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12.01.2011

11:46 Uhr

Globale Risiken 2011

Welche Gefahren die Welt an den Abgrund drängen

VonThomas Schmitt

Wassermangel, ökonomische Ungleichgewichte, soziale Konflikte: Nach der Finanzkrise steht die Welt am Abgrund – und verträgt keine weiteren Schocks. Die Stiftung Weltwirtschaftsforum in Genf sieht das Wirtschafts- und Finanzsystem stark geschwächt. Manager und Politiker dürften keine weiteren Krisen zulassen.

Wüste in der Mongolei: Der Mangel an Wasser zählt zu den globalen Risiken dpa

Wüste in der Mongolei: Der Mangel an Wasser zählt zu den globalen Risiken

FRANKFURT. Die Welt verträgt keine weiteren großen Schocks. Das ist die Hauptaussage des heute in London vorgelegten sechsten Berichts "Globale Risiken 2011", der vom "World Economic Forum“ in Genf erarbeitet wurde. Die Finanzkrise habe die wirtschaftliche Widerstandskraft verringert, gleichzeitig seien die geopolitischen Spannungen und sozialen Konflikte gestiegen, schreiben die Autoren der unabhängigen Organisation, die 1971 als Stiftung gegründet worden war und den Weltwirtschaftsgipfel Ende Januar in Davos organisiert. Wirtschaftliche Ungleichgewichte und ungedeckte Verbindlichkeiten könnten laut dem Bericht die Basis für weitere Staatsschulden- und Finanzkrisen legen. Zur Steuerung dieser Risiken seien gemeinsame und koordinierte Schritte dringend notwendig. Während sich Anzahl und Intensität globaler Risiken drastisch ausgeweitet hätten, seien globale Steuerungssysteme nicht ausreichend auf diese Situation vorbereitet.

Der Bericht Globale Risiken 2011 wurde in Zusammenarbeit mit Marsh & McLennan Companies, der Schweizerischen Rückversicherungsgesellschaft (Swiss Re), dem Wharton Center für Risk Management und dem Versicherer Zurich Financial Services veröffentlicht. Er beruht auf den Meinungen von 580 Experten, die am Global Risks Survey 2010 des World Economic Forum teilgenommen haben und verschiedene Interessengruppen und Regionen vertreten. Das Ziel bestand darin, die Wahrscheinlichkeiten, Konsequenzen und Zusammenhänge von 37 Risiken auf Sicht von zehn Jahren abzuschätzen. Insbesondere drei Bereiche haben die Autoren des Berichts als besonders kritisch identifiziert: die wirtschaftlichen Ungleichgewichte auf der Welt, die Schattenwirtschaft sowie knappe, lebenswichtige Ressourcen wie Wasser, Nahrungsmittel und Energie.

Makroökonomische Ungleichgewichte

Für die Entstehung der globalen Finanzkrise seien langfristige strukturelle Schwächen der Weltwirtschaft verantwortlich gewesen, heißt es in dem Bericht. Nun sei durch makroökonomische Ungleichgewichte, die wachsende Verschuldung von Industrienationen, die massiven ungedeckten öffentlichen Verbindlichkeiten aus den Sozialversicherungssystemen und die Volatilität an den Finanzmärkten ein undurchschaubarer Komplex ökonomischer Risiken entstanden. Durch den krisenbedingten Anstieg der Staatsverschuldung sei jedoch der Handlungsspielraum bei weiteren Krisen erschreckend klein geworden.

Daniel M. Hofmann, Chefökonom des Versicherers Zurich Financial Services, urteilt daher: "Die meisten Industrienationen verfolgen keine nachhaltige Geldpolitik. Wenn hier keine strukturelle Reformen erfolgen, besteht ein hohes Risiko für Staatsinsolvenzen." Christian Mumenthaler, Chief Marketing Officer Reinsurance und Vorstandsmitglied beim Rückversicherer Swiss Re, sagt: "Durch die langfristigen öffentlichen Verbindlichkeiten, die aufgrund der alternden Bevölkerung auf uns zukommen, dürfte sich die Staatsschuldenproblematik noch zuspitzen. Nur wenn der öffentliche und der private Sektor zusammenarbeiten, können wir sicherstellen, dass die bevorstehenden finanziellen Herausforderungen gemeistert werden und die höhere Lebenserwartung sich nicht in einen nachteiligen Trend für die Gesellschaft umkehrt."

Schattenwirtschaft

Dieser Komplex umfasst Risiken wie gescheiterte oder fragile Staaten, illegaler Handel, organisiertes Verbrechen und Korruption. Eine immer stärker vernetzte Welt, Regierungsversagen und wirtschaftliche Disparitäten könnten solchen illegalen Aktivitäten Auftrieb verleihen. Im Jahr 2009 wurde der Bereich illegaler Handel weltweit auf etwa 1300 Milliarden US-Dollar geschätzt, die Tendenz sei steigend. Diese Risiken, die mit enormen Kosten für die legalen Wirtschaftsaktivitäten verbunden seien, trügen außerdem zur Unterwanderung von Staatlichkeit bei, gefährdeten Entwicklungsmöglichkeiten, und würden Armutsspiralen und Instabilität in einigen Ländern aufrecht erhalten. Stärkere internationale Zusammenarbeit sei daher dringend erforderlich.

Kommentare (9)

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Otto Hilscher

12.01.2011, 13:41 Uhr

Die vorbildliche Auflistung der größten Weltprobleme
läßt andererseits auch erkennen, dass diese Probleme viel größer sind wie die Fähigkeit aller Politiker, Lösungen zu erarbeiten. Dazu kommt, dass mögliche Lösungen so unpopulär wären, dass Politiker, die wiedergewählt werden wollen, derartige Maßnahmen gar nicht ergreifen. Wenig Hoffnung also auf eine bessere Zukunft!
Otto Hilscher

Margrit Steer

12.01.2011, 13:58 Uhr

Läuft nicht alles auf einen dritten WK hinaus?
Kriege haben es in der Vergangenheit immer gerichtet.

Es ist auch zu vieles schief gelaufen in den letzten Jahrzehnten und da hat die westliche Welt einen großen Anteil dran.
Anstatt arme Länder ständig mit Entwicklungshilfe zu beglücken, die meist versickert und die Konten der Politiker füllt, hätte man a.) die Geburtenraten in den Hungerländern eindämmen müssen und b.) Hilfe zur Selbsthilfe leisten müssen
Aber so lange der Westen meint und Deutschland besonders, mit dem Scheckbuch wedeln genügt, wird sich nichts ändern
Und ist mal auf dem afrikan. Kontinent ein Land was versucht genau das zu tun, kommen wir und machen alles kaputt.
Da machen Leute eine kleine Landwirtschaft und können aber die Milch ihrer Kühe nicht auf dem Markt verkaufen, weil die Milch und Milchpulver aus dem Westen billiger ist.
Da machen Frauen eine Näherei und kleine Textilfabrik auf, aber ihre Sachen sind teurer als die aus dem Westen importierten Altkleider.
Wie zynisch ist das denn?
Die EU, brüssel machen all dies möglich. Unsere bauern exportieren Eier, Milchpulver, Hähnchen etc. dorthin und wir nehmen damit den Menschen jede Arbeitsgrundlage.
Wie kriminell ist ein solches Verhalten?
Da muß erst einmal gehandelt werden, das muß aufhören

Kräftemangel

12.01.2011, 14:16 Uhr

"Weltkriege haben in der Vergangenheit alles gerichtet." Wie weit muss die Dummheit eigentlich noch ausufern?
Wenn man nicht um die Ecke denken kann, bieten sich solche Lösungen an, wo nur Alle verlieren können. Nehmt bitte zur Kenntnis, dass es Leute auf dieser Welt gibt, die mit Krisen hervorragend leben können und diese geradezu brauchen. billionen werden auf Konten gestapelt. Es sind die Schuldenbillionen um die sich der Steuerzahlen kümmern soll. Einen schönen Tag.

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