich bereits in der Rezession befindet.

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