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30.01.2016

13:17 Uhr

Griechenland und Co.

IWF ändert Kreditregeln für hochverschuldete Länder

Der Internationale Währungsfonds erwägt Verlängerung von Laufzeiten kurzfristiger Schulden. Das käme unter anderem Griechenland zugute. Der schwierige Rettungsversuch gab auch den Ausschlag für die Änderung.

Die IWF-Chef steht unter Druck: Die Regeln für hochverschuldete Staaten werden nun gelockert. AFP

Christine Lagarde

Die IWF-Chef steht unter Druck: Die Regeln für hochverschuldete Staaten werden nun gelockert.

WashingtonDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Regelungen für die Kreditvergabe an hochverschuldete Länder wie etwa Griechenland überarbeitet. Statt eine Restrukturierung von Staatsanleihen zu erzwingen, könnten künftig auch die Laufzeiten kurzfristiger Schulden verlängert werden, erklärte der IWF am Freitag. Damit solle vermieden werden, dass sich die Schuldenkrise weiter verschärfe.

Nach den neuen Regeln könnte der IWF auch dann finanziell eingreifen, wenn andere Gläubiger dem hochverschuldeten Land ausreichend Geld zur Verfügung stellen, dass es wieder auf die Beine kommt und sicherstellen, dass der Kredit des IWF zurückgezahlt wird.

Warum der IWF so wichtig ist

Was ist der IWF?

Der Internationale Währungsfonds (IWF), der zusammen mit den EU-Staaten zur Rettung der Staatsfinanzen der Euro-Wackelkandidaten einspringen soll, ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er wurde zusammen mit der Weltbank im Juli 1944 bei der Währungskonferenz in Bretton Woods im US-Staat New Hampshire gegründet.

Wer sind die Mitglieder im IWF?

Dem IWF mit Hauptsitz in Washington (englisch: IMF für International Monetary Fund) gehören heute 186 Staaten an. Das Stimmrecht der Mitgliedsländer richtet sich nach ihrem Kapitalanteil. Dementsprechend zählen die USA (mit 16,77 Prozent), Japan (6,02 Prozent) oder auch Deutschland (5,88 Prozent) zu den Schwergewichten des IWF. Gambia hingegen kommt auf nur 0,03 Prozent und Haiti auf 0,05 Prozent.

Welche Aufgabe hat der IWF?

Hauptaufgabe ist die Wahrung einer stabilen Währungsordnung. Dazu zählt vor allem auch die Verhinderung von Finanzkrisen - wie etwa 1994/1995 in Mexiko oder 1997/1998 in Asien

Welchen Staaten hat der IWF in den letzten Jahren geholfen?

In der jüngeren Vergangenheit griff der IWF auf Ersuchen der jeweiligen Regierungen beispielsweise in der Ukraine, Island, Ungarn, Pakistan und eben auch im Euro-Staat Griechenland ein. Für die betroffenen Staaten ist das mit strengen Auflagen für die Sanierung ihrer Finanzen verbunden.

Wer leitet den IWF?

An der Spitze des Internationalen Währungsfonds steht traditionell ein Europäer. Dagegen wird die Weltbank von einem Amerikaner geführt. Bislang einziger deutscher IWF-Direktor war Horst Köhler. Er hatte das Amt inne, bevor er 2004 zum Bundespräsidenten gewählt wurde.

Der IWF zieht damit seine Konsequenzen aus der wenig erfolgreichen Rettung Griechenlands im Jahr 2010, als die Gläubiger aus Furcht vor einer Ausweitung der Krise auf eine Restrukturierung von Anleihen verzichtet hatten. Diese "systemische Ausnahme" habe sich bei der Krisenbekämpfung nicht bewährt und überdies „erhebliche" Kosten für den IWF und Mitgliedstaaten verursacht, heißt es jetzt in dem IWF-Bericht.

Athen hatte sich mit den internationalen Gläubigern nach schwierigen Verhandlungen im vergangenen Juli auf ein drittes Kreditpaket von 86 Milliarden Euro über drei Jahre geeinigt. Im Gegenzug verpflichte sich die Regierung von Alexis Tsipras, die damit verbundenen Sparauflagen und Maßnahmen zu erfüllen.

Von

rtr

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