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05.05.2015

11:29 Uhr

Griechenland-Krise

IWF bringt nächsten Schuldenschnitt ins Spiel

Die Unsicherheit im Schuldenstreit belastet die Wirtschaftsentwicklung in Griechenland laut EU-Frühjahrsgutachten massiv. In diesem Jahr dürfte das BIP nur noch um 0,5 Prozent wachsen. Der IWF ist alarmiert.

Geben sich nach außen hin betont freundlich: IWF-Chefin Christine Lagarde und der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis. dpa

Treffen Lagarde - Varoufakis

Geben sich nach außen hin betont freundlich: IWF-Chefin Christine Lagarde und der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis.


Griechenland und seine Gläubiger ringen um eine Lösung im Schuldenstreit. Während Athen und die EU sanfte Töne anschlagen und von einer Annäherung sprechen, erhöht der der Internationale Währungsfonds (IWF) plötzlich den Druck auf den Krisenstaat. Laut „Financial Times“ fordert der IWF von den europäischen Partnern, auf einen Teil ihrer Forderungen gegenüber Athen zu verzichten. Andernfalls will der IWF seine Hilfszahlungen blockieren.

Der Zeitung zufolge hatte IWF-Europachef Poul Thomsen den Euro-Finanzministern bei ihrem jüngsten Treffen in Riga eine solche Warnung übermittelt. Grund dafür sei, dass der bisher anvisierte Budgetüberschuss wegen der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung voraussichtlich nicht zustande komme. Ein Etat-Defizit würde die Schuldentragfähigkeit aber weiter untergraben.

Nach Angaben von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) pocht der IWF dagegen auf keinen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland. „Der IWF hat eine solche Äußerung natürlich nicht getan“, wies Schäuble entsprechende Medienberichte am Dienstag in Berlin vor der Auslandspresse zurück.

Brisanz würde die Forderung des Fonds nach einem Schuldenschnitt angesichts der Ergebnisse des Frühjahrsgutachtens der EU-Kommission gewinnen, die an diesem Dienstag veröffentlicht wurden. Danach schlägt sich die Unsicherheit wegen des Schuldenstreits massiv auf die Wirtschaftsentwicklung in Griechenland nieder. In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) daher nur noch um 0,5 Prozent wachsen, teilte die EU-Kommission mit.

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Voraussetzung sei allerdings, dass bis Juni eine Einigung mit den Geldgebern erzielt werde. Im Februar war die Brüsseler Behörde noch von 2,5 Prozent Wachstum ausgegangen. Die Schuldenquote des pleitebedrohten Landes erreicht den Angaben zufolge 2015 einen Rekordstand von 180,2 Prozent, bevor sie kommendes Jahr auf 173,5 Prozent fallen dürfte.

Als Folge der schwachen Konjunktur rechnet die EU-Kommission im griechischen Staatshaushalt mit einem Primärüberschuss – also ohne Berücksichtigung von Zinszahlungen – von 2,1 Prozent statt erwarteten 4,8 Prozent. 2016 fällt er demnach sogar auf 1,8 Prozent, anstatt wie im Winter prognostiziert um 5,2 Prozent zu steigen. Der Primärüberschuss ist einer der Knackpunkte bei den Verhandlungen zwischen der Regierung in Athen und den Geldgebern, weil sich darin die Fähigkeit des Euro-Landes spiegelt, langfristig seine Schulden abzutragen.

Die Arbeitslosenquote in Griechenland fällt dieses Jahr laut EU-Kommission leicht auf 25,6 Prozent und 2016 auf 23,2 Prozent. Die Exportwirtschaft dürfte weiter wachsen und die Tourismusbranche sowie die Schifffahrtsindustrie vom schwachen Euro profitieren.

Kommentare (7)

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Herr C. Falk

05.05.2015, 11:56 Uhr

Der IWF erhöht den Druck während die Kommission "rettungstechnisch" positiv funkt. Wenn der IWF nicht blufft, läge dann die "Rettung" alleine in der Verantwortung der Europäer, falls der IWF aussteigt.

Zudem fordert Poul Thomsen auch noch einen Schuldenschnitt, wenn der IWF, dessen Europachef er ist, sich weiter beteiligen soll.

Druck erhöhen, Druck absenken, Druck erhöhen kennt man, wenn man in einer Vernehmungssituation ist und Ermittler Resulate sehen wollen.

Herr Vittorio Queri

05.05.2015, 12:05 Uhr

>> Griechische Wirtschaft deutlich schwächer als erwartet >>

Die Griechen haben gar keine Wirtschaft.

Die €-Sowjetunion hat ihnen das Bisschen Landwirtschaft und Tourismus kaputt gemacht.

Die Griechen haben nur eine Kreditwirtschaft : von der EUtopia holen und verfuttern !

Herr Klaus Hofer

05.05.2015, 12:38 Uhr

Wir erinnern uns, daß Herr Schäuble vor ca. einem Jahr dargelegt hat, daß ein weiterer Schuldenschnitt für Griechenland unvermeidlich sei. Allerdings setzt ein Schuldenschnitt stets auch ein Entgegenkommen des Schuldners voraus, nämlich insoweit als er ernsthafte Bemühungen erkennen lassen muß, die verbleibende Schuld auch ( irgendwann ) tilgen zu wollen. Das ist im Falle Griechenlands nicht erkennbar, und zwar auch nicht ansatzweise. Es mutet mittlerweile als grotesk an, wieviel Zeit alle beteiligten Institutionen mit Griecheland verschwenden. Daß immer mehr Bürger gegenüber Europa skeptisch werden, hängt vor allen Dingen damit zusammen, daß sich die verantwortlichen Politiker nicht ernsthaft gegen Dauerkostgänger der steuerzahlenden Euröpäer durchzusetzen vermögen.

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