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21.03.2012

11:26 Uhr

Goldman-Chefvolkswirt

„Die Amerikaner haben ihr Verhalten nicht geändert“

VonRolf Benders

Der Chefvolkswirt der US-Bank Goldman Sachs zweifelt an einer baldigen Genesung der US-Wirtschaft. Im Interview erklärt er, warum positive Arbeitslosenzahlen trügerisch sind und wieso die Immobilienkrise noch nachwirkt.

Jan Hatzius ist Chefvolkswirt von Goldman Sachs. Seit 1997 arbeitet er für die Investmentbank, seit 2008 als Partner. Er berät unter anderem die US-Notenbank und den Kongress in Washington. Pressefoto Goldmann Sachs

Jan Hatzius ist Chefvolkswirt von Goldman Sachs. Seit 1997 arbeitet er für die Investmentbank, seit 2008 als Partner. Er berät unter anderem die US-Notenbank und den Kongress in Washington.

Handelsblatt: Herr Hatzius, Amerika durchlebte nach der Finanzkrise eine schwere Zeit. Jetzt scheint sich der Arbeitsmarkt zu erholen. Stehen die USA vor einem Comeback?

Jan Hatzius: Ich sehe kein starkes Comeback der USA. Niemand spricht mehr von einer neuen Rezession. Aber man kann aus der Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht auf starkes Wachstum schließen. Wir rechnen mit nur wenig über zwei Prozent für 2012.

Was macht Sie so vorsichtig?

Ich vermute, dass ein Teil der guten Daten vom Arbeitsmarkt auf temporäre Faktoren zurückzuführen ist. Dazu gehört der sehr milde Winter, der allein für bis zu 40.000 der zuletzt monatlich 245.000 neuen Stellen verantwortlich ist. Zudem haben die Firmen zuletzt die Lager wieder auf normales Maß aufgestockt. Nach unseren Prognosen wird die Quote 2012 nur leicht auf 8,2 Prozent fallen.

Was bremst das Wachstum?

Der Heilungsprozess, vor allem am Immobilienmarkt, ist noch nicht abgeschlossen, und es gibt Gegenwind in Form höherer Ölpreise und engerer Fiskalpolitik.

Das sehen einige Ihrer Kollegen aber anders und erwarten bereits in diesem Jahr eine Stabilisierung der Häuserpreise.

Das ist vielleicht etwas zu optimistisch. Wir rechnen mit einem weiteren Rückgang der Preise um drei bis vier Prozent und einer Stabilisierung erst 2013. Das Überangebot ist immer noch groß. Die Leerstandsquote bei Häusern ist von 2,9 Prozent in der Spitze bereits 2009 auf 2,3 Prozent gefallen. Sie liegt aber noch deutlich über den 1,7 Prozent von vor der Krise.

Sie haben den gestiegenen Ölpreis angesprochen. Welche Rolle spielt er?

Der macht sich bemerkbar. In den USA ist der Benzinpreis zuletzt saisonbereinigt um zehn Prozent angestiegen. Das kann bis zu 0,4 Prozentpunkte Wachstum kosten. Ein höherer Benzinpreis bedeutet eben, dass die Menschen weniger für den privaten Konsum zur Verfügung haben.

Stichwort Konsum: Haben die Amerikaner aus der Krise gelernt? Die Verschuldung steigt wieder, die Sparquote sinkt.

Ich glaube nicht, dass es bisher eine große Verhaltensveränderung gegeben hat. Während der Krise haben die Amerikaner einfach auf die Realitäten reagiert. Sie konnten sich nicht mehr so viel Geld leihen. Jetzt steht wieder etwas mehr Kredit zur Verfügung, und man leiht sich wieder etwas mehr Geld. Aber ich glaube nicht, dass es eine fundamentale Veränderung gegeben hat.

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