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28.01.2015

07:34 Uhr

Griechenland

„Das hätte fatale Folgen für das griechische Finanzsystem“

ExklusivBundesbank-Vorstand Joachim Nagel warnt vor dem Ende des Hilfsprogramms für Griechenland. Dass sich die Notenbanken des Euro-Systems an einem Schuldenschnitt beteiligen, schließt er kategorisch aus.

Eine Aufkündigung des Hilfsprogramms für Griechenland durch die neue Regierung in Athen hätte fatale Folgen für die griechischen Banken, warnt Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel. dpa

Eine Aufkündigung des Hilfsprogramms für Griechenland durch die neue Regierung in Athen hätte fatale Folgen für die griechischen Banken, warnt Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel.

DüsseldorfEine Aufkündigung des bestehenden Hilfsprogramms für Griechenland durch die neue Regierung in Athen hätte fatale Folgen für die griechischen Banken, warnt Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel in einem Interview mit dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). „Sollte die Fortführung des Hilfsprogramms für Griechenland infrage stehen, könnte dies bereits die geldpolitische Refinanzierung gefährden“, sagte Nagel. „Das hätte fatale Folgen für das griechische Finanzsystem. Die griechischen Banken würden dann ihren Zugang zu Zentralbankgeld verlieren.“ Dieser Zusammenhang werde nach seinem Eindruck unterschätzt.

Nagel schloss kategorisch aus, dass sich die Notenbanken des Euro-Systems mit den von ihnen gehaltenen griechischen Staatsanleihen an einem Schuldenschnitt beteiligen. „Selbst wenn es dazu käme, könnte das Euro-System dem nicht zustimmen. Ein Forderungsverzicht wäre monetäre Staatsfinanzierung und damit ein Bruch des EU-Vertrages“, sagte Nagel. Ähnlich hatte sich bereits EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré geäußert.

Die Hilfsprogramme für Griechenland

Zwei Hilfspakete

Um eine Staatspleite abzuwenden, unterstützen die internationalen Geldgeber Griechenland seit Mai 2010. Dabei helfen die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) mit zwei Hilfspaketen von zusammen rund 240 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) überwacht gemeinsam mit IWF und EU die Hilfen.

Das erste Hilfsprogramm

Beim ersten Hilfsprogramm erhielt Athen Kredite direkt von den Euro-Partnern. 73 Milliarden Euro sind ausgezahlt worden, der deutsche Anteil liegt bei 15,17 Milliarden Euro.

Schuldenschnitt

Außerdem gab es einen Schuldenschnitt: Dabei mussten Griechenlands private Gläubiger mehr als die Hälfte ihrer Forderungen abschreiben. Dieser Schritt vom März 2012 verringerte den Schuldenberg Griechenlands auf einen Schlag um 100 Milliarden Euro.

Das zweite Hilfsprogramm

Aus dem zweiten Hilfsprogramm sind bislang rund 153 Milliarden Euro nach Griechenland geflossen. Sie kommen aus dem gemeinsamen Euro-Rettungsschirm EFSF und vom IWF.

Drei Tage vor der Wahl in Griechenland hatte die EZB massive Anleihekäufe beschlossen. Über die zeitliche Nähe der Entscheidung zur Griechenland-Wahl sagte Nagel: „Die Notenbanken des Euro-Systems müssen sich im Grundsatz frei machen von politischen Ereignissen. Die Signalwirkung des Beschlusses – gerade zu diesem Zeitpunkt – sollte jedoch nicht politisch uminterpretiert werden und zu einer Verlangsamung der notwendigen Reformen führen.“

Von

jam

Kommentare (8)

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Herr man reg

28.01.2015, 09:15 Uhr

Verhandlung auf Griechisch: Ein steuerhinterziehender Rechtspopulist - Kammenos - fordert vom europäischen Steuerzahler das Geld, das er selbst dem griechischen Staat frech vorenthält. Nein, meine Lieben, das wird nichts. Um zu sehen, wie es wird, muessen wir uns nur die vergangenen Jahre ansehen. Und die waren ja für Griechenland sehr erfolgreich: Verhandlungen ohne Ende, Feilschen wie auf einem orientalischen - pardon griechischen - Basar, Schuldenschnitt (100 Mrd. gespart!), versprechen, verlängern, Zugeständnisse usw. usw. Und eines ist sicher: daran wird sich nichts ändern. Es wird für die EU - aber auch für Griechenland - eine never ending Story bleiben. Ich sags nochmal: Griechenland muss aus dem Euro-System ausscheiden. Das wird für uns dann nochmal sehr schmerzhaft, aber manchmal ist ein Ende mit Schmerzen besser als nicht endender Trigeminus-Schmerz. Der kann zum Selbstmord führen. Das wollen wir sicher nicht. Wenn Griechenland dann wieder selbst über sein Wohl und Weh bestimmt - mit über 10 Prozent Zinsen (mindestens), Null Kreditwürdigkeit, so gut wie keiner Industrie aber jeder Menge Staatsbediensteten, dicken Renten (da wollen sie doch wieder hin), einem undurchsichtigen, ineffektiven Verwaltungssystem und möglichst wenig Steuerbelastung, dann hat die griechische Seele endlich Ruhe gefunden. Und der Rest von Europa hat viel Spass beim Urlaub in Griechenland.

Herr Peter Aue

28.01.2015, 09:57 Uhr

Der Herr meint wohl katastrophale Folgen für die EU-Blutsaugerfinanzoligarchie.
50% Jugendarbeitslosigkeit seit Jahren stört diese ja nicht.
Griechenland sollte folgendes tun, denn besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende:
Verkündung des Austritts aus dem Euro. Erklärung sämtlicher Staatsschulden als unbedienbar und ausgefallen.
Einführung einer neuen Währung.
Neustart.
Binnen eines Jahres wäre Griechenland ein aufblühendes Land.

Herr Joly Joker

28.01.2015, 10:21 Uhr

Wieso sollte Griechenland dann aufblühen? Die Ursachen der heutigen Situation sind noch immer existent und virulent. In Kürze wäre Griechenland wieder verschuldet und dann existenzunfähig. G. ist ein Land der 3. Welt mit gesponsertem Einkommen aus dem europäischen Steuertopf. Ohne Geldgeschenke müssten die griechischen Machos zuschauen wie ihre jungen Frauen und Töchter unsere Puffs bevölkern würden und jedem Touristen zum Ouzo einen auf griechisch saugen müssten. Unsere Jungs bis 90 müssten nicht mehr nach Bangkok oder Bali. Sie könnten die klassische griechische Tugend/gr. Erbe/Kultur der Knabenschändung wieder aufleben lassen. Davon kann man sogar gut leben. Fragen sie doch mal bei den Experten der SPD und der Grünen nach. Edathi, Beck, der Rote Bennie. Alles experten im Bereich kindesmisbrauch.

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