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14.06.2011

01:13 Uhr

Griechenland

Weidmann hegt Bedenken gegen Umschuldung

Die Notenbanken der Eurozone wollen die Rettung Griechenlands nicht zusätzlich finanzieren. Dies macht der neue Bundesbankpräsident Jens Weidmann in einem Zeitungsbeitrag klar.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Quelle: Reuters

Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

BerlinBundesbankpräsident Jens Weidmann hat erneut Zweifel am Sinn einer Beteiligung privater Gläubiger an den Kosten der Griechenlandkrise geäußert.Er erklärte zugleich, zu einem umfassenden Hilfsprogramm gehöre auch die Bereitstellung ausreichender Mittel für eine Absicherung des Bankensystems. „Die Politik kann nicht davon ausgehen, dass die Notenbanken des Eurosystems auch für die Anleihen in ihrem Bestand einer Laufzeitverlängerung zustimmen“, schrieb Weidmann in einem vorab verbreiteten Gastbeitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ (Dienstagausgabe) unter der Überschrift „Die Notenbanken übernehmen keine weiteren Risiken“.

Auch Anleihen von als insolvent bewerteten Staaten würden nicht als Pfand akzeptiert. Die Notenbanken hätten bereits beträchtliche Risiken übernommen, schrieb Weidmann. „Als kurzfristige, zeitlich begrenzte Abwehr einer akuten Krise mag dies vertretbar gewesen sein.“ Doch hätten die Maßnahmen das geldpolitische Mandat stark gedehnt und die Grenzen zwischen der Verantwortung der Geldpolitik und der Finanzpolitik verwischt. „Werden der Geldpolitik zusätzliche Aufgaben und finanzielle Risiken dauerhaft zugeschoben, kann dies ihren Auftrag, nämlich Geldwertstabilität zu gewährleisten, gefährden.“

Für die Geldpolitik gelte jetzt, die übernommenen Risiken zurückzuführen und keinesfalls weiter auszuweiten. Es stelle sich angesichts der Risiken die Frage nach dem Sinn einer Beteiligung privater Gläubiger. „Denn weil schon umfangreiche staatliche Hilfen geleistet wurden, sind die Bestände an griechischen Staatsanleihen im privaten Besitz - mit Ausnahme griechischer Banken - längst nicht mehr so hoch wie oft vermutet.“ Daher wäre die faktische Kostenbeteiligung des privaten Sektors wohl begrenzt.

Ein weiteres Problem einer Laufzeitverlängerung liege darin, dass sie die Solvenz und Liquidität griechischer Banken deutlich verschlechtere. In der Folge dürfte sich das Eurosystem mit einem zunehmenden Refinanzierungsbedarf bei verschlechterter Sicherheitenlage konfrontiert sehen. „Deshalb muss sich die Finanzpolitik bewusst sein, dass zu einem umfassenden Hilfsprogramm für Griechenland auch gehört, ausreichende Mittel für eine Absicherung des Bankensystems bereitzustellen.“ Die Frage einer Beteiligung privater Gläubiger an weiteren Milliarden-Hilfen für Griechenland dürfte auch Thema bei einem Sondertreffen der EU-Finanzminister am Dienstag in Brüssel sein.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

14.06.2011, 01:52 Uhr

Und es wird doch so kommen.
Die Politik will unbedingt Griechenland retten, koste es, was es wolle.
Die Privatbanken werden sich nicht daran beteiligen, sie haben einen Großteil ihrer Anleihen schon verkauft.
Nur die staatlichen Landesbanken halten noch ihre Anteile.
Sollte Griechenland pleite gehen, wird wieder ein neuer Bankenrettungsschirm aufgespannt, denn die Banken sind ja "systemrelevant"!
Da Griechenland von allen Raitingaghenturen schon auf Ramschniveau herabgestuft worden ist, dürfte auch die EZB diese Anleihen als Sicherheit nicht mehr annehmen.

Also bleibt es wieder einmal am Steuerzahler hängen (und da besonders am Deutschen welcher mit 27,1% haftet).

Und was machen unsere Politiker?
Sie beten mantrahaft herunder, daß es sich hier nur um Sicherheiten handelt, die niemals eingelöst werden, und das Griechenland jeden Cent plus Zinsen zurückzahlen wird.

MaWo

14.06.2011, 08:40 Uhr

@ Pandora061,
das sind zwei Paar Schuhe:
Herr Weidemann als Verantwortlicher hat die Aufgabe den EURO stabil zu halten und u.a. der Inflation entgegen zu wirken.
Natürlich können Politiker, mit ihrer Macht, sich über diese Fakten hinweg setzen.

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